Fatigue-Syndrom

Frau leidet an Fatigue-Syndrom © iStock.com/YakobchukOlena

Konzentrationsprobleme, Schwäche, Müdigkeit, Antriebslosigkeit: Fatigue-Symptome (Fatigue auf deutsch bedeutet Müdigkeit, Erschöpfung) können den Alltag massiv beeinträchtigen. Das Problem bei Fatigue: Selbst bei ausreichend Schlaf werden die Beschwerden nicht geringer. Fatigue (auch: Fatigue-Syndrom) ist eine Begleiterscheinung, an der viele an Krebskranke während der Krebserkrankung leiden – die Schätzungen schwanken zwischen 14 und 96 Prozent. Schwierig zu handhaben ist häufig das Unverständnis der Umgebung, wenn man sich zu nichts aufraffen kann.

Ursachen von Fatigue bei Krebs

Die Ursachen für Fatigue (Aussprache: Fatieg) sind nicht alle geklärt. Sicher spielt der Krebs selbst eine Rolle. So kommt das Fatigue-Syndrom bei bestimmten Krebsarten wie Leukämie oder streuendem Brustkrebs besonders häufig vor. Doch auch die Therapie selbst trägt zur Fatigue bei, da Bestrahlung und Chemotherapie auch für die gesunden Zellen eine enorme Belastung darstellen. Zudem sammeln sich gerade bei der Chemotherapie schädliche Stoffwechselprodukte an, die ein Fatigue-Syndrom verstärken können.

Zudem treten bei Krebs zahlreiche Begleiterscheinungen auf, die wiederum die Fatigue begünstigen oder verstärken: wiederholte Infekte, Nebenwirkungen von Medikamenten, Schmerzen und Übelkeit. Auch die bei Krebs häufige Mangelernährung und der Abbau der Muskulatur kann ein Fatigue-Syndrom verschlimmern. Eine wichtige Ursache ist auch die Blutarmut, die Müdigkeit und Erschöpfung erzeugt und verstärkt. Ebenfalls ein wichtiger Einflussfaktor ist die seelische Belastung einer Krebserkrankung.

Wie genau die körperlichen und psychischen Faktoren im einzelnen und individuell zusammenspielen, um zu einem Fatigue-Syndrom zu führen, wird derzeit noch erforscht.

Fatigue: Symptome und Anzeichen

Die tiefgreifende Erschöpfung und Müdigkeit kann sich auf einer oder mehreren Ebenen abspielen. Die körperliche (physische) Fatigue zeigt sich durch folgende Symptome:

  • gesteigertes Schlafbedürfnis
  • ständige Müdigkeit
  • eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit
  • Schlafstörungen

Die kognitive, mentale Fatigue beeinflusst die Aufmerksamkeit und das Gedächtnis. Folgende Symptome können auftreten:

  • Konzentrationsstörungen
  • Antriebslosigkeit
  • niedriges Frustrationslevel und hohe Reizbarkeit
  • soziale Isolation

Fatigue erkennen und behandeln

Zunächst wird der Arzt allen körperlichen Ursachen auf den Grund gehen. Wenn möglich folgt deren Behandlung, beispielsweise einer Blutarmut (Anämie), eines Nährstoffmangels, einer Stoffwechselstörung oder einer Infektion. Schmerzen und Übelkeit sowie andere Krebs begleitende Symptome werden therapiert, eventuell werden Medikamente umgestellt. Zusätzlich zu einem Gespräch zur Krankheitsgeschichte kommen häufig Fragebögen zum Einsatz, mit denen die vorliegenden Symptome genauer eingegrenzt werden.

Allerdings hilft eine Therapie von Fatigue mit reiner Ursachenbekämpfung oft nicht befriedigend gegen die Symptome. Wichtig ist deshalb, dass der von Fatigue Betroffene selbst etwas tut. Der erste Schritt: die Information darüber, dass Fatigue ein weit verbreitetes Begleitsymptom bei Krebs ist, entlastet den Betroffenen und seine Angehörigen oftmals bereits. Gut ist auch zu wissen, dass das Fatigue-Syndrom zwar länger anhält, aber nichts über den Krankheitsverlauf aussagt und sich mit der Zeit oftmals bessert.

Der Arzt wird vermutlich auch erklären, dass es wichtig ist, sich trotz der Schwäche körperlich zu bewegen: Aktivität bessert die Fatigue-Symptome oftmals und scheint auch den gesamten Heilungsverlauf positiv zu beeinflussen. Entspannungsmethoden helfen möglicherweise, den Alltag zu bewältigen und das Schlafverhalten zu optimieren. Hilfestellung beim Umgang mit dem Fatigue-Syndrom für die Betroffenen und Angehörigen geben daneben auch Krebsberatungsstellen, Fachleute der Psychoonkologie und Selbsthilfegruppen.

Fatigue bei MS und Burn-out

Fatigue tritt jedoch nicht nur bei Krebs, sondern seltener auch bei anderen chronischen körperlichen oder psychischen Krankheiten auf, zum Beispiel das Fatigue-Syndrom bei Multiple Sklerose (MS), Rheuma, Parkinson oder bei einem Burn-out. Trotz ähnlicher Bezeichnung und Symptomatik wird in Deutschland das vor allem durch Krebs ausgelöste Fatigue-Syndrom abgegrenzt von der Myalgischen Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Dieses chronische Erschöpfungssyndrom stellt in anderen Ländern dagegen kein eigenes Krankheitsbild dar.

Quellen

Aktualisiert: 19.08.2020 - Autor: Dagmar Reiche

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