Sterblichkeit bei Corona: Alter, Übersterblichkeit und Todesursachen

Frau mit Mundschutz
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Die Sterblichkeitsrate bei COVID-19, also Infektionen mit dem Corona-Virus, liegt laut Zahlen aus dem chinesischen Wuhan bei 1,4 Prozent. Betrachtet man allerdings davon nur Patienten, die eine symptomatisch verlaufende Infektion haben, liegt die Sterberate bei 4,5 Prozent. Außerdem wird die Sterblichkeit für verschiedene Altersgruppen unterschiedlich angegeben. Die höchste Gefahr, an einer Corona-Infektion zu sterben, haben Menschen über 60 Jahre. Ihr Sterberisiko ist fünfmal so hoch wie das von 30- bis 59-Jährigen. Allerdings muss bei diesen Angaben beachtet werden, dass sie auf den Daten aus Wuhan basieren und teilweise hochgerechnet wurden.

Was bedeutet Übersterblichkeit?

Die Übersterblichkeit (Exzess-Mortalität) ist eine Zahl, die aussagt, wie viel mehr Menschen in einem bestimmten Zeitraum im Vergleich zu anderen Zeiträumen durchschnittlich gestorben sind. Der Begriff beschreibt also faktisch eine höhere Sterberate als gewöhnlich. Bestimmte Faktoren werden dabei berücksichtigt, beispielsweise die Grippewelle. Diese war beispielsweise 2017/2018 mit etwa 25.000 mehr Toten als in anderen Jahren besonders schlimm – eine Übersterblichkeit.

Übersterblichkeit durch Corona in Deutschland?

In der Grippezeit gibt es normalerweise immer Schwankungen hinsichtlich der Sterblichkeit. Allerdings ist die Grippewelle in diesem Jahr aufgrund der Corona-Maßnahmen ausgeblieben, beziehungsweise nur sehr mild verlaufen. In Deutschland gab es aber im April bereits etwa zehn Prozent mehr Tote als in vergleichbaren Vorjahren. In den Sommermonaten war die Sterblichkeit dann zunächst wieder unauffällig.

Seit Oktober 2020 stieg die Übersterblichkeit allerdings wieder an und steigerte sich weiter. In der 49. Kalenderwoche 2020 lag sie bei 18 Prozent. In der 50. Kalenderwoche starben in Deutschland 22.897 Menschen (Stand: 08.01.2021). Das bedeutet eine Übersterblichkeit von 23 Prozent im Dezember – 4.289 mehr Menschen als durchschnittlich in den Jahren 2016 bis 2019.

Corona: Sterblichkeit nach Alter

Etwa 85 Prozent aller an oder mit Corona Verstorbenen in Deutschland war laut Robert Koch-Institut älter als 70 Jahre. Die meisten von ihnen litten an Vorerkrankungen. Etwa 50 Prozent der Menschen, die verstorben sind, lebten in Altenheimen. Dennoch sind auch jüngere Menschen ohne Vorerkrankungen immer wieder ebenfalls von schweren Verläufen betroffen und versterben. Inzwischen gibt es auch einige wenige Todesfälle bei Kindern.

Menschen mit einem schweren Verlauf von COVID-19 sterben durchschnittlich erst etwa drei Wochen nach dem Auftreten erster Symptome.

Warum sterben so viele alte Menschen an SARS-CoV-2?

Es ist ungewöhnlich, dass die meisten Todesopfer in der Altersgruppe über 60 Jahre liegen. Bei anderen Pandemien, wie der Grippe, sind normalerweise auch kleine Kinder stark betroffen. Dass vor allem ältere Menschen sterben, liegt daran, dass es sich um ein neues Virus handelt. Vereinfacht gesagt: Das Immunsystem kann mit zunehmendem Alter nicht mehr so schnell und passend auf neue Viren reagieren. Das Virus und das angeborene Immunsystem greifen das Lungengewebe an und zerstören es, da die Immunreaktion verzögert ist.

Todesursache Corona?

Es wird immer wieder kritisiert, dass Menschen nicht an, sondern mit Corona sterben. Laut Pathologen ist dies nicht richtig, denn der Hauptteil der untersuchten Verstorbenen ist direkt an dem Coronavirus und nicht an einer Vorerkrankung gestorben. Untersuchungen haben gezeigt, dass die meisten der Toten massive Schäden an Blutgefäßen, eine ausgeprägte Thrombosierung (vor allem in den Lungengefäßen) und eine spezielle Form der Gefäßneubildung zeigten. Dadurch konnte bei 82 Prozent der obduzierten Verstorbenen nachgewiesen werden, dass sie an und nicht mit COVID-19 verstorben waren.

Erste deutschlandweite Analyse zu Sterblichkeit

Etwa ein Fünftel der COVID-19-Patienten, die von Ende Februar bis Mitte April 2020 in deutschen Krankenhäusern aufgenommen wurden, sind verstorben. Bei Patienten mit Beatmung lag die Sterblichkeit bei 53 Prozent, bei denen ohne Beatmung mit 16 Prozent dagegen deutlich niedriger. Insgesamt wurden 17 Prozent der Patienten beatmet.

Das sind Ergebnisse einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und der Technischen Universität Berlin, die jetzt im medizinischen Fachmagazin "The Lancet Respiratory Medicine" veröffentlicht worden sind. Ausgewertet wurden die Daten von etwa 10.000 Patienten mit bestätigter COVID-19-Diagnose, die vom 26. Februar bis zum 19. April& 2020 in insgesamt 920 deutschen Krankenhäusern aufgenommen wurden.

Aktualisiert: 18.01.2021 - Autor: Miriam Funk, Medizinredakteurin und Physiotherapeutin

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