Demenz: Wie Sie erste Anzeichen erkennen

Mann mit beginnender Demenz mit 2 ungleichen Schuhen
© Getty Images/monkeybusinessimages

Demenz ist eine Erkrankung, deren Entstehung mit zunehmendem Alter immer wahrscheinlicher wird. Umso wichtiger ist es, frühzeitig zu erkennen, wenn sich erste Anzeichen der Krankheit zeigen, denn durch den frühen Beginn einer Therapie kann man den Verlauf der Demenzerkrankung etwas hinauszögern. Doch woran ist eine beginnende Demenz zu erkennen? Im Folgenden erfahren Sie, welche Symptome für eine Demenz sprechen.

Entstehung einer Demenz

Demenz beschreibt den Zustand von geistigem Abbau und den Verlust von zuvor beherrschten Fähigkeiten. Die Ursachen dafür sind unterschiedlich. Die häufigste Unterform ist die Alzheimer-Demenz, bei der Nervenzellen des Gehirns zerstört werden, weil sich Protein-Plaques in ihnen ablagern. Eine andere Ursache für Demenz ist eine Mangeldurchblutung des Gehirns. Diese Form der Erkrankung wird vaskuläre Demenz genannt. Sie beruht auf vielen kleinen Schlaganfällen, die sich erst in der Summe bemerkbar machen.

Alle Formen der Demenz führen zu Veränderungen der erkrankten Menschen, die nicht nur das Gedächtnis betreffen und die auch von Angehörigen wahrgenommen werden können.

Erste Anzeichen von beginnender Demenz

Nicht jeder, der vergesslich wird, leidet an einer Demenz. Es ist natürlich, Dinge zu verlegen und zu vergessen – und dies zählt zum normalen Alterungsprozess. Doch wie erkennt man eine Demenz im Anfangsstadium?

Wird eine beginnende Demenz vermutet, können sowohl Angehörige als auch Ärzte*Ärztinnen auf bestimmte Hinweise achten. Dabei sind vor allem Verhaltensbeobachtungen, sprachliche Tests und kognitive Aufgaben hilfreich, um erste Anzeichen einer Demenz aufzuzeigen. Die folgenden Symptome weisen auf eine beginnende Demenz hin.

1. Sprachliche Einschränkungen

Betroffene haben oft Probleme damit, im Gespräch die richtigen Worte zu finden (Sprachstörungen) oder dem Gegenüber im Gesprächsverlauf zu folgen. Sie wirken unaufmerksam und stellen oft die gleichen Fragen mehrfach. Auch eine Schreibschwäche kann auftreten.

2. Die Urteilskraft lässt nach

Wer an einer Demenz leidet, hat häufig Schwierigkeiten damit, komplexe Zusammenhänge zu verstehen, die zuvor ohne Probleme verstanden wurden, zum Beispiel wie eine Mahlzeit gekocht wird, wie im Supermarkt Einkäufe erledigt werden oder wie einfache Elektrogeräte bedient werden. Oft zeigt sich die nachlassende Urteilskraft auch durch eine ungeeignete Kleiderwahl, zum Beispiel das Tragen eines Wintermantels im Sommer, oder durch die Fehleinschätzung von Gefahren.

Auch in finanziellen Angelegenheiten geht oft der Überblick verloren. Zudem bereitet auch das Bezahlen von Rechnungen beziehungsweise das Ausfüllen von Überweisungen auf einmal Schwierigkeiten.

3. Vergesslichkeit im Alltag

Gegenstände werden verlegt (häufig an ungewöhnliche Stellen, etwa der Autoschlüssel in den Kühlschrank), bereits Gesagtes wird mehrfach wiederholt, Verabredungen werden vergessen. Oft betrifft diese Vergesslichkeit vor Kurzem Erlebtes (Gedächtnislücken). So vergessen Betroffene beispielsweise mitunter, den Herd auszustellen. Zudem fällt es ihnen teils schwer, bekannten Gesichtern den richtigen Namen zuzuordnen.

4. Orientierungsverlust

Demenzkranke haben oft Mühe, sich in zuvor bekannter Umgebung zu orientieren. Hinzu kommen Schwierigkeiten, sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden.

Doch auch die zeitliche Orientierung fällt oft schwer, beispielsweise die Einordnung des Jahrs oder der Jahreszeit oder das Lesen der Uhr.

5. Persönlichkeitsveränderungen

Häufig zeigen sich im frühen Stadium einer Demenz Veränderungen der Persönlichkeit, zum Beispiel:

  • erhöhte Reizbarkeit bis hin zu Feindseligkeit und Aggressivität
  • Stimmungsschwankungen
  • Ängstlichkeit
  • Misstrauen
  • innere und äußere Unruhe
  • depressive Verstimmungen
  • nachlassendes Interesse an Hobbys und sozialen Kontakten
  • Kraftlosigkeit
  • Schlafstörungen oder gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus

Oft ist dieses Verhalten gepaart mit einem hartnäckigen Abstreiten der Veränderungen, wenn erkrankte Menschen beispielsweise von Angehörigen darauf angesprochen werden.

Symptome einer Demenz abhängig vom Stadium

Im Verlauf der Erkrankung verändert sich das Krankheitsbild. Leichte Einschränkungen, die typisch für das Frühstadium der Demenz sind, zeigen sich etwa, wenn im Alltag komplizierte Aufgaben nicht mehr gelöst werden können, wie Rechnen oder das Ablesen einer Uhr. Eine selbstständige Lebensführung ist dann zwar bereits eingeschränkt, aber noch möglich.

Problematischer wird es, wenn bereits einfache Alltagsaufgaben nicht mehr gemeistert werden können, wie sich korrekt anzuziehen und zu pflegen, weil Alltagsgegenstände in ihrer Funktion nicht mehr als solche erkannt werden. Dann sind die Betroffenen auf Hilfe von außen angewiesen.

Bei einer schweren Form der Demenz sind die kognitiven Funktionen der Patient*innen so weit eingeschränkt, dass diese selbst einfache Gedankengänge nicht mehr nachvollziehen können.

Bildgebende Zusatzuntersuchungen

Bildgebende Untersuchungen des Gehirns, wie ein MRT, gehören nicht zu den ersten Maßnahmen, um eine Demenz zu diagnostizieren. Allerdings können sie helfen, zwischen den verschiedenen Demenzformen und deren Ursachen zu unterscheiden. Bei der vaskulären Demenz, die durch viele kleine Schlaganfälle verursacht wird, zeigen sich die Narben der Schlaganfälle zum Beispiel im MRT oder CT.

Bei der Alzheimer-Demenz zeigt sich im PET/CT (Positronen-Emissions-Tomografie/Computertomografie) ein geringerer Stoffwechsel der Nervenzellen des Gehirns. Außerdem haben Studienergebnisse gezeigt, dass die Größe des Gehirns bei fortgeschrittener Alzheimer-Demenz im MRT vermindert ist. Allerdings ist dies nicht spezifisch genug, um eine Diagnose zu stellen – wegweisend für die Diagnose "Demenz" sind die genannten Veränderungen als Symptome des geistigen Abbaus.

Demenz abgrenzen von anderen Erkrankungen

Wichtig ist zudem, die Demenz von anderen Krankheiten abzugrenzen, zum Beispiel von einer Depression, die oft ebenfalls mit einer Verschlechterung der geistigen Leistungsfähigkeit einhergeht. Bei Verdacht auf eine Demenz darf zudem nicht vergessen werden, dass auch andere Ursachen, wie Unterernährung, neu aufgetretene Schwerhörigkeit oder eine Fehlfunktion der Schilddrüse ähnliche Anzeichen verursachen können wie eine Demenz.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
F00.-* bis F03

Aktualisiert: 04.05.2022
Autor*in: Dr. med. Julia Völker, Ärztin und Journalistin | Silke Hamann, Medizinredakteurin

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?