Hilfreiche Tipps für ein Leben mit Parkinson

Mann mit Parkinson © istockphoto, monkeybusinessimages

Die Diagnose Parkinson wirft für die Betroffenen selbst, aber auch für ihre Angehörigen viele Fragen auf: Welche Auswirkungen hat die Krankheit auf mein Leben? Mit welchen Einschränkungen muss ich im Alltag rechnen? Während zu Beginn der Erkrankung meist ein normales Leben möglich ist, treten mit der Zeit zunehmend Komplikationen auf. Beispielsweise machen sich Bewegungsstörungen sowie Sprach- und Schluckbeschwerden bemerkbar. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie trotz Parkinson lange fit und aktiv bleiben können.

Richtige Ernährung bei Parkinson

Eine spezielle Diät ist bei Parkinson nicht nötig, allerdings sollten die Patienten auf eine ausgewogene Ernährung achten. Wichtig sind vor allem ballaststoffreiche Lebensmittel, um Verstopfungen, die bei Parkinson häufiger auftreten, vorzubeugen. Besonders viele Ballaststoffe stecken beispielsweise in Vollkornprodukten und Gemüse.

Ebenso wichtig ist es, ausreichend Kalzium aufzunehmen, denn Parkinson-Patienten leiden häufiger als Gesunde im gleichen Alter an Osteoporose. Besonders viel Kalzium steckt unter anderem in Milchprodukten, Gemüse und Eiern.

Neben einer gesunden Ernährung müssen Parkinson-Patienten auch besonders auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Häufig trinken sie aus Angst, sich beim Trinken ungeschickt anzustellen, jedoch zu wenig. Viele möchten zudem ein häufiges Wasserlassen vermeiden. Wenn Probleme mit der Blase bestehen, sollten diese ärztlich abgeklärt werden. Auf keinen Fall sollten Betroffene deswegen weniger trinken.

Wichtig: Werden Levodopa eingenommen, sollten die Tabletten nicht zusammen mit einer eiweißreichen Mahlzeit eingenommen werden. Da das in den Tabletten enthaltene Dopamin ebenfalls zu den Eiweißen gehört, kann es ansonsten bei der Aufnahme im Darm durch andere Eiweiße verdrängt werden.

Ernährung bei Schluckstörungen

Im fortgeschrittenen Stadium treten bei Parkinson häufig Schluckstörungen auf. Das hängt damit zusammen, dass die Zunge weniger beweglich ist und die Nahrung schlechter weitertransportiert werden kann. Durch die richtige Ernährung können Verschlucken und Würgen beim Essen jedoch vermieden werden.

Brei und passierte Lebensmittel sind für Parkinson-Patienten am einfachsten zu schlucken. Idealerweise sollten alle Lebensmittel einer Mahlzeit die gleiche Konsistenz haben – eine Suppe mit Einlage oder Kartoffelbrei mit einem Stück Fleisch sind weniger gut geeignet. Harte, trockene oder körnige Lebensmittel sollten möglichst ganz vermieden werden.

Wenn Schluckstörungen vorliegen, sollte am besten zu einer Zeit gegessen werden, in der die Medikamente optimal wirken. Essen Sie in einer ruhigen, entspannten Atmosphäre, in der es keine Ablenkung durch Radio oder Fernsehen gibt. Achten Sie beim Essen außerdem auf eine aufrechte Körper- und eine gerade Kopfhaltung. Da durch gleichzeitiges Essen und Trinken das Risiko steigt, sich zu verschlucken, sollte erst getrunken werden, wenn der Mund leer ist.

Trotz Parkinson in Bewegung bleiben

Es ist wichtig, dass Parkinson-Patienten weiterhin körperlich aktiv bleiben. Denn Sport fördert die motorischen Fähigkeiten und alltägliche Bewegungsabläufe können somit besser bewältigt werden. Zudem kann durch regelmäßige sportliche Aktivität die Lebenserwartung bei Parkinson deutlich verlängert werden. Achten Sie beim Sporttreiben allerdings darauf, es nicht zu übertreiben.

Gut geeignet für Parkinson-Patienten sind physio- und ergotherapeutische Maßnahmen sowie leichter Ausdauersport. Empfehlenswert ist besonders Nordic Walking, da es die Ausdauer trainiert und gleichzeitig eine aufrechte Haltung fördert. Auch Sportarten wie Schwimmen oder Gymnastik sind eine gute Wahl. Auf Tennis, Volleyball oder Squash, bei denen die Reaktionsgeschwindigkeit von großer Bedeutung ist, sollte dagegen besser verzichtet werden. Auch sturzgefährliche Sportarten wie Schlittschuhlaufen oder Skifahren sind für Parkinson-Patienten nicht geeignet.

Um trotz Parkinson möglichst lange selbstständig leben zu können, ist es besonders wichtig, dass bestimmte Muskelgruppen – wie etwa die Hand- und Fingermuskulatur – gezielt gekräftigt werden. Machen Sie deswegen regelmäßig Fingergymnastik (zum Beispiel Klavierspielen als Trockenübung oder Kneten eines Schaumstoffballs). Auch Spiele wie ‚Mikado‘, ‚Memory‘ oder ‚Vier gewinnt‘ schulen nicht nur die geistigen Fähigkeiten, sondern auch die Hand- und Fingerfunktion wird auf spielerische Art und Weise trainiert.

Freezing-Phänomen bekämpfen

Bei Parkinson-Patienten kommt es mit der Zeit zu immer stärkeren Bewegungsstörungen. Unter anderem kann das sogenannte ‚Freezing-Phänomen‘ auftreten – damit ist ein plötzliches Einfrieren der Bewegung gemeint. Der Betroffene kann sich dann kurzfristig nicht mehr von der Stelle bewegen.

Um diesem Phänomen entgegenzuwirken, können Sie sich selbst laute Kommandos geben, wie etwa ‚Jetzt das linke Bein nach vorne‘. Auch das bewusste Hinübersteigen über einen Gegenstand oder ein leichter Schlag auf den Oberschenkel können manchmal helfen, die Blockade zu lösen. Auf welche Strategie ein Patient reagiert, ist individuell allerdings sehr verschieden.

Stürzen vorbeugen

Da die Beweglichkeit der Betroffenen bei Parkinson abnimmt, die Schritte kleiner und der Gang schlurfender wirkt, besteht eine erhöhte Sturzgefahr. Um Stürzen möglichst vorzubeugen, sollten Sie die folgenden Tipps berücksichtigen:

  • Räumen Sie Gegenstände, über die Sie leicht stolpern können, aus dem Weg. Dazu gehören beispielsweise Teppiche und Läufer sowie Kabel.
  • Meiden Sie rutschige Flächen – gehen Sie im Winter beispielsweise möglichst nicht aus dem Haus, wenn es gerade geschneit hat.
  • Wenn Sie sich unsicher auf den Beinen fühlen, verwenden Sie eine Gehhilfe wie etwa einen Stock oder einen Rollator.
  • Achten Sie beim Gehen bewusst darauf, die Füße zu heben und vermeiden Sie schnelle Bewegungen.
  • Tragen Sie Schuhe mit einer Ledersole oder einem Gummiabsatz. Auf Schuhe mit einer durchgehenden Gummisohle sollten Sie dagegen besser verzichten, da Sie damit leicht an Teppichen hängenbleiben können.

Die Mimik trainieren

Bei Parkinson-Patienten friert im Laufe der Zeit die Mimik immer mehr ein. Dadurch verlieren die Betroffenen ein wichtiges Kommunikationswerkzeug – denn bestimmte Gefühle wie Freude oder Trauer werden in erster Linie über die Mimik geäußert. Damit Ihre Mimik möglichst lange erhalten bleibt, sollten Sie diese regelmäßig trainieren. Am besten stellen Sie sich dazu vor einen Spiegel:

  • Sprechen Sie die Vokale A, E, I, O, U mit übersteigerter Mimik nach.
  • Versuchen Sie, unterschiedliche Stimmungen nur anhand Ihrer Mimik auszudrücken, beispielsweise Freude, Trauer, Wut und Überraschung.
  • Runzeln Sie im Wechsel die Stirn, blasen Sie die Wangen auf, ziehen Sie die Augenbrauen hoch und strecken Sie die Zunge heraus.

Sprechstörungen aktiv bekämpfen

Bei rund 90 Prozent aller Parkinson-Patienten entwickeln sich mit der Zeit Sprechstörungen. Diese werden durch eine nachlassende Beweglichkeit der am Sprechen beteiligten Organe verursacht. Daneben kann sich aber auch eine längerfristige Einnahme von Levodopa negativ auf das Sprechen auswirken.

Durch die Sprechstörungen wird es schwieriger, die Betroffenen zu verstehen. Ihre Stimme wird leiser und die Aussprache undeutlicher. Aus Scham und Angst vor dem ständigen Nachfragen wird das Sprechen irgendwann so weit wie möglich vermieden. Dies ist jedoch der falsche Weg. Um gegen Sprechstörungen aktiv zu werden, sollte stattdessen unmittelbar nach Bekanntwerden der Diagnose mit einem geeigneten Sprechtraining begonnen werden.

Wenden Sie sich am besten an einen Sprachtherapeuten und lassen Sie sich von diesem geeignete Stimmübungen zeigen. Mit ein bisschen Training können Sie die Übungen dann auch alleine zu Hause durchführen. Neben solchen gezielten Stimmübungen können Sie Ihre Stimme auch im Alltag leicht trainieren:

  • Lesen Sie jeden Tag einen kurzen Zeitungsartikel laut und deutlich vor.
  • Singen Sie laut.
  • Spielen Sie mündlich Stadt-Land-Fluss.
  • Beteiligen Sie sich an Diskussionen.

Auto fahren mit Parkinson – ja oder nein?

Ob Sie trotz Parkinson weiterhin fahrtüchtig sind, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Entscheidend ist unter anderem, in welchem Ausmaß bereits Bewegungsstörungen auftreten. Zudem kann durch bestimmte Medikamente die Konzentrations- oder Reaktionsfähigkeit herabgesetzt werden – genauere Informationen dazu entnehmen Sie bitte der Packungsbeilage Ihrer Medikamente.

In einem frühen Stadium stellt Autofahren meist noch kein Problem dar. Im Einzelfall muss jedoch immer der Betroffene selbst – am besten nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt – verantwortungsbewusst entscheiden, ob er noch in der Lage ist, ein Fahrzeug zu führen oder nicht.

Aktualisiert: 09.11.2017 – Autor: Kathrin Mehner

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