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Altersvergesslichkeit von einer Demenz abgrenzen

Demente Seniorin schaut aus dem Fenster © iStockphoto, Creative-Family

Vergesslichkeit und Konzentrationsschwäche - viele ältere Menschen sehen darin schon Vorboten einer Alzheimer-Erkrankung. Gott sei Dank trifft dies in den meisten Fällen nicht zu. Dennoch sollte man sich die Mühe machen, die Ursachen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Den Schlüssel verloren, die Telefonnummer des Freundes vergessen - was steckt dahinter? Die Angst vor der Diagnose Alzheimer führt bei vielen dazu, sich erst gar nicht untersuchen zu lassen. Erst wenn die Symptome deutlich und der Leidensdruck beim Patienten oder den Angehörigen groß ist, wird ein Arzt aufgesucht. Aus diesem Grund wird eine Alzheimer-Demenz auch heute noch erst im mittleren Stadium festgestellt.

Ist eine andere Krankheit der Auslöser?

Hinter dem krankhaften Verlust von Geisteskraft und der damit verbundenen eingeschränkteren Alltagsbewältigung kann eine körperliche Erkrankung stecken, z. B. von Herz, Leber, Nieren oder Lunge. Als Auslöser kommen auch Erkrankungen des Gehirns (Parkinson-Krankheit, Schlaganfall, Hirntumor, Gehirnentzündung , Kopfverletzung) in Frage. Möglicherweise werden die Symptome durch Medikamente, Alkohol, großen Stress, schlechten Schlaf, falsche Ernährung oder Drogen verursacht. Manchmal verbirgt sich hinter einer vermeintlichen Demenz aber auch ein seelisches Krankheitsbild wie z. B. eine Depression.

Altersvergesslichkeit oder Demenz?

Spricht eher für eine gutartige Altersvergesslichkeit Spricht eher für eine Demenz
Beginn der Symptome im Alter von über 60 Jahren. Beginn der Symptome im Alter von unter 60 Jahren.
Lediglich vorübergehendes Auftreten von Vergesslichkeit. Die Vergesslichkeit dauert an und wird im Verlauf von Monaten sogar stetig schlimmer.
Die Schwierigkeiten (Verlegen von Brille, Schlüssel etc., Vergessen von Namen) treten nur gelegentlich auf. Das Verlegen oder Vergessen häuft sich, insbesondere bei wichtigen Gegenständen, auf die man normalerweise gut achtet (Geldbörse, Scheckheft, Ausweis).
Durch intensives Nachdenken oder Konzentration fällt dem Betroffenen das Vergessene meist wieder ein. Der Betroffene vergisst ganze Erlebnisbereiche und Gedächtnisinhalte und kann sich trotz intensiven Nachdenkens auch später nicht daran erinnern.
Der Betroffene weiß sich durch bestimmte Merkhilfen (z.B. Notizzettel) zu helfen. Selbst Notizzettel und Merkhilfen nützen nichts mehr.
Der Betroffene kann mündlichen oder schriftlichen Anweisungen folgen. Der Betroffene kann mündlichen oder schriftlichen Anweisungen nicht folgen.

 

Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt

Erste Anlaufstation bei einer fraglichen Alzheimer-Erkrankung sollte der Hausarzt sein. Er kennt den Patienten in der Regel über viele Jahre und kann daher Veränderungen der geistigen und funktionalen Fähigkeiten oder Verhaltensauffälligkeiten am besten einordnen. Am Anfang wird der Hausarzt ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten führen. Zunächst wird er mit Hilfe bestimmter Fragen und Aufgaben prüfen, ob tatsächlich eine krankhafte Störung von Konzentration und Gedächtnis vorliegt oder ob es sich um einen normalen altersbedingten Leistungsverlust handelt. Um keine dieser vielen und größtenteils behandelbaren Störungen zu übersehen, wird der Arzt u. a. Laboruntersuchungen durchführen, ein EKG zur Untersuchung der Herzfunktion schreiben und die Lunge untersuchen (Röntgen-Thorax, Lungenfunktion). Wann wird der Facharzt gefragt? Im Laufe der Diagnostik bei Alzheimer-Verdacht ergeben sich häufig Fragestellungen, die eine Konsultation des Facharztes für Neurologie und Psychiatrie erfordern. Er ist z. B. gefragt, wenn es darum geht, zwischen einer Demenz und einer Depression zu unterscheiden oder die vorliegende Demenzform zu bestimmen.

Steckt eine Depression dahinter?

Auch bei Patienten mit Depression erscheint die geistige Leistungsfähigkeit oft herabgesetzt, man spricht dann auch von Pseudodemenz. Die Unterscheidung ist wegen der unterschiedlichen Behandlungsansätze wichtig und für den Therapieerfolg von entscheidender Bedeutung.

Typische Merkmale eine Depression Typische Merkmale einer Demenz
Die Ausfallerscheinungen schreiten am Anfang schnell voran. Die Ausfallerscheinungen nehmen während der gesamten Krankheitsdauer schleichend zu.
Der Kranke beklagt den Verlust bestimmter geistiger Fähigkeiten. Der Kranke klagt normalerweise nicht über den Verlust bestimmter geistiger Fähigkeiten.
Der Patient versucht nicht, leistungsfähig zu bleiben. Der Patient versucht, Defizite z.B. mit Erinnerungshilfen auszugleichen
Die Stimmung ist anhaltend niedergedrückt. Die Stimmung schwankt.
Die Erinnerungsschwäche für aktuelle und weit zurückliegende Ereignisse ist gleich ausgeprägt. Die Erinnerungsschwäche für aktuelle Ereignisse ist ausgeprägter als weit zurückliegende.

 

Für Betroffene: Memory-Kliniken oder Gedächtnis-Sprechstunden

In fast allen größeren Städten gibt es Einrichtungen, die auf die Diagnose und Therapie von Demenz-Krankheiten spezialisiert sind – so genannte Gedächtnis-Sprechstunden, Gedächtnis-Ambulanzen oder auch Memory-Kliniken. In den Gedächtnissprechstunden arbeiten Neurologen, Psychiater, Internisten, Geriater und/oder Psychologen, die den Patienten gründlich untersuchen, um die genaue Ursache der Gedächtnisstörung abzuklären.

Das Team fasst die Einzelergebnisse in der "Diagnose-Konferenz" zusammen und bewertet sie. Der betreuende Arzt erörtert die Diagnose in einem ausführlichen Beratungsgespräch mit dem Patienten und seinen Angehörigen und bespricht die Therapiemöglichkeiten. Viele Memory-Kliniken bieten außerdem Angehörigen-Selbsthilfegruppen oder Gesprächskreise an.

Therapie der Alzheimer Erkrankung

Moderne Arzneimittel (sog. Antidementiva) können das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit verlangsamen. Das Gedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit werden verbessert. Der Patient ist in der Lage, Aktivitäten des täglichen Lebens, wie telefonieren, sich anziehen, essen wieder selbständiger durchzuführen. Die Selbstständigkeit und Lebensqualität des Alzheimer-Patienten wird so möglichst lange gewahrt. Bei den Arzneimitteln handelt es sich um Substanzen, die im zentralen Nervensystem einen Einfluss auf die Botenstoffe wie Glutamat oder Acetylcholin haben. Entsprechend zugelassen ist Memantine (schützt vor erhöhter Glutamatkonzentration) und Acetylcholinesterase-Hemmer (stoppen den Acetylcholinmangel).

Weit verbreitet ist der Einsatz von Memantine
Memantine ist für die Behandlung der moderaten bis schweren Alzheimer-Demenz in Deutschland zugelassen. Memantine verhindert die schädlichen Auswirkungen von Glutamat bei Alzheimerpatienten. Die Patienten werden geistig aktiver, die Alltagskompetenz wird verbessert. Auch durch die Demenz hervorgerufenen Verhaltensstörungen wie Aggressivität und Stimmungsschwankungen werden positiv beeinflusst. Bei pflegebedürftigen Patienten kommt es ebenfalls zu Verbesserungen: Die Kranken sind beim Bettenmachen beweglicher, können besser ihrer persönlichen Hygiene nachkommen, sich selbst anziehen, erkennen Personen wieder, können bei einem Gespräch besser den Inhalt verstehen und auch besser antworten. Memantine führt neben den psychischen und physischen Verbesserungen auch zu einer signifikanten Reduktion der Betreuungszeit.

Acetylcholinesterase-Hemmer verhindern den enzymatischen Abbau von Acetylcholin und mildern somit das Botenstoff-Defizit. Inzwischen stehen verschiedne Acetylcholinesterase-Hemmer zur Verfügung, z.B. Donepezil, Rivastigmin oder Galantamin. Die Acetylcholinesterase-Hemmer können zu Nebenwirkungen führen, bei denen es sich in erster Linie um Beschwerden des Magen-Darm-Trakts handelt. Es können auch Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen auftreten.

Aktualisiert: 12.09.2016

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