Was ist Akne inversa?

Akne inversa in der Achselhöhle © istockphoto, alexmak72427

Akne inversa ist weltweit verbreitet und betrifft sowohl das weibliche als auch das männliche Geschlecht. Bei Männern häufiger als bei Frauen tritt diese Hautkrankheit im Analbereich auf, kommt jedoch auch in anderen Körperregionen vor. Die Erkrankung kann sich von der Pubertät an bis ins hohe Alter manifestieren. Eine nicht-repräsentative Umfrage unter Patienten durch die Deutsche Interessengemeinschaft Akne inversa e.V. ergab, dass die Krankheit meist bis zum 30. Lebensjahr ausbricht.

Was bedeutet Akne inversa?

Die Ausprägungsformen der "Akne" (griech. akme (Spitze), lat. acne, genaue Begriffsherkunft ungeklärt) bezeichnen chronische Hauterkrankungen, die mit Pickeln, Abszessen, Fisteln und Narbenbildungen einhergehen.

"Inversa" bedeutet "umgekehrt", denn entgegen der vielen Menschen bekannten "Jugenderkrankung" tritt die Akne inversa nicht im Gesicht, sondern fast ausschließlich im Anal-, Genital-, Leisten- und Achselbereich auf.

Als Synonym für diese Krankheit hat sich der Begriff Hidradenitis suppurativa (Schweißdrüsenabszess) etabliert. Dies ist jedoch irreführend, da es sich bei Akne inversa primär nicht um eine Entzündung der Schweiß-, sondern der Talgdrüsen handelt.

Wann spricht man von Akne inversa?

Die Erkrankung wird in drei Stadien eingeteilt, die sogenannten "Hurley-Stadien". Sie ermöglichen eine Einschätzung des aktuellen Schweregrads und des weiteren Verlaufs von Akne inversa:

  • Im Stadium I sind leichtere Hautveränderungen festzustellen: Die vereinzelt auftretenden, typischen schwarzen Punkte (Komedone) wachsen zu größeren Vorwölbungen (Riesenkomedone) heran. Pfropfen sich Bakterien auf, entstehen Eiterkapseln, sogenannte Abszesse. Diese sind warm, rot und schmerzhaft. Drückt man Abszesse aus, entleert sich Eiter, Talg und eine übel riechende Flüssigkeit. 
  • Im Stadium II bilden sich Abszesse häufiger und an mehreren Stellen, haben jedoch keine Verbindung zueinander. Auch Fistelgänge und Narbenbildung können auftreten.
  • Im letzten Stadium III sind die betroffenen Körperregionen großflächig befallen, durch die vielen Abszesse kommt es zu Narbenbildungen. Die entzündeten Stellen stehen durch Gänge unter der Haut, sogenannten "Fisteln", miteinander in Verbindung und führen immer wieder zu Abszessen.

Im ersten Stadium kann die Akne inversa mit der Akne conglobata verwechselt werden. Diese Akneform zählt im Gegensatz zu der Sonderform der Akne inversa zu den "gewöhnlichen" Akneformen (Akne vulgaris). Hierbei entstehen ebenfalls Entzündungen, Pickel, Abszesse und Fisteln im Gesicht sowie an Rücken, Armen und Beinen. Die Conglobata-Form bezeichnet einen schweren Verlauf mit der Ausbildung von größeren, tief in die Haut reichenden Knoten und mehreren zusammenschmelzenden Abszessen.

Wer behandelt Akne inversa?

Haben Sie den Verdacht, dass Sie an einer Akne inversa leiden könnten, sollten Sie sich zunächst von Ihrem Hausarzt untersuchen lassen. Dieser kann Sie dann an einen Facharzt für Hauterkrankungen, einen Dermatologen, überweisen.

Was hilft gegen Akne inversa?

Es gibt leider keine Therapie, die zu einer vollständigen Heilung führt. Die Symptome können jedoch durch unterschiedliche Maßnahmen gelindert werden.

Zunächst sollten bekannte Risikofaktoren ausgeschaltet werden. So stellt Rauchen einen der wichtigsten Faktoren der Akne inversa dar, da Nikotin Hautentzündungen fördert und eine Abheilung behindert. Auch Übergewicht ist ein nennenswerter Risikofaktor.

Verschiedene Salben und Lösungen zum Auftragen auf die entzündeten Stellen führen zur Abheilung. Sie sind alkohol- oder ammoniumhaltig und verhindern eine Besiedlung mit Bakterien. Ist es dafür zu spät, können auch Antibiotikacremes, wie zum Beispiel Clindamycin, aufgetragen werden.

Es finden sich auch pflanzliche Mittel auf dem Markt. Bei Fragen zu Homöopathie bei Akne inversa wenden Sie sich am besten an Ihren behandelnden Arzt.

Abhängig vom jeweiligen Stadium werden weitere Medikamente oder sogar Operationen nötig.

Stadienabhängige Therapie der Akne inversa

Im Stadium I werden Antibiotika eingesetzt. Gängige Präparate sind Clindamycin und Rifampicin. Diese werden als Tabletten eingenommen oder über die Vene gespritzt und sollen so die durch Bakterien erzeugten Hautentzündungen bekämpfen.

Weitere Medikamente, die bei der Akne inversa zum Einsatz kommen, sind Immunsuppressiva wie zum Beispiel der Wirkstoff Infliximab. Immunsuppressiva beeinflussen die Eiweißproduktion auf DNA-Ebene und können so die Überproduktion von Hautzellen und somit die Verhornung und Verstopfung der Ausführungsgänge eindämmen. Je nach Ausprägung der Befunde werden diese Präparate ebenfalls als Tabletten oder über die Vene verabreicht.

Bei Frauen kann in manchen Fällen eine antiandrogene Medikation helfen. Die Präparate, beispielsweise Ethinylestradiol oder Cyproteronacetat, verringern den Testosteronspiegel, was sich positiv auf die Entzündung auswirkt.

Alle diese Medikamente sind verschreibungspflichtig, weisen zahlreiche Nebenwirkungen auf und sind nur nach Rücksprache mit einem Arzt einzunehmen.

Wann ist eine Operation nötig?

Im Stadium II und III müssen größere Hautbefunde durch den Hautarzt ausgeschnitten werden. Je nachdem wie aufwendig der Eingriff wird, kann die Operation in lokaler Betäubung und ambulant durchgeführt werden oder es muss eine Vollnarkose mit nachfolgendem Krankenhausaufenthalt erfolgen.

Weitere Therapieformen bei Akne inversa

Neben der herkömmlichen Technik mittels Skalpell kommen auch Laser-Verfahren zum Einsatz. Wann welche Technik Anwendung findet, hängt von der Größe und Tiefe des Hautbefundes ab.

Bei vielen Hauterkrankungen hat die Lichttherapie (Photodynamische Therapie) einen positiven Effekt. Bei der Akne inversa wird die Anwendung von Experten jedoch nicht empfohlen, da sie sich als wirkungslos erwiesen hat.

Auch von therapeutischer Bestrahlung wird aufgrund der Nebenwirkungen der Röntgenstrahlungen (Strahlungsdermatosen, Tumorentwicklung) abgeraten.

lAight®-Therapie als alternative Methode der Behandlung

Seit April 2017 ist in Deutschland jedoch ein alternatives Verfahren zugelassen: Die sogenannte lAight®-Therapie verwendet elektromagnetische Wellen, genauer gesagt eine Kombination aus Licht- und Radiofrequenzwellen, welche antientzündlich und wachstumshemmend wirken. Hierbei kommen die schädlichen UV-A- und UV-B-Strahlen des Lichts nicht zum Einsatz.

Anwendbar ist die Methode bei allen Stadien der Akne inversa, wobei die Wirkung ausgeprägter ist, je früher die Therapie begonnen wird. Die Therapie kann auch einen positiven Effekt auf bereits vorhandene Narben haben.

Bisher wird die Technik nur in speziellen Wundzentren und Arztpraxen eingesetzt und die Kosten sind vom Patienten selbst zu tragen. Bei Fragen zu dem relativ neuen Verfahren wenden Sie sich an Ihren behandelnden Hautarzt.

Ist Akne inversa ansteckend?

Die Akne inversa ist nicht ansteckend. Es wird jedoch eine familiäre Häufung beobachtet und daher eine genetische Komponente als sehr wahrscheinlich angesehen. Allerdings sind die Gene nicht die alleinige Ursache.

Gründe für eine Akne inversa

Die Ursachen der Akne inversa sind nicht endgültig geklärt. Man nimmt an, dass eine Überproduktion von Haut, also eine Verhornung (Hyperkeratose), in den betroffenen Regionen der Auslöser ist. Die überschüssigen Hautzellen verstopfen die Haarkanäle der Haut, Abfallstoffe können nicht mehr abgegeben werden. Eine Entzündung unter der Hautoberfläche ist die Folge.

Durch diese Entzündung unter der Haut entsteht eine dauerhaft-wiederkehrende (chronisch-rezidivierende) entzündliche Erkrankung der Haarwurzeln und Schweißdrüsen und den umgebenden Hautschichten.

So ist auch verständlich, warum vor allem Achselhöhlen und Intimbereich betroffen sind – hier treffen ausgeprägte Körperbehaarung und Schweißbildung zusammen. Gesellen sich Bakterien der körpereigenen Hautflora hinzu, wird die Entzündung in vielen Fällen noch schlimmer.

Ein weiterer möglicher Auslöser für eine Akne inversa kann eine mechanische Reizung sein, die beispielsweise durch das Reiben von Unterwäsche, der Hose oder dem BH auf der Haut hervorgerufen wird.

Ernährung bei Akne inversa

Einen direkten Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und Akne inversa gibt es nicht. Jedoch weiß man, dass Übergewicht den Krankheitsverlauf negativ beeinflusst. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist daher wichtig.

Auch die vermehrte Ausschüttung von Insulin scheint Einfluss zu nehmen. Das ist der Fall, wenn der Blutzucker schnell ansteigt, also bei Speisen mit schnell verfügbarem Zucker (Kohlenhydraten), zum Beispiel sehr zuckerhaltiges Essen oder Weißmehl.

Ebenfalls abzuraten ist von sehr fettigem Essen. Dieses führt nicht nur zur Gewichtszunahme, sondern die enthaltenen Omega-6-Fettsäuren stehen zudem im Verdacht, Entzündungen im Allgemeinen zu begünstigen.

Akne inversa – was nun?

Die Behandlung der Akne inversa ist schwierig und eine endgültige Heilung nicht möglich. Betroffene leiden an den Folgen der Entzündungen, den Vernarbungen, den kosmetischen Auswirkungen und den Schmerzen.

Nicht selten entwickeln diese Patienten eine Depression, sind entmutigt und gedrückter Stimmung angesichts der aussichtslosen Prognose. Wie aufgezeigt, gibt es jedoch viele Möglichkeiten, die einzelnen Befunde zu behandeln und Symptome zu lindern, mit der Aussicht, die Erkrankung einzudämmen.

Aktualisiert: 16.08.2018 – Autor: Dr. med. Lisa Rosch

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