Interferon bei MS und Hepatitis C

Interferon-Molekül © istockphoto, theasis

Was ist ein Interferon? Interferone sind wichtige Botenstoffe des natürlichen Immunsystems und verhindern die Ausbreitung viraler Infektionen. Gentechnisch hergestellte Interferone spielen seit einigen Jahren bei der Therapie von Hepatitis C und Multiple Sklerose eine entscheidende Rolle. Interferone sind körpereigene Proteine, die zur Gruppe der Zytokine gezählt werden. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der natürlichen Immunabwehr des Körpers und begrenzen die Ausbreitung viraler Infektionen.

Wirkung von Interferon

Eine Zelle, die von einem Virus befallen wird, setzt Interferon frei. Das freigesetzte Interferon stimuliert die natürliche Immunantwort des Körpers und verhindert eine weitere Ausbreitung des Virus. Interferone lassen sich in Subtypen unterteilen, die sich in ihrer chemischen Struktur unterscheiden und von verschiedenen Zelltypen gebildet werden.

Die prominentesten Vertreter sind: Alpha-Interferon (α-IFN), Beta-Interferon (β-IFN) und Gamma-Interferon (γ-IFN).

Mit Hilfe gentechnischer Verfahren können Interferone inzwischen künstlich hergestellt und zur Therapie bestimmter Erkrankungen eingesetzt werden. Während Alpha-Interferon bei der Behandlung von Hepatitis C und einigen Tumorerkrankungen eingesetzt wird, ist Beta-Interferon ein wichtiger Baustein bei der Therapie von Multiple Sklerose (MS). Da Interferone die körpereigene Immunantwort stimulieren ist eine Interferon-Therapie meist von starken Nebenwirkungen begleitet.

Alpha-Interferon und Hepatitis C

Alpha-Interferon wird häufig zur Behandlung akuter und chronischer Hepatitis C eingesetzt. Eine Infektion mit dem Hepatitis C Virus führt zu einer schweren Entzündung der Leber. In vielen Fällen (circa 50 – 80 %) verläuft die akute Hepatitis C Infektion chronisch und kann langfristig zu erheblichen Leberschäden führen.

Bei der Therapie mit Alpha-Interferon wird dem Patienten in regelmäßigen Abständen – meist wöchentlich – eine Injektion unter die Haut (subkutan) verabreicht. Zusätzlich ist eine Einnahme von Ribavirin erforderlich, das ebenfalls antiviral wirkt. Eine Interferon-Behandlung bei Hepatitis C dauert zwischen 24 und 48 Wochen. Um einen optimalen Therapieerfolg zu gewährleisten, sollten Patienten während der Therapie komplett auf den Genuss von Alkohol verzichten.

Auch zur Behandlung einiger Krebserkrankungen wird Alpha-Interferon eingesetzt. Die besten Erfolge konnten bisher beim Nierenzellkarzinom und dem malignen Melanom (schwarzer Hautkrebs) erzielt werden.

Beta-Interferon und Multiple Sklerose (MS)

Beta-Interferon kommt meist bei der Behandlung von Multiple Sklerose (MS) zum Einsatz. Multiple Sklerose ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankung des jungen Erwachsenenalters. In Deutschland sind, laut Deutscher Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), derzeit etwa 130.000 Menschen an MS erkrankt. Multiple Sklerose ist eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS) bei der eine wichtige Schutzschicht der Nervenfasern, die sogenannte Myelinscheide, nach und nach degeneriert. Die Kommunikation zwischen Nervenzellen wird dadurch gestört und es kommt zu verschiedenen neurologischen Ausfällen, die meistens schubweise auftreten.

Die Symptome der Multiplen Sklerose sind sehr unterschiedlich und abhängig davon, welcher Bereich des Nervensystems betroffen ist. Auftreten können beispielsweise Sehstörungen, Kribbelempfindungen oder Schwindel.

MS: Gamma-Interferon entscheidend?

Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung: das Immunsystem bekämpft fälschlicherweise körpereigene Zellen. Man vermutet, dass Gamma-Interferon bei der Auslösung von MS-Schüben eine entscheidende Rolle spielt. Beta-Interferon hingegen wird zu Behandlung von Multiple Sklerose eingesetzt. Es blockiert die schubauslösende Wirkung des Gamma-Interferon und dämpft die Entzündungsreaktionen im ZNS.

Die Therapie von MS mit Beta-Interferon erfolgt durch regelmäßige Injektionen (mehrmals pro Woche). In verschiedenen Studien konnte eine Reduktion der Schubfrequenz und der Schwere der Schübe durch Beta-Interferon nachgewiesen werden.

Nebenwirkungen einer Therapie mit Interferon

Die häufigste Nebenwirkung einer Interferon-Therapie sind grippeartige Symptome wie Fieber, Gelenkschmerzen und Müdigkeit. Darüber hinaus kann Interferon erhebliche psychische Nebenwirkungen, wie Depression, Aggressivität, Schlafstörungen, Müdigkeit und Antriebsstörungen haben. Sowohl für Alpha-Interferon als auch für Beta-Interferon sind die beschriebenen Nebenwirkungen sehr ähnlich und häufiger Grund für den Abbruch einer Interferon-Therapie.

Aktualisiert: 22.05.2012 – Autor: Dr. Kathrin Holzschneider

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