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Alzheimer: Gefahren lauern häufig zu Hause

Dementer Mann © istockphoto, NADOFOTOS

Ein Poltern oder ein dumpfes Krachen, das einen aus dem Schlaf reißt. Pflegende Angehörige von alzheimerkranken Menschen kennen die Schrecksekunden nur zu gut: Das betroffene Familienmitglied hat sich auf dem nächtlichen Gang zur Toilette im Haus verlaufen, ist gegen eine Tür gestoßen – im schlimmsten Fall sogar gestürzt. Bei Alzheimer-Patienten kein Einzelfall, denn mangelnde Orientierung oder Gehunsicherheit der Patienten stellen in häuslicher Umgebung eine große Gefahr dar.

Pflege meist durch Angehörige

Zwei Drittel aller Alzheimer-Patienten werden von einem Angehörigen zu Hause betreut. Dabei erfordert ein fortgeschrittenes Krankheitsstadium der Betroffenen viel Aufmerksamkeit von ihrem pflegenden Angehörigen. Gedächtnisstörungen und Orientierungsschwierigkeiten erschweren den Alltag. "Kurze Wege vom Schlafzimmer ins Bad werden nicht mehr gefunden oder das kochende Nudelwasser auf dem Herd vergessen", erklärt Expertin Dr. med. Maria Großfeld-Schmitz.

Die Ärztin arbeitet bei der Initiative Demenzversorgung in der Allgemeinmedizin (IDA), die derzeit eine Studie zur besseren Versorgung von Demenzpatienten und ihren Angehörigen in Mittelfranken durchführt. "Bei einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium sind Vorsichtsmaßnahmen und Veränderungen in der häuslichen Umgebung notwendig", so die Studienärztin. "Sie geben dem Erkrankten und den Angehörigen mehr Sicherheit und erleichtern so natürlich gleichzeitig das Zusammenleben der ganzen Familie."

Mehr Sicherheit für Alzheimer-Patienten

Grundsätzlich muss der gesamte Wohnraum hell beleuchtet sein. So finden sich Alzheimer-Patienten besser zurecht und behalten einen gewissen Grad an Selbständigkeit.

  • Dabei ist besonders auf eine nächtliche Beleuchtung auf dem Weg vom Schlafzimmer zur Toilette zu achten, an der sich Betroffene orientieren können.
  • Um die Gehunsicherheit von Patienten nicht noch zu verstärken, sollten Treppen und Fußböden im Haus mit rutschfesten Belägen ausgestattet sein, lose Teppiche und Läufer durch rutschfeste Unterlagen gesichert werden.
  • Besondere Aufmerksamkeit gilt Fenstern und Türen. Damit Alzheimer-Patienten das Haus nicht unbemerkt verlassen können, sollten Fenster nur gekippt und wie Haus- und Balkontür durch geeignete Schlösser gesichert werden. Auch sollten generell keine Schlüssel in den Türen stecken bleiben. Der Betroffene ist vielleicht noch in der Lage, die Tür abzuschließen, kann sie dann aber eventuell nicht mehr öffnen.
  • Im Bad sind im Bereich der Dusche, Badewanne und Toilette feste Haltegriffe für die Sicherheit unabdingbar. Auch erweist sich ein Stuhl in der Dusche oft als sicherer und praktischer als eine Badewanne.
  • In der Küche gilt es, Gas- oder Elektroherde durch automatische Absperrventile, Gasmelder oder Temperaturmelder zu sichern. Wasch- und Putzmittel sind an einem sicheren Ort aufzubewahren, damit Patienten sie nicht mit Getränken verwechseln.

"Dies sind nur einzelne, wichtige Maßnahmen, die dem Erkrankten und pflegenden Angehörigen den Alltag erleichtern. Jedoch sollten stets nur Änderungen im Haus durchgeführt werden, die bei dem jeweiligen Krankheitsstadium der Patienten erforderlich sind", rät IDA-Studienärztin Dr. Großfeld-Schmitz. "Nur so bleiben Patienten in ihren noch vorhandenen Fähigkeiten und ihrer noch bestehenden Selbständigkeit bestärkt."

Unterstützung in der Alzheimer-Pflege

Durch ihre Arbeit bei der Initiative Demenzversorgung in der Allgemeinmedizin weiß die Studienärztin, dass Beratung und Unterstützung der pflegenden Angehörigen und Patienten in vielen Bereichen wichtig und notwendig sind. Hier setzt IDA an und will den Hausarzt in die Lage versetzen, zusätzlich zu seinen ärztlichen Leistungen Beratungsangebote für Angehörige zu vermitteln.

Aktualisiert: 11.11.2016 – Autor: Initiative Demenzversorgung in der Allgemeinmedizin

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