Hörgeräte – Tipps für den Alltag

Hörgerät im Ohr © iStock.com/aerogondo

In Deutschland sind etwa 12 Millionen Menschen von Schwerhörigkeit betroffen. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen, da viele die Symptome erst spät oder gar nicht wahrnehmen. Erfolgt der Entschluss, etwas gegen die Schwerhörigkeit zu unternehmen, hilft meist ein Hörgerät weiter. Doch vielen Menschen fällt die Gewöhnung schwer. Wir haben für Sie praktische Tipps zusammengefasst, die Ihnen den Umgang mit Ihrem Hörgerät erleichtern.

Warum viele ein Hörgerät scheuen

Nur etwa 16 Prozent der Betroffenen gleichen ihren Hörverlust mit einem Hörsystem aus und dass, obwohl sich die Hörschwäche ohne Hilfe nicht verbessert, sondern stetig verschlechtert.

Dafür kann es mehrere Gründe geben:

  • ästhetische Einwände
  • die Angst, mit der Technik nicht klarzukommen
  • Bedenken, ob das Gerät überhaupt etwas bringt
  • anstehende Kosten

Stetige Verschlechterung der Hörleistung

Viele Betroffene nehmen auch erst nach Jahren überhaupt ärztliche Hilfe in Anspruch, da der schleichende Prozess des Hörverlusts oft erst im fortgeschrittenen Stadium wahrgenommen wird. Das kann sich nicht nur auf die Hörleistung an sich auswirken: Auch Begleiterscheinung, wie Kopfschmerzen, eine verminderte kognitive Leistung oder Müdigkeit können mit dem Hörverlust einhergehen.

Gegen die Angst, dass die Pflege und der Umgang mit dem Hörsystem zu kompliziert sind, lässt sich etwas tun: Spezialisten wie Hörakustiker beraten Sie gern und zeigen Ihnen die verschiedenen Gerätearten. Moderne Hörgeräte haben auch viele Funktionen, die Ihnen den Alltag erleichtern. So gibt es etwa die Möglichkeit, das Hörgerät mit dem Smartphone oder dem Fernseher zu verbinden.

So gewöhnen Sie sich an Ihr Hörgerät

Ihr Hörgerät ist nicht nur ein technisch ausgefeiltes Produkt, sondern eine genaue Maßanfertigung für Ihr Ohr. Trotzdem wird es nicht immer ganz an das natürliche Hören heranreichen. Gerade am Anfang brauchen die meisten Betroffenen etwas Zeit, um sich an das Gerät zu gewöhnen.

Das liegt zum einen an der Handhabung – die Geräte bieten meist verschiedene Einstellungen in Form von Hörprogrammen an, um sich optimal auf verschiedenen Umgebungs- beziehungsweise Gesprächssituationen anzupassen. Das kann anfangs etwas verwirrend sein.

Ein weiterer Grund ist, dass das Gehirn in den Monaten der Schwerhörigkeit verlernt hat, mit einer normalen Geräuschkulisse umzugehen. Da es weitaus weniger Reize als früher bekommt, vergisst es nach und nach, wie sich leise Geräusche wie Vogelgezwitscher oder Blätterrauschen anhören und wie es seine Filterfunktion anwendet.

Diese dient beim normal Hörenden dazu, bei den einströmenden Reizen Unwichtiges auszublenden. Wird das Gehirn nun durch ein Hörgerät wieder einem nahezu normalen Geräuschpegel ausgesetzt, empfindet es diesen als laut und störend, auch wenn moderne Hörgeräte in geräuschintensiven Situationen den Störschall unterdrücken und den Nutzschall unterstützen.

Deshalb: Geben Sie Ihrem Gehirn Zeit, seinen Aufgaben wieder gerecht zu werden. Es kann durchaus einige Wochen dauern, bis Sie sich an das neue Hörgefühl gewöhnt haben.

Die Eingewöhnungszeit erleichtern

Hier finden Sie sechs hilfreiche Tipps, die Ihnen die Anfangszeit mit Ihrem Hörgerat vom ersten Tag an erleichtern:

  1. Sprechen Sie mit Ihrem HNO-Arzt und dem Hörakustiker. In der Regel können Sie das neue Gerät Praxistests im Alltag unterziehen, sodass sein Profil genau auf Ihre Anforderungen zugeschnitten werden kann. Lassen Sie sich das Einsetzen, die Handhabung und Pflege genau erklären – auch mehrmals.
  2. Tragen Sie Ihr neues Gerät regelmäßig – sollten Sie die akustischen Eindrücke überfordern, tragen Sie das Hörgerät zunächst nur einige Stunden und erhöhen Sie dann die Tragedauer Schritt für Schritt. Ziel sollte es sein, das Hörgerät dauerhaft zu tragen.
  3. Setzen Sie sich gerade am Anfang eher ruhigen Situationen aus, in denen wenige Menschen gleichzeitig sprechen und keine lauten oder zahlreichen Hintergrundgeräusche vorhanden sind. In einer vollen Kneipe, in der Musik dröhnt, überfordern Sie Ihr Gehirn.
  4. Halten Sie auch den Geräuschpegel in Ihrem Alltag gering: Benutzen Sie leise elektrische Geräte, sperren Sie den Straßenlärm aus, lassen Sie nicht Radio, Fernseher und Geschirrspüler im Hintergrund (oder sogar gleichzeitig) laufen.
  5. Schauen Sie Ihrem Gesprächspartner auf die Lippen, beachten Sie seine Mimik und Gestik. So können Sie trainieren, das Gehörte mit Lippenbewegungen in Einklang zu bringen. Bitten Sie Ihre Freunden und Kollegen, Sie immer von vorn anzusprechen und sich vorab bemerkbar zu machen.
  6. Besteht Ihre Schwerhörigkeit schon länger, könnte bereits Ihr Sprachvermögen gelitten haben. Ihre Stimme klingt dann bisweile zu laut oder verwaschen. Fragen Sie Ihren Arzt, ob bei Ihnen ein Wahrnehmungstraining zur Besserung dieser Störung sinnvoll ist.

Hörgerät reinigen und pflegen – 5 goldene Regeln

Hörgeräte sind robust und für den täglichen Gebrauch konzipiert. Trotzdem sollten Sie ein paar Punkte bei der Pflege beachten, um deren Lebensdauer zu erhöhen:

  1. Reinigen Sie das Hörgerät täglich: Entfernen Sie Ohrenschmalz mit einem trockenen Tuch vom Gerät. Das Ohrpassstück sollte regelmäßig über Nacht mit einer Reinigungsflüssigkeit gereinigt werden. Achten Sie darauf, es danach gründlich abzutrocknen. Spezielle Produkte dafür erhalten Sie bei einem Hörakustiker. Er klärt Sie auch über die Unterschiede bei der Pflege der verschiedenen Hörsysteme auf.
  2. Vermeiden Sie, das Gerät Feuchtigkeit auszusetzen (Duschen, Schwimmen, Regen). Lagern Sie es über Nacht in einem "Trockenbeutel" (dieser entzieht Feuchtigkeit).
  3. Lassen Sie das Hörgerät nicht fallen und setzen Sie es nicht großer Hitze (pralle Sonne, hohe Temperaturen im Auto), starkem Schmutz oder Haarspray oder Puder aus.
  4. Benutzen Sie für die Ablage und den Transport ein Etui und bewahren Sie dieses unzugänglich für Kinder und Haustiere auf.
  5. Für den Urlaub: Lassen Sie vorher die Funktion des Gerätes prüfen und denken Sie an Pflegemittel und Ersatzbatterien.

Aktualisiert: 14.10.2020 - Autor: Dagmar Reiche; überarbeitet: Jasmin Rauch

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