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ADHS richtig behandeln

Tabletten zur Behandlung von ADHS © istockphoto, Robert Chlopas

Hat der Kinder- und Jugendpsychiater bzw. Kinderarzt ADHS diagnostiziert, stellt sich die Frage nach der angemessenen Behandlung. ADHS ist im eigentlichen Sinne nicht heilbar, weil die neurobiologischen Ursachen der Erkrankung nicht beseitigt werden können. Das Ziel einer ADHS-Therapie ist es daher, die Hauptsymptome Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität so effektiv wie möglich über den aktiven Tag des betroffenen Kindes oder Jugendlichen zu kontrollieren. Das soll den Betroffenen helfen, sich ihrem Alter und ihrem Entwicklungsstand entsprechend auf eine Sache konzentrieren und ihr gesamtes Verhalten selbstbestimmt steuern zu können.

Ziel der ADHS-Therapie

Langfristiges Ziel ist es, den Kindern und Jugendlichen die Chance auf eine altersgemäße Entwicklung zu ermöglichen. Denn nur dadurch kann der Kreislauf negativer Folgewirkungen aus Schulversagen, Außenseitertum, Suchtneigung etc. durchbrochen werden.Allerdings hat nicht jedes unaufmerksame oder überaktive Kind ADHS.

Bevor also eine Behandlung ins Auge gefasst werden kann, muss immer ein mit dem Störungsbild ADHS vertrauter Kinderarzt oder Kinder- und Jugendpsychiater zur Rate gezogen werden. Denn nur ein erfahrener Facharzt kann die genaue Diagnose stellen, so dass am Ende die Kinder eine Behandlung erhalten, die sie auch wirklich benötigen.

Bausteine einer ADHS-Therapie

Deutsche und internationale Leitlinien zur Behandlung der ADHS empfehlen eine so genannte multimodale Therapie. Gemeint ist damit eine ausgewogene Kombination aus Maßnahmen, die auf drei Behandlungssäulen basiert und in jedem Fall individuell angepasst wird. Drei Kategorien von Behandlungsmaßnahmen kommen bei einer multimodalen Therapie in Betracht:

  • Medikamente
  • Psycho-/Verhaltenstherapie
  • Begleitende pädagogische Maßnahmen

Welche Therapiemethode die geeignetste ist, richtet sich vor allem danach, wie stark die Verhaltensstörungen ausgeprägt sind. In einer unabhängigen und weltweit bisher größten Studie zu diesem Thema (MTA-Studie, 1999) hat sich gezeigt, dass die Kombination aus Medikation und Psycho-/Verhaltenstherapie die mit Abstand beste Wirkung bei ADHS hat.

Diese Studie hat auch bestätigt, dass eine ADHS-Therapie insgesamt viel erfolgreicher ist, wenn sie den ganzen Tag „wirkt“. Eine Behandlung nur während der Schulstunden am Vormittag reicht i. d. R. nicht aus, denn am Nachmittag finden meist die anderen therapeutischen Maßnahmen statt (z.B. eine Ergotherapie) und das Kind muss im Straßenverkehr, in der Clique und natürlich auch in der Familie zurecht kommen. Fachleute sprechen dann von einer "Ganztagestherapie".

Psycho-/Verhaltenstherapie

Eine Verhaltenstherapie hat zum Ziel, ungünstige Verhaltensweisen abzubauen und gezielt durch neu erlerntes Verhalten zu ersetzen. Eine Verhaltenstherapie ist dann sinnvoll, wenn die Symptome nur gering ausgeprägt sind oder noch weitere psychiatrische Begleiterkrankungen gegeben sind, wie zum Beispiel aggressive Verhaltensstörungen oder Depressionen. Weitere Gründe, die Behandlung hauptsächlich auf eine Verhaltenstherapie zu stützen: Medikamente zeigen nicht die gewünschte Wirkung, werden nicht gut vertragen oder die Eltern haben grundsätzliche Vorbehalte gegen eine medikamentöse Therapie.

Zu Beginn einer Verhaltenstherapie werden die Eltern in der Regel über ADHS aufgeklärt, damit sie die Erkrankung und deren Tragweite vollständig begreifen und den weiteren Behandlungsprozess aktiv unterstützen können. Im nächsten Schritt wird untersucht, inwieweit eingefahrene Verhaltensmuster zwischen Eltern und Geschwistern möglicherweise zu den Verhaltensstörungen beitragen.

Je nach Alter des Kindes wird auch ein individuelles Verhaltenstraining mit dem betroffenen Kind selbst empfohlen. Durch die Verhaltenstherapie lernt das Kind, sich selbst besser wahrzunehmen und sich seines ungünstigen Verhaltens bewusst zu werden, um es anschließend besser kontrollieren zu können. Verhaltenstherapie und Medikation können auch gut in Kombination angewandt werden.

ADHS-Medikamente

Es gibt eine Reihe medikamentöser Wirkstoffe und Substanzen, die bei ADHS zum Einsatz kommen. Die wichtigsten sind Amphetamine, Antidepressiva, sowie der Wirkstoff Methylphenidat. Amphetamine kommen vor allem bei Kindern in Betracht, die auf eine Behandlung mit Methylphenidat nicht ansprechen. Diese auf Rezept hergestellten Säfte oder Kapseln sind zwar gut wirksam, in der Regel jedoch nicht so gut verträglich.

Mit Antidepressiva zur Behandlung von ADHS gibt es in Deutschland bisher nur begrenzte Anwendungserfahrungen. Erste Vergleiche zeigen aber eine offenbar geringere Wirksamkeit als Methylphenidat. Der Wirkstoff Methylphenidat wird in Deutschland bereits seit über 50 Jahren erfolgreich eingesetzt. Er gilt heute als Goldstandard unter den verfügbaren Wirkstoffen; dass heißt, Methylphendat ist das Mittel der ersten Wahl bei der medikamentösen Therapie.

Der Wirkstoff beeinflusst das zentrale Nervensystem und führt in 70 bis 85 Prozent der Fälle zu einer wirkungsvollen Minderung der ADHS-typischen Verhaltensstörungen. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass er wirksam und auch in der langfristigen Anwendung gut verträglich ist. Methylphenidat gehört heute zu den am besten untersuchten Substanzen bei Kindern überhaupt.

Allerdings wird diese Substanz nach der Einnahme sehr schnell vom Körper abgebaut, weshalb sie eine nur kurze Wirkphase von drei bis vier Stunden hat. Für eine Ganztagestherapie – d.h. ein kontrollierende Wirkung auf die ADHS-Symptome über den ganzen aktiven Tag des ADHS-Kindes - müssen kurz wirksame Methylphenidat-Präparate mehrmals am Tag eingenommen werden.

Das kann im Alltag oft mit erheblichen Schwierigkeiten für die Kinder und ihre Eltern verbunden sein: Die betroffenen Kinder und Jugendlichen erhalten häufig das Stigma „Tabletten-Kinder" oder die pünktliche Einnahme wird schlicht vergessen. Das führt nicht selten zum frühzeitigem Abbruch der Behandlung.

Aktualisiert: 26.06.2012 – Autor: Janssen-Cilag GmbH

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