FSME: Frühsommer-Meningoenzephalitis durch Zecken

Zecke beim Stich als Überträger von FSME © istockphoto, Cristian Storto Fotografia

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird durch infizierte Zecken übertragen. In den meisten Fällen verläuft sie glimpflich, dann ähneln ihre Symptome einer Grippe. Selten nimmt die Krankheit einen schweren Verlauf und kann sogar zum Tod führen. Im Folgenden erfahren Sie alles Wichtige über FSME und lesen, wie Sie sich und Ihre Kinder vor einer Infektion schützen können.

Was ist FSME?

Die Abkürzung FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis. Dabei handelt es sich um eine Entzündung von Gehirn, Hirnhaut und/oder Rückenmark. Die Bereiche können einzeln, aber auch alle zusammen betroffen sein.

Die FSME wird durch einen Viruserreger ausgelöst, der zu den Flaviviren gehört und mit den Erregern von Gelbfieber und dem Denguefieber verwandt ist. In den meisten Fällen wird das Virus durch Zeckenstiche (umgangssprachlich fälschlicherweise als Zeckenbisse bezeichnet) übertragen. Selten treten FSME-Infektionen nach dem Genuss von Rohmilch von Schaf, Ziege oder Kuh auf. Von Mensch zu Mensch kann FSME nicht übertragen werden, die Krankheit ist also nicht ansteckend.

Je älter der Patient ist, desto höher ist das Risiko eines schweren Verlaufs der Frühsommer-Meningoenzephalitis. Eine Infektion mit FSME kann bleibende Schäden hinterlassen und sogar tödlich enden.

Erste Anzeichen von FSME

Nicht jede mit FSME infizierte Zecke überträgt den Erreger auch auf den Menschen. Ist es zu einer Übertragung gekommen, dauert es eine bis zwei – höchstens aber vier – Wochen, ehe Symptome auftreten. Diese Phase nennt sich Inkubationszeit.

Die ersten Symptome einer FSME sind mit denen einer Grippe zu vergleichen:

Bei neun von zehn Erkrankten treten entweder gar keine Symptome auf oder die Beschwerden dauern nur ein paar Tage an – die Infektion ist dann nach etwa einer Woche ausgestanden. Vor allem bei Kindern klingt sie meist ohne Komplikationen ab. 

Jeder zehnte Fall nimmt einen schweren Verlauf

Bei zehn Prozent der FSME-Patienten steigt das Fieber jedoch kurz darauf wieder an. In diesen Fällen kann das Virus in unterschiedlichen Bereichen des zentralen Nervensystems Beeinträchtigungen verursachen. Meist kommt es nun zu einer Meningitis (Hirnhautentzündung) oder einer Meningoenzephalitis (Hirnhaut- und Gehirnentzündung). 

In seltenen Fällen ist auch das Rückenmark betroffen. Dann spricht man von einer Meningoenzephalomyelitis. Eine isolierte Entzündung des Rückenmarks ist extrem selten.

Schwere Verläufe betreffen vor allem ältere Menschen.

Welche Symptome treten beim schweren Verlauf der FSME auf?

Manche Symptome einer Hirnhautentzündung sind eher diffus, dazu gehören Fieber, Kopfschmerzen und Übelkeit. Charakteristisch sind eine erhöhte Lichtempfindlichkeit und die Nackenstarre. Letztere ist typisch für Hirnhautentzündungen. Die Muskulatur des Nackens ist verspannt und schmerzt. Deshalb lässt sich das Kinn nicht auf die Brust senken. Eine Hirnhautentzündung, die durch das FSME-Virus verursacht wird, hat in der Regel stark ausgeprägte Symptome.

In Kombination mit einer Gehirnentzündung werden die Symptome noch schwerwiegender. Es kann zu Koordinations- und Lähmungserscheinungen sowie zu Zittern und Krampfanfällen kommen. Auch Hör- und Schluckbeschwerden sind möglich.

Ist zusätzlich das Rückenmark betroffen, fallen die Beschwerden noch gravierender aus. In diesem Fall kann es zu einer Lähmung der Muskulatur von Armen, Beinen, Hals und Gesicht kommen. Die ebenfalls mögliche Atemlähmung ist lebensgefährlich.

Wie erfolgt die Diagnose der Frühsommer-Meningoenzephalitis?

Erster Schritt bei der Diagnostik ist zunächst ein Anamnese-Gespräch mit dem Arzt, der abfragt, ob es einen Zeckenstich gab und ob eine FSME-Impfung vorliegt. In der Regel wird FSME mithilfe von Blutuntersuchungen diagnostiziert, denn neben verschiedenen Entzündungsparametern finden sich im Blut meist spezifische Antikörper gegen FSME. Ergänzend können auch eine Untersuchung der Rückenmarks- und Gehirnflüssigkeit erfolgen und bildgebende Verfahren eingesetzt werden.

Eine frühzeitige Diagnose von FSME ist von Vorteil, da eine rechtzeitig eingeleitete Behandlung dazu beitragen kann, Langzeitschäden zu verhindern.

Behandlung von FSME

Es gibt keine Medikamente, die die FSME-Viren bekämpfen. Das erschwert die Behandlung. Im Gegensatz zur Borreliose, die ebenfalls durch Zecken übertragen wird, ist FSME daher nicht medikamentös heilbar.

Die Therapie erfolgt lediglich symptomatisch. Neben Medikamenten wie Krampflösern und Schmerzmitteln empfehlen sich, je nach Ausprägung der Symptome, auch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Krankengymnastik oder Logopädie

Der behandelnde Arzt wird Betroffenen – ergänzend zu anderen Maßnahmen – zu strikter Bettruhe raten. In schweren Fällen kann sogar eine Behandlung auf der Intensivstation erforderlich sein.

Wie gefährlich ist FSME wirklich?

Ist die eigentliche Infektion überstanden, kann es in Einzelfällen zu Spätfolgen kommen. Manche klingen im Laufe von einigen Wochen oder Monaten ab, manche sind dauerhaft. Das können Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit, aber auch neurologische Probleme wie Sprachstörungen, Konzentrationsprobleme, Lähmungen und Anfallsleiden sein.

Das Sterberisiko bei einer Frühsommer-Meningoenzephalitis liegt im Durchschnitt bei etwa einem Prozent. Wenn Gehirn, Hirnhäute und Rückenmark gemeinsam betroffen sind, ist das Risiko mitunter deutlich höher.

Jede FSME-Infektion ist meldepflichtig. Spätestens 24 Stunden nach der Diagnose muss das Gesundheitsamt über die Erkrankung informiert werden.

Wie viele Zecken haben FSME?

Längst nicht jede Zecke überträgt das FSME-Virus. Zudem ist das Risiko, dass eine Zecke das FSME-Virus übertragen kann, in bestimmten Gegenden höher als in anderen – man spricht von FSME-Risikogebieten. Aber auch dort sind es laut Robert-Koch-Institut (RKI) lediglich eine bis fünfzig von eintausend Zecken. 

FSME-Risikogebiete: Welche Gebiete sind betroffen?

Das RKI bietet eine aktuelle Karte der FSME-Gebiete. In Deutschland sind vor allem Bayern und Baden-Württemberg sowie der Süden von Hessen und Thüringen betroffen, aber auch Teile anderer Bundesländer. 

Andere betroffene Länder in Europa sind beispielsweise Österreich, Polen, Dänemark, Schweden und Norwegen. Informieren Sie sich vor einem Urlaub, ob Ihr Reiseziel zu den Risikogebieten zählt.

Wie kann ich mich vor FSME schützen?

Um einer Übertragung von Krankheiten durch Zeckenstiche vorzubeugen, ist es ratsam, geeignete Maßnahmen zur Abwehr von Zecken zu ergreifen, insbesondere während der Zeckensaison im Zeitraum von März bis November. Wie Sie sich vor Zeckenstichen schützen können, erfahren Sie hier

Der einzige sichere Schutz ist jedoch eine FSME-Impfung, umgangssprachlich auch Zeckenimpfung genannt. Doch Achtung: Die Impfung beugt ausschließlich einer Frühsommer-Meningoenzephalitis vor. Es handelt sich nicht um eine Borreliose-Impfung! Gegen diese ebenfalls durch Zeckenstiche übertragbare Erkrankung ist der Impfstoff wirkungslos.

Auch wenn nur ein geringer Anteil aller Zecken tatsächlich FSME überträgt, ist die Impfung sinnvoll. Die Krankheit kann mitunter zum Tode führen und es gibt keinen Wirkstoff gegen den Erreger.

FSME-Impfung: Wann sollten Sie sich impfen lassen?

Die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt die Impfung gegen FSME allen Menschen, die in einem Risikogebiet leben und oft in der Natur sind. Dazu gehören neben Personen, die ihre Freizeit gern im Freien verbringen, auch Forstarbeiter und Angehörige ähnlicher Berufe.

Bei Bewohnern von Risikogebieten werden die Kosten für die FSME-Impfung von den Krankenkassen übernommen. Ausgenommen sind hier Personengruppen, die die Impfung aus beruflichen Gründen benötigen. Hier übernimmt der Arbeitgeber die Kosten.

Vor dem Urlaub in einem Risikogebiet sollten Sie sich von einem Reisemediziner beraten lassen. Falls Sie wegen einer privaten Reise eine Impfung benötigen, kann es sein, dass Sie die Kosten selbst tragen müssen. Sprechen Sie dies aber im Einzelfall mit Ihrer Krankenkasse ab.

Wie oft muss gegen FSME geimpft werden?

Um eine Grundimmunisierung zu erreichen, sind drei Impfungen notwendig. Das Impfschema ist abhängig vom verwendeten Impfstoff. In Deutschland werden die Impfstoffe FSME Immun® und Encepur® eingesetzt.

Um den vollen Schutz zu erreichen, wird die Impfung im Abstand von mehreren Monaten wiederholt. Bei Erwachsenen ergibt sich folgender Plan:

  1. Die erste Dosis wird verabreicht.
  2. Ein bis drei Monate später folgt die zweite Dosis.
  3. Die dritte Dosis wird fünf bis zwölf (FSME Immun®) beziehungsweise neun bis zwölf (Encepur®) Monate nach der zweiten verabreicht.

Wenn zeitnah ein Impfschutz erreicht werden soll, etwa weil kurzfristig eine Reise in ein Gebiet mit FSME-Verbreitung ansteht, können die einzelnen Dosen in kürzeren Abständen verabreicht werden.

Weil sie besonders häufig von Zecken gestochen werden, empfiehlt sich die FSME-Impfung für Kinder ganz besonders. Für sie wird ein spezieller Impfstoff verwendet. Kinder können ab der Vollendung des ersten Lebensjahres geimpft werden.

Wann sollte man mit der FSME-Impfung beginnen?

Grundsätzlich kann die erste Dosis der FSME-Impfung jederzeit verabreicht werden. Damit man aber bereits zu Beginn der Zeckensaison geschützt ist, ist es ratsam, die erste Spritze in den Wintermonaten zu verabreichen. 

Zwei Wochen nach der zweiten Impfdosis besteht bei den meisten Menschen bereits ein vorläufiger Schutz – die langfristige Schutzwirkung wird jedoch erst durch die dritte Impfung sichergestellt.

Wie oft muss man die Zeckenimpfung auffrischen?

Die erste Auffrischung sollte nach drei Jahren erfolgen, im Anschluss daran im Rhythmus von fünf Jahren. Menschen über sechzig Jahre hingegen sollten sich weiterhin alle drei Jahre gegen FSME impfen lassen.

Höchstwahrscheinlich ist man nach einer überstandenen Frühsommer-Meningoenzephalitis gegen den Erreger immun. Allerdings ist noch nicht ausreichend erforscht, ob diese Immunität tatsächlich lebenslang anhält. Daher sollten sich auch diese Personen impfen lassen, wenn sie zur Risikogruppe gehören.

Eine nachträgliche Impfung im Anschluss an den Biss einer mit FSME infizierten Zecke ist wirkungslos.

Mögliche Nebenwirkungen der FSME-Impfung

Alle Impfungen können lokale Reaktionen wie Schwellungen, Rötungen oder Schmerzen an der Einstichstelle verursachen. Das gilt auch für die FSME-Impfung.

Weitere Impfreaktionen, die in den ersten Tagen nach der Verabreichung auftreten können, sind diffuse Symptome wie erhöhte Temperatur, Fieber, Kopf- oder Muskelschmerzen, Magen-Darm-Probleme und ein allgemeines Krankheitsgefühl. In den meisten Fällen klingen diese Beschwerden nach kurzer Zeit von selbst ab.

In Einzelfällen kann die FSME-Impfung vor allem bei Erwachsenen schwere und dauerhafte Schädigungen des Nervensystems, insbesondere Lähmungen, zur Folge haben. 

Bei einer Allergie auf Hühnereiweiß sollte die FSME-Impfung nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken erfolgen.

Quellen und weitere Informationen

Aktualisiert: 24.05.2019 – Autor: Julia Heidorn

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