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Leptospirose

Frau mit Fieber infolge von Leptospirose © istockphoto, vadimguzhva

Die Leptospirose ist eine Erkrankung, die eigentlich bei Tieren vorkommt, aber auch auf den Menschen übertragen werden kann. Man spricht in solchen Fällen von einer Anthropozoonose. Leptospirose verläuft oft unbemerkt, doch die Krankheit ist nicht zu unterschätzen, denn sie kann innerhalb weniger Tage zum Tode führen. Woran man die Symptome erkennt und wie man einer Ansteckung vorbeugen kann, erklären wir hier.

Welcher Erreger verursacht Leptospirose?

Leptospirose wird von schraubenförmigen Bakterien, den sogenannten Spirochäten, ausgelöst. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Varianten des Erregers Leptospira interrogans, die allerdings nur durch Antigen-Antikörper-Reaktionen im Serum (Serovarianten) unterschieden werden können. Anhand der genetischen Verwandtschaft lassen sich die Leptospiren immerhin noch in 21 verschiedene Arten einteilen. Zur weiteren Familie der Spirochäten gehören unter anderem auch die Erreger der Syphillis.

Die Erkrankung tritt bei Menschen besonders häufig nach Naturkatastrophen in tropischen und subtropischen Ländern auf, denn die Erreger sind in Ratten und Mäusen zuhause und werden mit deren Kot und Urin ausgeschieden. In feucht-warmer Umgebung wie in Schlamm, Pfützen oder Brackwasser können die Spirochäten über Monate überleben.

Leptospirose: Wie erfolgt die Ansteckung?

Über kleinste Verletzungen in der Haut und an den Schleimhäuten dringen die Erreger in den Körper ein. Menschen können sich beim Schwimmen, Camping oder auch beim Bootfahren mit Leptospirose infizieren.

Aber auch Hundebesitzern hierzulande ist die Erkrankung bekannt: Um eine Infektion mit Leptospirose zu vermeiden, sollten Hunde nicht aus Pfützen trinken, denn in unseren gemäßigten Breitengraden tritt Leptospirose häufig im Frühjahr und Sommer auf. Die Erreger sind äußerst kälteempfindlich und können im Winter im Freien nicht überleben.

Leptospirose kann bei bestimmten Berufsgruppen wie Kanalarbeitern, Bauern, Laborpersonal oder Tierärzten gehäuft auftreten. In Deutschland wurden in den letzten Jahren bis zu 166 Erkrankungsfälle bei Menschen gemeldet, wobei von einer deutlich höheren Dunkelziffer ausgegangen wird.

Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist bisher nur in seltenen Fällen dokumentiert und gilt als sehr unwahrscheinlich.

Krankheitsverlauf in zwei Phasen

Wer an Leptospirose erkrankt, muss nicht unbedingt schwer krank werden. Insgesamt können die Symptome einer Leptospirose-Infektion sehr unterschiedlich sein. Ein milder Verlauf der Erkrankung ist genauso möglich wie das Eintreten des Todes innerhalb weniger Tage. Dazwischen sind unterschiedlichste Krankheitsverläufe möglich, bei der verschiedene Organe betroffen sein können.

Oft verläuft eine Leptospirose-Erkrankung in zwei Phasen:

In der ersten Phase (akute Phase) sind die Erreger im Blut nachweisbar und sorgen für hohes Fieber beim Patienten. Diese Phase dauert etwa eine Woche.

Nach einem vorläufigen Abklingen des Fiebers kommt es in der zweiten Phase (Immunphase) dann wiederum zu Fieberschüben, die allerdings nicht so hoch sind und nicht so lange andauern wie in der ersten Phase. In der zweiten Krankheitsphase können sich die Erreger in den unterschiedlichsten Organen festgesetzt haben und dort für Spätfolgen sorgen. Die meisten Komplikationen treten während dieser Phase auf.

Symptome und Formen von Leptospirose

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat eine Einteilung in vier Gruppen möglicher Krankheitsformen vorgenommen, die als weltweiter Standard gilt:

  1. Eine milde, grippeartige Form mit Fieber (39 bis 40 °C), Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen. Oft zeigen sich Symptome einer Bindehautentzündung.
  2. Weil-Krankheit (Morbus Weil): Diese Form der Leptospirose zeigt schwere Leber- und Nierenbeteiligung mit Gelbsucht, Nierenversagen, Blutungen und Herzmuskelentzündung mit Herzrhythmusstörungen.
  3. Meningitis seriöser Art oder Meningoenzephalitis (Hirnhautentzündung): Typische Anzeichen sind starke Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit oder Nackensteife.
  4. Blutungen im Bereich der Lunge mit respiratorischem Versagen: Solche Fälle wurden vor allem während größerer Epidemien und nur selten in Einzelfällen beobachtet.

Es wird davon ausgegangen, dass Leptospirose bei Menschen in über 90 Prozent der Fälle einen milden Verlauf nimmt.

Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich 7 bis 14 Tage (wobei 2 bis 30 Tage möglich sind).

Diagnose von Leptospirose

Um Leptospirose sicher zu diagnostizieren, müssen entweder die Erreger direkt (beispielsweise im Urin) nachgewiesen werden oder aber es werden Antikörper gegen den Erreger im Blut nachgewiesen.

Der Antikörpernachweis erfolgt mit der MAT-Reaktion (MAT = Mikroagglutinationstest), sie gilt als WHO-Standardmethode. Bei dem MAT werden die Seren der Patienten verdünnt und mit lebenden Leptospirenstämmen versetzt. Beim Vorhandensein von Antikörpern kommt es dann zu sichtbaren Verklumpungen der Leptospiren, die mikroskopisch beurteilt werden.

Weitere Untersuchungen stehen zur Verfügung, um Leptospirose gegen andere Erkrankungen abzugrenzen, die im Rahmen einer Differenzialdiagnose ausgeschlossen werden müssen. Dazu gehören unter anderem:

  • die echte Grippe
  • virusbedingte Gelbsucht
  • Malaria
  • Typhus
  • Gelbfieber
  • Dengue
  • Hantavirus
  • nicht-bakterielle Hirnentzündungen

Therapie: Wie wird Leptospirose behandelt?

Zur Behandlung von Leptospirose existiert derzeit keine einheitliche Leitlinie, jedoch gibt es dennoch übliche Verfahrensweisen. Wird die Krankheit frühzeitig erkannt, kann sie mit Antibiotika wie Doxycyclin, Penicillin, Ceftriaxon oder Cefotaxim gut behandelt werden.

Bei schweren Verlaufsformen wird mitunter Methylprednisolon eingesetzt. Wenn die Nieren angegriffen werden, muss unter Umständen eine Dialyse gemacht werden.

Wird Leptospirose direkt oder indirekt nachgewiesen, muss die Erkrankung dem Gesundheitsamt gemeldet werden (sie ist somit meldepflichtig).

Vorbeugung – was kann man tun?

Zur Vorbeugung gegen Leptospirose müssen Ratten und Mäuse bekämpft werden. Für Risikogruppen ist es zudem ratsam, durch entsprechende Schutzkleidung (zum Beispiel Handschuhe und Schutzbrille) dem Kontakt mit möglicherweise infizierten Tieren und Gewässern vorzubeugen.

In Frankreich steht ein aktiver Impfstoff für Menschen zur Verfügung, der jedoch in Deutschland nicht zugelassen ist.

Die Impfung des eigenen Hundes kann zudem dafür sorgen, dass sich Hundebesitzer nicht über ihren Hund mit Leptospirose infizieren. Hunde erhalten in der Regel mit der Grundimmunisierung einen Impfschutz, der mit der jährlichen Leptospirose-Impfung aufgefrischt wird.

Quellen und weitere Informationen

Robert Koch Institut: RKI Ratgeber Leptospirose

Aktualisiert: 04.12.2018 – Autor: Susanne Köhler; überarbeitet: Silke Hamann

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