Jedes unklare Fieber nach Aufenthalt in Malariagebieten ist verdächtig

Etwa eintausend Malaria-Erkrankungen werden den Gesundheitsämtern in Deutschland jedes Jahr gemeldet. Nach den Entlassungsstatistiken der Krankenhäuser könnten es doppelt so viele Fälle sein. Damit ist die Malaria die weltweit wichtigste und gefährlichste Tropenerkrankung. Die gefährlichste Malariaform, die Malaria tropica, führt zu einem völlig unregelmäßigen oder auch zu einem kontinuierlichen Fieber. Da viele Patienten außerdem Kopf-, Glieder- oder Rückenschmerzen, manche auch Durchfall oder Husten haben, denken viele Erkrankte an eine Grippe oder einen Reisedurchfall.

Können deutsche Mücken Malaria übertragen?

Wie die Tropenmediziner um Prof. Dr. Thomas Löscher von der TU München berichten, werden die meisten Erkrankungen in den Tropen durch den Stich einer infizierten Anopheles-Mücke erworben. Ganz selten können die Mücken auch in Deutschland zustechen, etwa wenn sie mit dem Flugzeug oder im Gepäck eingereist sind. Eine Rarität ist die Übertragung durch einheimische Mücken. Sie müssen die Malaria-Parasiten zunächst bei einem infizierten Menschen erworben haben. Im Jahr 1997 wurden zwei derartige Fälle beschrieben, die jedoch absolute Ausnahmen sind.

Malaria manchmal als Grippe verkannt

Normalerweise infizieren sich die Patienten in Zentralafrika oder anderen Malaria-Gebieten. Vielfach erkranken sie erst nach der Rückkehr. Die alle drei (Malaria tertiana) oder vier Tage (Malaria quartana) auftretenden Fieberschübe sind keineswegs typisch. Die gefährlichste Malariaform, die Malaria tropica, führt zu einem völlig unregelmäßigen oder auch zu einem kontinuierlichen Fieber, wissen Löscher und Mitarbeiter zu berichten. Da viele Patienten außerdem Kopf-, Glieder- oder Rückenschmerzen, manche auch Durchfall oder Husten haben, denken viele Erkrankte an eine Grippe oder einen Reisedurchfall.

Frühe Diagnose is wichtig

Doch Experten wie Löscher warnen: "Jedes unklare Fieber nach Aufenthalt in Malariagebieten ist Malaria-verdächtig." Unerkannt kann die Malaria schnell zu Komplikationen mit Nierenversagen, Schocklunge oder Hirnbefall fortschreiten. Unbehandelt endet eine Tropica zu 20 Prozent, bei einem Hirnbefall fast immer tödlich. Diese Patienten müssen deshalb auf einer Intensivstation behandelt werden.

Die rechtzeitige Diagnose ist wichtig: Wenige Stunden entscheiden über Leben und Tod. Nicht selten müssen deshalb Blutproben per Taxi oder Boten in die nächste Tropenklinik transportiert werden. Dort wird die Diagnose unter dem Mikroskop gestellt: Durch Nachweis der Erreger in einem getrockneten Blutstropfen ("Dicker Tropfen"). Laut Löscher und Mitarbeitern ist diese Methode oft zuverlässiger als moderne Gen-Tests.

Malaria tropica erfordert einen Krankenhausaufenthalt

Malaria tertiana und quartana können ambulant behandelt werden. Bei der Tropica müssen die Patienten grundsätzlich ins Krankenhaus, bei komplizierten Fällen kommen sie zur Überwachung auf die Intensivstation. Die Ärzte sehen sich zunehmend mit resistenten Erregern konfrontiert. Mit Mefloquin, Atovaquon/Proguanil oder Artemether/Lumefantrin stehen jedoch wirksame Medikamenten zur Behandlung der unkomplizierten Tropica zur Verfügung. Bei komplizierten Fällen erfolgt eine Infusionsbehandlung mit Chinin. Wegen der gehäuften Resistenzen werden viele Malaria-Patienten auf die Stationen der Tropeninstitute verlegt.

Aktualisiert: 27.04.2017 - Autor: Medi-Netz

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