Reflexe - Pathologischer, bedingter, konditionierter Reflex

Pathologische Reflexe treten bei einer Nerven- oder Hirnschädigung auf. Der bekannteste pathologische Reflex ist der Babinski-Reflex, der beim Bestreichen der Fußsohle zur Streckung der Großzehe und Beugung aller anderen Zehen führt. Er gehört zu den frühkindlichen Reflexen und ist normalerweise nach dem 12. Lebensmonat nicht mehr auslösbar.

Babinski-Reflex bei massiven Hirnschädigungen

Bei massiven Hirnschädigungen, wie sie nach einer Hirnblutung oder einem Schlaganfall auftreten können, zeigt ein positiver Babinski-Reflex eine starke Großhirnschädigung an. Die Reflexantwort wird immer im Seitenvergleich – also an beiden Armen oder Beinen – bewertet: Eine unterschiedliche Reflexantwort, z.B. eine einseitige Abschwächung oder Reflexverstärkung, weist auf eine Nervenschädigung hin.

Muskelreflexe im Alter

Daneben kommt es mit fortschreitendem Alter oft zu einer Abschwächung vieler Reflexe, die dann aber beidseitig auftreten und sich nicht auf ein Organ oder einen Muskel beschränken.

Eine Steigerung hauptsächlich der Muskeleigenreflexe zeigt sich oft in gelähmten Muskeln nach einem Schlaganfall – die Extremform ist der so genannte Klonus, eine rhythmische unerschöpfbare Zuckung eines Muskels auf einen einzelnen Reiz. Der Klonus tritt bei einer Schädigung der aus dem Großhirn kommenden Nerven auf, die die Muskeln erregen.

Was ist ein bedingter oder konditionierter Reflex?

Von den zuvor genannten angeborenen Reaktionen werden reflexartige Körperreaktionen unterschieden, die erlernt oder anerzogen sind. Am bekanntesten ist in diesem Zusammenhang sicher das Pawlowsche Hundeexperiment, mit dem nachgewiesen werden konnte, dass Hunde nach der Kopplung von Futter mit Glockenton auch auf den alleinigen Glockenklang mit einer Speichelproduktion reagierten.

Bei einem erworbenen Reflex wird also ein angeborener Reflex (Speichelfluss bei zu erwartender Nahrung) mit einem anderen Reiz (hier Glockenton) gekoppelt, bis eine Konditionierung erreicht ist, so dass der erste Reiz (Nahrung) entfallen kann. Dieser von uns nicht bewusst wahrgenommene Vorgang beeinflusst unsere Entwicklung von Verhaltensweisen, das Erlernen von Inhalten und auch die Anpassung an unsere Umwelt.

Therapeutisch wird die Kopplung im Bereich der Psychotherapie für eine Desensibilisierung genutzt, in dem eine wiederholte Paarung eines Angst auslösenden Reizes mit einer angenehmen Situation hergestellt wird: Die Verbindung von positiver Emotion mit dem negativen Reiz führt dazu, dass dieser allmählich seine Wirkung verliert.

Aktualisiert: 02.11.2017
Autor*in: Nathalie Blanck

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