Haarausfall beim Mann

Mann mit Haarausfall © istockphoto, diego_cervo

Es beginnt mit Geheimratsecken, die Stirn wird höher, das Haar am Hinterkopf immer dünner. Jeder zweite Mann leidet unter mehr oder weniger starkem Haarausfall. Neben einem unübersehbaren Angebot an verheißungsvollen aber meist wirkungslosen Mitteln gibt es mittlerweile allerdings auch Therapieansätze, die Erfolg versprechen.

Zyklus des Haarwachstums

Ein Haar ist kein lebenslanger Begleiter, sondern gehört nur etwa zwei bis sechs Jahre zur Frisur. In dieser Zeit ist es ständig im Wachstum begriffen (1. Phase), es wächst sichtbar. Und plötzlich: Stopp (2. Phase). Das Haar gönnt sich nach dieser anstrengenden Wachstumsphase zwei bis vier Monate Ruhe und fällt dann aus (3. Phase). Auf diese natürliche Weise verliert man täglich 80 bis 100 Haare.

In derselben Haarwurzel bildet sich ein neues Haar und drängt sich durch die Kopfhaut. Was aber wenn dieser natürliche Haarzyklus gestört ist und die Haare dünner und weniger werden?

Erblich bedingter Haarausfall

Lichten sich die Haare besonders an Stirn oder Scheitel, ist das Veranlagungssache; die Tendenz zum Haarverlust haben die Eltern den Betroffenen praktisch mit in die Wiege gelegt. Die männlichen Geschlechtshormone (Androgene) spielen eine entscheidende Rolle beim Haarausfall von Männern.

Man weiß heute, dass der erblich bedingte Haarausfall durch eine vererbte Empfindlichkeit der Haarwurzeln in bestimmten Bereichen der Kopfhaut gegenüber einem Abbauprodukt des Testosterons (Dihydrotestosteron) verursacht wird. Moderne Therapieansätze knüpfen hier an, so zum Beispiel der Wirkstoff Alfatradiol, der den Abbau des Testosterons auf der Kopfhaut hemmt.

Beim erblich bedingten Haarausfall reagiert die Haarzwiebel wie eine Mimose auf körpereigene, das Haarwachstum steuernde Hormone. Und zwar gibt es in den Haarwurzeln der betroffenen Bereiche besonders viele Rezeptoren für das den Haarwuchs schädigende Dihydrotestosteron. Außerdem ist das Enzym, das Testosteron in Dihydrotestosteron umwandelt, hier besonders aktiv.

Beide Faktoren führen dazu, dass die Haare immer kürzer und dünner werden. Schließlich wachsen nur noch ganz feine und kurze Haare. Diese Art des Haarausfalls nennt man erblich bedingten Haarausfall (auch hormonell bedingten Haarausfall) oder Alopezia androgenetica genannt. Typisch beim Mann ist der zurückweichende Haaransatz mit den Geheimratsecken.

Diffuser Haarausfall

Ist der Haarausfall über die gesamte Kopfhaut verteilt und nicht speziell lokalisiert? Dann spricht die Medizin von diffusem Haarausfall. Die Haarzwiebel ist zwar intakt, sie wird aber über den Blutweg nicht ausreichend mit Nährstoffen wie Aminosäuren (zum Beispiel Cystin) und Vitaminen der B-Gruppe versorgt.

Das hat Konsequenzen: Die Haarzwiebel stellt irgendwann ihre Tätigkeit ein. Die Lebensdauer des Haares wird verkürzt, es fällt vorzeitig aus. Verstärkter Haarverlust ist die Folge. Dieser ist behandlungsbedürftig, wenn regelmäßig mehr als 100 Haare am Tag ausfallen. Es gibt in der Apotheke rezeptfreie Arzneimittel gegen diffusen Haarausfall, die die Haarwurzel mit schwefelhaltigen Aminosäuren und B-Vitaminen versorgen.

Kreisrunder Haarausfall

Eine weitere Form des Haarausfalls ist der kreisrunde Haarausfall, auch Alopecia Areata genannt. Diese besondere Form des Haarausfalls ist durch umschriebene, scharf abgegrenzte Kahlstellen unterschiedlicher Größe gekennzeichnet. Bei der Alopecia areata handelt es sich um einen entzündlichen, meist reversiblen Haarausfall. Die Ursache ist unbekannt. Wahrscheinlich spielen in der Krankheitsentwicklung immunologische (den Abwehrmechanismus des Körpers betreffende) Vorgänge eine Rolle. Erbfaktoren scheinen ebenfalls von Bedeutung zu sein, da in etwa 25 Prozent der Fälle die Erkrankung familiär gehäuft auftritt.

Die Therapie des kreisrunden Haarausfalls gehört unbedingt in die Hände eines Arztes. Auf der Website des Vereins Alopecia areata finden Sie eine Liste mit Ärzten, die Erfahrung in der Behandlung der Alopecia areata haben. Eine Liste mit Ärzten, die Erfahrungen in der Behandlung der Alopecia Areata gesammelt haben, kann Ihnen die Suche nach einem Arzt erleichtern.

Zahlen rund ums Haar

  • Anzahl der Kopfhaare: circa 100.000
  • monatliches Haarwachstum: 1 Zentimeter
  • gesamte tägliche Haarproduktion: 30 Meter
  • Lebensdauer des Haares: zwei bis sechs Jahre
  • täglich ausfallende Haare: 80 bis 100

Wussten Sie schon, dass:

  • Männerhaar schneller als Frauenhaar wächst
  • das Haar bei warmem Wetter schneller wächst
  • Haare im Alter langsamer wachsen
  • das Schneiden oder Rasieren das Haarwachstum nicht beeinflusst
  • Männerhaar dichter ist als Frauenhaar
  • die Haarfarbe und die Zahl der Haare im Alter abnehmen.

Aktualisiert: 01.08.2017

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