Tinnitus: Selbsthilfe, Tipps und Behandlung

Frau bei Tinnitus-Behandlung © Getty Images/Tetra Images

Tinnitus lässt sich in vielen Fällen als wohlgemeinte Mahnung des Körpers auffassen. Neben körperlichen Ursachen können Ohrgeräusche auch ein Warnsignal dafür sein, dass wir uns körperlich oder seelisch übernommen haben. Deswegen sollten Sie die Ursachen aufspüren und möglichst beheben. Der Besuch beim Hals-Nasen-Ohrenarzt sollte hier ein erster Schritt sein. Je nach Auslöser kann dieser mit Ihnen gemeinsam über eine weitergehende Behandlung entscheiden, oder Tipps zur Selbsthilfe geben. Welche Möglichkeiten zur Therapie gibt es bei Tinnitus?

Behandlung der verschiedenen Formen

Allgemein gilt: Eine gesunde Lebensführung, eine positive Lebenseinstellung und Entspannungsübungen sind hilfreich. Ebenso kann der Erfahrungsaustausch mit Gleichbetroffenen in Selbsthilfegruppen hilfreich sein. Alle weiteren Therapieschritte müssen individuell auf Sie abgestimmt werden.

Bei der richtigen Behandlung spielt die Unterscheidung zwischen einem subjektivem und einem objektiven Tinnitus eine wichtige Rolle.

Behandlung eines objektiven Tinnitus

Ein objektiver Tinnitus tritt eher selten auf. Bei diesem kann das Ohrgeräusch nicht nur vom Betroffenen selbst, sondern auch von anderen gehört oder zumindest durch entsprechende Geräte gemessen werden. Der Auslöser des Geräuschs ist dabei körperlicher Natur. Gefäßverengungen oder -störungen, Muskelkontraktionen oder Probleme mit dem Kiefer oder der Halswirbelsäule kommen in Frage. Ist die Ursache durch den HNO-Arzt abgeklärt, kann diese behandelt werden, beispielsweise durch Medikamente, Physiotherapie oder eine Operation. Ist der Auslöser behoben, verschwindet in der Regel auch der Tinnitus.

Behandlung eines subjektiven Tinnitus

Ein subjektiver Tinnitus kann nur durch den Betroffenen selbst wahrgenommen werden. Er tritt im Vergleich zum objektiven Tinnitus deutlich häufiger auf. Auch hier wird der Arzt zunächst eine Untersuchung hinsichtlich möglicher körperlicher Ursachen vornehmen. Auslöser für einen subjektiven Tinnitus können beispielsweise extremer Lärm, ein Knalltrauma, Ohrerkrankungen oder Durchblutungsstörungen im Ohr sein.

Kann der HNO-Arzt keine Ursachen finden, wird er den Betroffenen gegebenenfalls an einen Neurologen oder Psychologen verweisen. Insbesondere eine starke psychische Belastungssituation, wie Stress, Angst oder Depressionen, kann einen Tinnitus auslösen und auch verstärken.

Besteht der Tinnitus länger als drei Monate, spricht man von einem chronischen Tinnitus. Die Chancen auf Heilung sind dann gering. Dennoch gibt es Möglichkeiten, das Leben mit dem Tinnitus einfacher und positiver zu gestalten und so mögliche Folgebeschwerden, wie psychische Probleme, Konzentrations- oder Einschlafstörungen zu vermeiden.

12 Tipps zur Selbsthilfe bei Tinnitus

Zur Behandlung eines chronischen Tinnitus ist in der Regel der Betroffene selbst gefragt. Ein paar Tipps können Ihnen dabei helfen, mögliche Ursachen zu beheben oder Ihr Leben mit dem Tinnitus besser zu gestalten:

  1. Suchen Sie sich einen Arzt des Vertrauens, aber geben Sie Ihre Verantwortung nicht beim Arzt ab.
  2. Scheuen Sie nicht, auch psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen
  3. Vermeiden Sie in der Akutphase jeden Stress. Eine Krankschreibung in den ersten ein bis zwei Wochen ist hier sehr hilfreich.
  4. Gehen Sie mit Nikotin und Alkohol vernünftig um. Beides kann durch Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem den Tinnitus verstärken.
  5. Meiden Sie Lärm und laute Musik. Oder schützen Sie sich durch Gehörschutz.
  6. Überprüfen Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt und Apotheker, ob Ihre Medikamente ohrschädigend sind.
  7. Wenden Sie Entspannungsübungen an.
  8. Bemühen Sie sich, Ihre Gedanken in eine positive Richtung zu lenken und den Tinnitus weniger in den Mittelpunkt zu stellen.
  9. Informieren Sie sich gründlich über Ihre Erkrankung.
  10. Körperliche Bewegung kann im Sinne der Stressreduktion guttun.
  11. Ziehen Sie sich nicht zurück. Soziale Isolation und extreme Ruhe können den Tinnitus verstärken.
  12. Nutzen Sie bei einem festgestellten stärkeren Hörverlust möglichst bald ein Hörgerät.

Kognitive Verhaltenstherapie

Selbst wenn Ihr Tinnitus bleibt, sollten Sie nicht die Hoffnung aufgeben. In den allermeisten Fällen verliert ein anfänglich als belastend empfundener Tinnitus zunehmend an Intensität. Bei andauernden Ohrgeräuschen ist das oberste Therapieziel, dem Tinnitus keine Aufmerksamkeit zu schenken. Sie können lernen, ihn zu überhören. Der Mensch reagiert auf ein unbekanntes Geräusch zunächst immer mit erhöhter Aufmerksamkeit.

Versuchen Sie, Ihre Aufmerksamkeit den bedeutenden Dingen im Leben zuwenden. Und nicht dem unwichtigen Tinnitus. Viele Betroffene schaffen dies innerhalb des ersten Jahres. Gönnen Sie sich dafür Zeit und Geduld.

Als effektive Maßnahme, die Betroffene beim Leben mit dem Tinnitus helfen kann, hat sich die kognitive Verhaltenstherapie erwiesen. Neben der Behandlung möglicher psychischer Ursachen, wie Stress oder Angst, zielt die kognitive Verhaltenstherapie darauf ab, die Einstellung gegenüber dem Tinnitus zu ändern.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass eine kognitive Verhaltenstherapie die Lebensqualität verbessern sowie depressive Verstimmungen mildern kann. Lediglich die Lautstärke des Tinnitus wurde durch die Therapie nicht beeinflusst. Mittlerweile gibt es neben der Therapie bei einem Psychologen auch digitale Möglichkeiten der kognitiven Verhaltenstherapie bei Tinnitus. Beispiele dafür sind Tinnitus-Apps. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt kann hier über mögliche Angebote informieren.

Tinnitus-Kliniken

Für alle Betroffenen mit hohem Leidensdruck gibt es in Deutschland ein einzigartiges Netz an Tinnitus-Kliniken. Alle verfolgen einen psychosomatischen Therapieansatz. Hier gibt es gute Chancen, die Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit deutlich zu verbessern.

Medikamente bei Tinnitus

Zur Behandlung von Tinnitus gibt es keine wirksamen Medikamente. Ausnahmen gelten, wenn beispielsweise zur Therapie von Muskelzuckungen bei objektivem Tinnitus Medikamente eingesetzt werden. Auch bei starken psychischen Beschwerden kann der Arzt Medikamente zur Linderung der Symptome verschreiben.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Neben den oben genannten Therapien gibt es noch weitere Behandlungsmöglichkeiten, die je nach Ursache und Form bei einem Tinnitus Beschwerden lindern können. Dazu gehören beispielsweise Akkupunktur, die HBO-Therapie (hyperbare Sauerstofftherapie) oder Musiktherapie. Wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit dieser Therapien stehen jedoch noch aus.

Als Mittel der Selbsthilfe bei Tinnitus können zudem sogenannte "Tinnitus-Masker" oder "Tinnitus-Noiser" genutzt werden. Diese werden wie ein Hörgerät eingesetzt oder sind in ein solches integriert. Durch ein rauschendes Geräusch können sie den Tinnitus überdecken. "Noiser" werden meist im Rahmen einer Tinnitus-Retraining-Therapie eingesetzt, die den Betroffenen dabei helfen soll, das Ohrgeräusch auszublenden. Mittlerweile werden Tinnitus-Retraining-Therapie und kognitive Verhaltenstherapie oft miteinander kombiniert.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
H93.1

Aktualisiert: 28.04.2021 - Autor: überarbeitet: Jasmin Rauch

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