Sinovac: "CoronaVac" als erster Totimpfstoff gegen Corona?

Sinovac Corona-Impfstoff © Getty Images/Anadolu Agency / Kontributor

Die Corona-Pandemie erforderte die schnelle und sichere Entwicklung von Impfstoffen gegen SARS-CoV-2. Bisher wurden in der EU verschiedene mRNA- und Vektor-Impfstoffe gegen COVID-19 zugelassen. Weitere Vakzine stehen in den Startlöchern. Darunter auch der Impfstoff mit dem Namen CoronaVac des chinesischen Herstellers Sinovac Biotech, der vielleicht der erste in Deutschland zugelassene Totimpfstoff werden könnte. Wie ist der Stand der Zulassung und wie wirksam ist der Impfstoff laut den bisherigen Studien?

Corona-Totimpfstoff von Sinovac wartet auf Zulassung

Seit Mai 2021 läuft das Rolling Review des Corona-Impfstoffs CoronaVac. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) überprüft und bewertet in diesem Verfahren erste Daten des chinesischen Pharmaherstellers Sinovac bereits vor dem offiziellen Zulassungsantrag. Der durch diese frühzeitig Prüfung erlangte Wissenstand soll später den Ablauf der Zulassung beschleunigen. Im Rahmen des Rolling Review werden auch Impfreaktionen und mögliche Nebenwirkungen des Impfstoffs intensiv beleuchtet.

In einigen Ländern wie der Türkei, Chile, Brasilien oder Indonesien hat der Impfstoff bereits eine Notfallzulassung erhalten und wird dort schon im Kampf gegen Corona eingesetzt. In China hat CoronaVac bereits eine bedingte Zulassung erhalten. Auch vonseiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde im Rahmen des COVAX-Impfstoffverteilungsprogramms eine Empfehlung für das Vakzin ausgesprochen.

Totimpfstoff gegen Corona: So funktioniert CoronaVac

Die Wirkweise der bisher zugelassenen Impfstoffe basiert auf dem sogenannten Spike-Protein des Coronavirus. Dieses ist für das "Andocken" der Viruszellen im menschlichen Körper verantwortlich. Der Bauplan für dieses Virus-Protein wird isoliert und gelangt mithilfe der bislang zugelassenen Vektor- oder mRNA-Impfstoffe in den Körper. Dieser beginnt dann, das Spike-Protein mithilfe des Bauplans selbst nachzubilden. Das Immunsystem erkennt das Protein als Fremdkörper und produziert Antikörper und T-Zellen gegen den Erreger. So wird das Immunsystem für den Fall einer späteren Corona-Infektion trainiert.

Das Corona-Vakzin von Sinovac hingegen basiert auf einer anderen, aber bereits bekannten Technologie: Das unschädlich gemachte (inaktivierte) Virus wird als Totimpfstoff in den Körper injiziert, dieser produziert daraufhin Antikörper und T-Zellen.

Die Herstellung von CoronaVac erfolgt so:

  1. Das Virus wird zunächst in Zellkulturen, sogenannten Verozellen, vermehrt.
  2. Dann werden die Verozellen gereinigt und mithilfe einer chemischen Verbindung, dem beta-Propiolacton, inaktiviert.
  3. Aluminiumhydroxid wird als Adjuvans hinzugefügt. Ein Adjuvans wird in der Regel bei Totimpfstoffen als Hilfsstoff eingesetzt, um die Impfwirkung zu verstärken.

Erhält eine Person den Impfstoff, dann wird das inaktivierte Virus als Fremdkörper erkannt. Das Immunsystem beginnt, Antikörper und Helferzellen zu produzieren. Die geimpfte Person verfügt somit über eine erworbene Immunantwort: Kommt die Person später mit dem Coronavirus in Kontakt, erkennt das Immunsystem das Virus als fremd und beginnt, sich dagegen zu wehren.

Die Impfung mit CoronaVac erfolgt mit zwei Dosen im Abstand von zwei bis vier Wochen. Das Vakzin kann bei Kühlschranktemperatur gelagert werden.

Wie wirksam ist der Impfstoff von Sinovac?

Nach Angaben des Unternehmens schützt der Impfstoff zu 79 Prozent gegen schwere Corona-Verläufe. Erste Studien hingegen schreiben dem Impfstoff eine Wirksamkeit zwischen 50 und 90 Prozent zu. Eine Phase-III-Studie aus der Türkei stellte eine Wirksamkeit von 83,5 Prozent gegen symptomatische Verläufe fest. In einer großangelegten Studie aus Chile wurde diese Schutzwirkung mit 65,9 Prozent angegeben. Schwere Verläufe sollen durch die Impfung noch besser verhindert werden.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Die Daten der Phase-II/III-Studien deuten zudem auf vergleichsweise geringe Nebenwirkungen hin, die milder als bei den bislang zugelassenen Impfstoffen ausfallen könnten. Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Muskel-, Kopf- oder Gelenkschmerzen. Schwere Nebenwirkungen wurden bislang nicht beobachtet.

Totimpfstoffe: Eine bewährte Technologie

Totimpfstoffe zählen zwar zu den älteren Impfstoff-Arten, sind deshalb im Allgemeinen aber nicht weniger wirksam. Der Impfschutz kann umfassender sein und auch bei Mutationen greifen, da das komplette Virus im Vakzin enthalten ist. Ein weiterer Vorteil ist die vergleichsweise schnelle Wirksamkeit: Da der Körper nicht erst das Spike-Protein bilden muss, kann die Schutzwirkung theoretisch früher eintreten.

Ihr Nachteil ist jedoch, dass die Schutzwirkung im Vergleich zu Lebendimpfstoffen schneller nachlässt, sodass eine regelmäßige Auffrischung nötig ist.

Auch in Deutschland werden bereits Totimpfstoffe zum Schutz vor anderen Erkrankungen eingesetzt, dazu zählen unter anderem die Impfstoffe gegen Diphterie, Kinderlähmung, Keuchhusten, Tollwut, FSME, Tetanus und Hib (Haemophilus influenzae Typ b).

Weitere Totimpfstoffe gegen Corona

CoronaVac ist nicht der einzige Totimpfstoff gegen das Coronavirus. Mit BBIBP-CorV und WIBP-CorV von Sinopharm sind derzeit bereits zwei weitere inaktivierte Impfstoffe aus China in verschiedenen Länder im Einsatz. Hinzu kommt der indische Corona-Impfstoff BBV152, der ebenfalls auf dieser Technologie basiert.

Auch der europäische Hersteller Valneva arbeitet an der Entwicklung eines Totimpfstoffes gegen Corona. Dieser gilt ebenfalls als aussichtsreicher Kandidat, der erste in der EU zugelassene Totimpfstoff gegen Corona zu werden.

Aktualisiert: 13.09.2021 - Autoren: Alexandra Maul, News-Redakteurin | Silke Hamann, Medizinredakteurin

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