Herzinfarkt bei Frauen: Wie man die Anzeichen erkennt

Frau mit Herzinfarkt hat Schmerzen im Bereich der Brust © istockphoto, Zinkevych

Der Herzinfarkt ist ein häufiges und schwerwiegendes Krankheitsbild. In Deutschland macht er die zweithäufigste Todesursache aus1 und ist entsprechend gefürchtet. Auch wenn laut Statistik weniger Frauen als Männer betroffen sind, ist ein Herzinfarkt bei Weitem keine "Männerkrankheit". Das rechtzeitige Erkennen und eine schnelle Therapie sind wichtig für eine gute Prognose. Die bekanntesten Anzeichen eines Herzinfarkts sind unter anderem Brustschmerzen, Schwäche und starkes Schwitzen bei kalter Haut. Bei Frauen äußert sich ein Herzinfarkt jedoch häufig mit untypischen Beschwerden, weshalb viele Betroffene die Symptome nicht richtig deuten. Wir erklären Ihnen hier, woran Sie einen Herzinfarkt bei Frauen erkennen können und was dann zu tun ist.

Herzinfarkt: Was ist das?

Unter einem Herzinfarkt versteht man die Unterversorgung des Herzmuskelgewebes mit Sauerstoff. Meistens kommt es zu dieser Unterversorgung durch thrombotische Gefäßverschlüsse. Das heißt, eine oder mehrere Arterien, die das Herz mit sauerstoffreichem Blut versorgen, werden durch geronnenes Blut extrem stark eingeengt oder sogar komplett verschlossen, sodass kein oder nicht genügend Blut zum Herzmuskel gelangt.

In Folge der Unterversorgung wird das betroffene Gewebe nekrotisch. Es stirbt also ab, wenn die Sauerstoffversorgung nicht schnell wiederhergestellt wird. An der betroffenen Stelle bildet sich eine Narbe. Dieser narbige Bereich kann dauerhaft nicht mehr an der Pumpfunktion des Herzens teilnehmen. In der weiteren Folge kann sich eine Herzschwäche ausbilden.

Wie groß der geschädigte Herzteil ist, hängt vom Ort des Verschlusses und der Zeit bis zum Therapiebeginn ab. So sind bei einem leichten Herzinfarkt, bei dem nur eine kleine Arterie verschlossen ist, die Folgeschäden häufig weniger ausgeprägt.

Die Ursache eines Herzinfarkts ist in den meisten Fällen eine koronare Herzkrankheit. Hierbei werden die Gefäße durch Verkalkung langsam fortschreitend verengt. Zum Herzinfarkt kommt es unter anderem, wenn diese Verkalkungen sich lösen (beispielsweise bei starker Anstrengung) und die Blutgerinnung aktivieren.

Was sind erste Anzeichen für einen Herzinfarkt bei Frauen?

Ein Frühwarnzeichen für einen Herzinfarkt ist – sowohl bei Frauen als auch bei Männern – die sogenannte Angina pectoris. Die Angina pectoris ist ein dumpfer Schmerz hinter dem Brustbein, der häufig durch ein Druck- oder Engegefühl in der Brust begleitet wird. Sie wird durch körperliche Belastung oder Stress hervorgerufen.

Die Angina pectoris ist ein frühes Anzeichen für eine Sauerstoffunterversorgung durch eine koronare Herzerkrankung mit Gefäßverengungen, die sich zu einem Herzinfarkt zuspitzen kann. Damit ist sie ein Vorbote eines Herzinfarkts.

Wie erkennt man einen Herzinfarkt?

Ein typisches erstes Anzeichen für einen Herzinfarkt bei beiden Geschlechtern sind im Vergleich zur Angina pectoris stärkere, als vernichtend wahrgenommene Schmerzen hinter dem Brustbein. Häufig können diese Schmerzen ausstrahlen. Klassisch ist die Ausstrahlung in die linke Schulter und den linken Arm. Genauso können die Schmerzen aber auch auf der rechten Seite, in Bauch, Rücken oder Hals wahrgenommen werden. Zusätzlich geht ein Herzinfarkt meist mit Todesangst einher.

Begleitend können außerdem folgende Symptome auftreten:

  • Herzrasen beziehungsweise sehr schneller Puls
  • Schwächegefühl
  • starkes Schwitzen bei kalter Haut
  • Blässe
  • Übelkeit
  • Einschränkungen des Bewusstseins

Wie äußert sich ein Herzinfarkt bei Frauen?

Die genannten Warnsignale treten sowohl bei Männern als auch bei Frauen auf. Bei Frauen kommt es jedoch häufiger zu untypischen Beschwerden. So leiden Frauen öfter unter Schmerzen, die sich nicht hauptsächlich in der Brust zeigen. Häufig berichten Frauen von Schmerzen im Oberbauch, im oberen Rücken, den Armen und im Kiefer-Hals-Bereich.

Auch sind verstärkte Müdigkeit, Atemnot, Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen und Durchfall und Herzstolpern bei Frauen häufiger als bei Männern. Die Symptome können außerdem deutlich weniger stark ausfallen als bei Männern.

Was tun bei Verdacht auf einen Herzinfarkt?

Wichtig ist es, die Beschwerden zu erkennen und ernst zu nehmen. Es gilt, möglichst schnell medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Selbst in die Klinik zu fahren, ist nicht ratsam. Bei einem akuten Herzinfarkt können lebensbedrohliche Komplikationen auftreten, die ein herbeigerufener Rettungsdienst schnell und fachkundig behandeln kann.

Frauen neigen aufgrund der untypischen Beschwerden oft dazu, erst spät den Rettungsdienst zu rufen. Dies verschlechtert den weiteren Verlauf deutlich. Je schneller ein Herzinfarkt erkannt und behandelt wird, desto weniger Herzmuskelgewebe bleibt nachhaltig geschädigt.

Entgegen der im Internet kursierenden Gerüchte hilft Husten übrigens nicht gegen einen Herzinfarkt.

Tests bei Verdacht auf Herzinfarkt

Um die Diagnose "Herzinfarkt" zu stellen, wird der Arzt oder die Ärztin zunächst eine körperliche Untersuchung durchführen und das Herz abhören.
Im Anschluss wird ein Elektrokardiogramm (EKG) gemacht. Mit dem EKG werden die Erregungsströme, die zum Schlagen des Herzens führen, erfasst. Das EKG kann – aber muss nicht – verändert sein und kann bereits einen Hinweis geben, wo sich der Gefäßverschluss befindet.

Eine Blutanalyse hilft bei uneindeutigem EKG weiter und lässt Rückschlüsse auf den zeitlichen Verlauf des Infarktes zu. Im Blut nachweisbare Stoffe, die für einen Herzinfarkt sprechen, sind unter anderem Troponin, Myoglobin und Kreatinkinasen.

Auch andere Krankheitsbilder, die das Herz schädigen, können ähnliche diagnostische Bilder hervorrufen, so zum Beispiel die Herzmuskelentzündung (Myokarditis). Jedoch kann der untersuchende Arzt üblicherweise sowohl im Elektrokardiogramm als auch im Bluttest die Unterschiede zwischen einer Myokarditis und einem Herzinfarkt erkennen. Auch eine Ultraschalluntersuchung und ein Röntgenbild können helfen, zwischen einer Herzmuskelentzündung und einem Herzinfarkt zu unterscheiden.

Außerdem kann eine Herzmuskelentzündung durch andere Krankheiten (zum Beispiel rheumathoide Arthritis oder Bestrahlung bei Krebsleiden) hervorgerufen werden. Beim Vorliegen dieser Erkrankungen ist es wichtig, bei Herzinfarktsymptomen auch an eine Myokarditis zu denken. Wenn trotz aller Untersuchungen unklar ist, ob es sich um einen Herzinfarkt handelt, wird eine Herzkatheteruntersuchung gemacht, die zur Therapie des Herzinfarktes dient.

Behandlung des Herzinfarkts

Wie die genaue Behandlung des Herzinfarkts aussieht, ist einerseits davon abhängig, welche Symptome auftreten und andererseits von der Dauer seit Beginn der Symptome.

Ziel der Herzinfarkttherapie ist es, den Gefäßverschluss so schnell wie möglich zu beseitigen. Nur so kann die durch die Unterversorgung entstandene Gewebeschädigung möglichst klein gehalten werden. Die Therapieempfehlungen unterscheiden nicht zwischen Männern und Frauen.

Heutzutage wird die Engstelle meist bei einer Herzkatheteruntersuchung mit einem kleinen Ballon aufgeweitet (Perkutane transluminale Koronoarangioplastie, Ballondilatation). Im Anschluss wird direkt eine Gefäßprothese aus medizinischem Draht in Form eines Röhrchens, ein sogenannter Stent, eingesetzt, um den erneuten Verschluss des Gefäßes zu verhindern.

Mit Medikamenten kann das Auflösen des Blutgerinnsels gefördert werden. Dieses Verfahren wird heute aber seltener angewandt.

Was passiert nach einem Herzinfarkt?

Im Anschluss an die akute Therapie findet eine intensive Nachbetreuung statt.

Um einem erneuten Herzinfarkt vorzubeugen, werden Medikamente verschrieben, die der Blutverdünnung dienen und die Herzarbeit erleichtern. Außerdem werden Risikofaktoren ausfindig gemacht. Mit einer Lebensstilberatung und der richtigen medikamentösen Einstellung sollen diese Risikofaktoren bestenfalls aus der Welt geschafft werden.

Auch eine Anschlussheilbehandlung in einer Rehabilitationsklinik, eine sogenannte Reha, gehört zur Nachbetreuung dazu. Sie soll helfen, zurück ins alltägliche Leben zu finden. Leider werden diese Rehabehandlungen von Frauen oft schlechter angenommen als von Männern und auch seltener verschrieben.2,3

Wichtige Risikofaktoren bei Frauen

Bei der Entstehung einer koronaren Herzkrankheit und in ihrer Folge eines Herzinfarktes spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Bei Frauen fallen hier insbesondere ins Gewicht:

  • Rauchen
  • Bluthochdruck
  • Fettstoffwechselstörungen (zum Beispiel Hypercholesterinämie, Hypertriglyceridämie)
  • Übergewicht und Adipositas
  • Diabetes mellitus Typ 2
  • Einnahme der Pille (orale Kontrazeption)
  • psychosoziale Faktoren (zum Beispiel Depressionen)

Zumeist erleiden Frauen erst im höheren Alter einen Herzinfarkt, da die hohen Östrogenspiegel vor der Menopause durch ihren Einfluss auf den Fettstoffwechsel und den Blutdruck schützend vor der koronaren Herzkrankheit wirken. Die Gefahr für einen Herzinfarkt erhöht sich jedoch insbesondere bei jungen Frauen, wenn sie den oben genannten Risikofaktoren ausgesetzt sind.

Herzinfarkt bei jungen Frauen

Bei jungen Menschen sind oft größere Gewebegebiete von einem Herzinfarkt betroffen und die Folgen sind entsprechend schwerwiegender.

Das liegt daran, dass junge Menschen seltener sogenannte Kollateralen haben. Kollateralen sind Arterien, die ein bestimmtes Gebiet auf einem Umweg versorgen können. Diese entstehen, wenn sich Verschlüsse langsam bilden, zum Beispiel bei langsam voranschreitender Gefäßverkalkung im Alter. Das Gewebe bemerkt dann, dass es wenig Sauerstoff bekommt und sendet Signale aus, die zu einer Gefäßneubildung führen. Gibt es keine Kollateralen, ist ein größeres Gewebegebiet von einem Gefäßverschluss betroffen.

Das Risiko für einen Herzinfarkt wird bei jungen Frauen besonders erhöht, wenn sie gleichzeitig die Pille nehmen und anderen der bereits genannten Risikofaktoren ausgesetzt sind. Die Pille allein erhöht das Risiko bei jungen Frauen nur in geringem Maße.

Was ist ein stiller Herzinfarkt?

Wird ein Herzinfarkt nicht von den oben beschriebenen Schmerzen begleitet, spricht man von einem stillen oder stummen Infarkt. Häufig treten stille Infarkte bei sehr alten Patienten oder Menschen mit einer Diabeteserkrankung auf. Bei ihnen sind Nervenschädigungen häufig, sodass Schmerz nicht mehr wahrgenommen werden kann.

Ein stiller Herzinfarkt wird manchmal durch andere Symptome bemerkt, die mit einem Herzinfarkt einhergehen können. Hierzu zählen:

  • plötzliche Luftnot durch ein vom Herzen herrührendes Lungenödem (Flüssigkeitsansammlung in der Lunge)
  • niedriger Blutdruck, Schwäche und Bewusstseinsverlust
  • Verwirrtheit
  • Herzrhythmusstörungen
  • Gefäßverschlüsse in den Extremitäten, also den Armen und Beinen

Eine medizinische Abklärung der Beschwerden sollte auf jeden Fall vorgenommen werden. Diese Warnzeichen sind jedoch nicht spezifisch für einen Herzinfarkt und können auch auf andere Krankheitsbilder hinweisen.

Wie können Frauen einem Herzinfarkt vorbeugen?

Einem Herzinfarkt kann man vorbeugen, indem man Risikoverhalten meidet. Eine gesunde Ernährung, regelmäßiger Sport und Nichtrauchen können viele der oben genannten Risikofaktoren verhindern und neben einem Herzinfarkt auch anderen Krankheiten entgegenwirken.

Aktualisiert: 16.07.2020 - Autor: Valerie Burmester

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