MRSA: Multiresistenter Keim aus dem Krankenhaus

MRSA-Bakterien in Petrischale
© Getty Images/Rodolfo Parulan Jr.

MRSA hat in den vergangenen Jahrzehnten als Krankenhauskeim an Bedeutung gewonnen. Die widerstandsfähigen Bakterien können schwere Infektionen auslösen. Das Problem: MRSA ist gegen viele Antibiotika unempfindlich (multiresistent), eine Behandlung daher schwierig. Aber wie wird man den Keim wieder los? Was ist MRSA eigentlich genau? Was sind die Symptome einer Infektion mit MRSA und welche Therapie gibt es? Das und mehr erfahren Sie hier.

Definition und Bedeutung: Was ist MRSA?

MRSA ist die Abkürzung für "Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus". Staphylococcus aureus (S. aureus) gehört zu den Bakterien. Der zu den Staphylokokken gehörende Keim besiedelt den menschlichen Körper und ist Bestandteil der natürlichen Flora von Haut und Schleimhaut – auch bei gesunden Menschen. MRSA weist im Gegensatz zu anderen Vertretern von S. aureus eine Besonderheit auf: Er ist unempfindlich (resistent) gegen Methicillin, ein β-Laktam-Antibiotikum. Zu dieser Gruppe von Antibiotika gehört auch Penicillin.

Die Resistenz gegen Methicillin, die MRSA seinen Namen gab, entwickelte sich vor ungefähr 50 Jahren durch die Verwendung des Antibiotikums Methicillin in Krankenhäusern. Inzwischen weiß man, dass MRSA nicht nur gegen β-Laktame resistent sein kann, sondern auch gegen andere Antibiotikaklassen, wie Tetrazykline, Chinolone, Sulfonamide oder Aminoglykoside. Daher werden MRSA auch häufig als "multiresistente Staphylococcus aureus" bezeichnet, was aber genau genommen nicht ganz richtig ist und nicht der Bedeutung der Abkürzung entspricht.

Nach einer anfänglich starken Zunahme von MRSA-Infektionen im Krankenhaus nimmt der Anteil der resistenten Keime in den letzten Jahren stetig ab. Die Resistenz gegen viele gängige Antibiotika stellt trotzdem bis heute ein Problem für die Therapie von Infektionen mit diesem Krankenhauskeim dar.

Wo kommt MRSA vor?

Überall dort, wo häufig Antibiotika eingesetzt werden, kommt MRSA vor. Das ist vor allem in Krankenhäusern der Fall. Aber auch außerhalb des Krankenhauses ist MRSA unter der Bevölkerung zu finden. Denn der Erreger ist ansteckend und kann durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch, beispielsweise über die Hände, übertragen werden. Verunreinigte Gegenstände wie Türklinken, Handläufe oder Handtücher können ebenfalls Übertragungswege darstellen. Auch landwirtschaftliche Nutztiere, wie Schweine, Kälber oder Geflügel, können von MRSA besiedelt sein und die Bakterien an den Menschen weitergeben.

MRSA siedelt sich nach der Übertragung auf der Körperoberfläche an, in erster Linie im Nasenvorhof, aber auch in den Achselhöhlen, der Leistengegend oder zwischen den Zehen. Überall dort, wo es warm und feucht ist, findet das Bakterium die besten Lebensbedingungen.

Wie infiziert man sich mit MRSA?

Ist ein Mensch mit MRSA besiedelt, ist er also ein sogenannter MRSA-Träger, heißt das nicht unmittelbar, dass er auch krank wird. Es ist wichtig, zwischen einer Besiedelung (Kolonisation) und einer Infektion mit MRSA zu unterscheiden. In beiden Fällen können betroffene Personen jedoch ansteckend sein.

Besiedelung mit MRSA

Gesunde Menschen mit einer gut funktionierenden köpereigenen Abwehr können MRSA auf der Haut tragen, ohne es zu wissen. Und sie werden davon in der Regel auch nicht krank. MRSA gehören bei diesen Menschen zur normalen Hautflora. Erst wenn die Bakterien über eine Hautwunde, beispielsweise durch eine Operation, oder über die Atem- oder Harnwege in den Körper gelangen und die Bedingungen für eine Ausbreitung der Bakterien günstig sind, besteht die Gefahr einer Infektion.

Infektion mit MRSA

Manche Menschen, vor allem ältere und solche mit einem geschwächten Immunsystem, tragen ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit MRSA und gelten daher als Risikopatient*innen. Zu den Risikofaktoren zählen:

  • Besiedelung mit MRSA, auch in der Vergangenheit
  • Krankenhausaufenthalt, insbesondere auf Intensivstationen
  • Pflegebedürftigkeit und Aufenthalt im Seniorenheim
  • Behandlung mit Antibiotika in den letzten 6 Monaten
  • Harnblasenkatheter oder Gelenkersatz
  • Dialysepflicht
  • chronische Wunden wie diabetischer Fuß oder Dekubitus
  • Brandverletzungen

Um eine Ansteckung mit MRSA und eine mögliche Infektion von gefährdeten Personen zu vermeiden, sollten diese vor einer Besiedelung mit MRSA geschützt werden. Das gelingt am besten durch geeignete Hygienemaßnahmen, allen voran gründliches Händewaschen.

Im Krankenhaus werden infizierte Personen bis zu einer erfolgreichen Behandlung isoliert. Dabei gelten nicht nur für das medizinische Personal besondere Hygienemaßnahmen, sondern auch für Angehörige der Patient*innen. Neben der Handhygiene gehören dazu etwa das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und eines Schutzkittels sowie die regelmäßige Desinfektion der Umgebung.

MRSA-Infektion: Symptome und Krankheiten

Gelangt MRSA in den Körper, kann sich eine Infektion durch unterschiedliche Krankheiten und Symptome bemerkbar machen. Das ist abhängig davon, wie und wo der Erreger in den Körper eindringen konnte. Mögliche Anzeichen für eine Infektion mit MRSA sind:

Schwere Verläufe sind unter anderem bei immungeschwächten Menschen möglich, etwa bei Babys oder älteren Menschen.

Die Inkubationszeit, das heißt die Zeit vom Kontakt mit dem Erreger bis zum Ausbruch der Krankheit, beträgt bei MRSA zwischen drei und zehn Tagen. Bleiben MRSA-Infektionen unbehandelt, können sie schlimmstenfalls lebensbedrohlich werden.

Wie kann man MRSA nachweisen?

Um MRSA bei einem*einer Träger*in auf der Körperoberfläche nachzuweisen, wird zunächst mithilfe eines Wattestäbchens ein Abstrich von der Haut oder Schleimhaut genommen. Dies kann in der Nase, im Rachen, in den Achseln oder der Leiste geschehen.

Liegt der Verdacht auf eine Infektion im Körper mit MRSA vor, können Körperflüssigkeiten wie Urin, Blut oder Eiter auf den Keim hin untersucht werden. Die Proben werden für eine diagnostische Untersuchung weiterverwendet. Dabei stehen grundsätzlich zwei verschiedene Methoden zur Verfügung.

Mikrobiologische Kultur

In der mikrobiologischen Kultur wird das Probenmaterial in ein geeignetes Nährmedium gegeben, um die vorhandenen Bakterien zu vermehren. Diese können anschließend untersucht und bestimmt werden. Der Nachteil dieser Methode: Bis das Ergebnis der Untersuchung feststeht, vergehen in der der Regel zwei bis drei Tage.

Molekulargenetische Untersuchung

Der Nachweis von MRSA erfolgt mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion). Hierbei wird das genetische Material des Keims, bei MRSA ist dies die DNA, nachgewiesen. Dieser Test geht sehr schnell. Nach bis zu drei Stunden liegt ein Ergebnis vor. Häufig angewendet und allseits bekannt wurde diese Art der Nachweismethode durch die Corona-Pandemie und die SARS-CoV-2-PCR-Tests.

Was bedeutet MRSA-Screening?

Insbesondere Menschen mit hohem Risiko für eine Infektion mit MRSA sollten vor einem geplanten Krankenhausaufenthalt auf MRSA getestet werden. Dieses Vorgehen wird MRSA-Screening genannt. Es dient dazu, eine Besiedelung mit MRSA frühzeitig aufzudecken und die Keime mit geeigneten Maßnahmen zu beseitigen. So soll einer Infektion, beispielsweise durch eine Operation, vorgebeugt werden. Wird MRSA bei einem solchen Screening nachgewiesen, gilt eine Person als MRSA-positiv. Wenn dies der Fall ist, dann sollte sich eine MRSA-Sanierung anschließen.

Was ist eine MRSA-Sanierung?

Die MRSA-Sanierung (auch: Dekolonisierung) dient der Entfernung der MRSA von der Haut und den Schleimhäuten. Bei einer solchen Sanierung handelt es sich beispielsweise um Ganzkörperwaschungen, die Anwendung einer Nasensalbe und um Mundspülungen mit antiseptischen (desinfizierenden) Wirkstoffen. So werden die Keime auf der Haut reduziert und schließlich abgetötet.

Die Art der Behandlung richtet sich danach, wo MRSA vorkommt. Folgende Maßnahmen zur Dekolonisierung stehen beispielsweise zur Verfügung:

  • Nasenraum: Mupirocin-Nasensalbe (Mupirocin ist ein Antibiotikum)
  • Rachen: desinfizierende Mund- und Rachenspülung
  • Haut: Hautwaschungen, einschließlich der Haare, mit antiseptischen Seifen, Shampoos oder Waschlotionen

Während der Behandlung werden in der Umgebung der betroffenen Person täglich Wäsche und Gegenstände gewechselt und gewaschen, wenn diese mit der Haut in Berührung gekommen sind. Frühestens drei Tage nach der Behandlung wird durch einen Abstrich kontrolliert, ob MRSA erfolgreich entfernt wurde. Weitere Kontrollen erfolgen innerhalb der nächsten zwölf Monate, um eine Wiederbesiedelung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

MRSA: Behandlung

Eine Behandlung von MRSA mit Medikamenten wird notwendig, wenn eine Infektion mit MRSA im Körper vorliegt. Obwohl MRSA oft gegen zahlreiche Antibiotika resistent ist, gibt es sogenannte Reserveantibiotika, die eingesetzt werden können.

Bevor mit der Therapie begonnen wird, wird ein sogenanntes Antibiogramm des MRSA-Keims erstellt. Dabei kann festgestellt werden, gegen welche Antibiotika der Erreger resistent ist und welche Wirkstoffe sehr wahrscheinlich wirksam sind.

Auf Grundlage des Antibiogramms und der Erfahrung der*des behandelnden Ärztin*Arztes kann eine Kombination verschiedener Reserveantibiotika ausgewählt werden. Hierzu zählt beispielsweise ein Glykopeptid-Antibiotikum, das gemeinsam mit Rifampicin, Clindamycin oder Gentamicin verabreicht wird, sowie Fosfomycin und Fusidinsäure. Weitere Wirkstoffe, die eingesetzt werden können, sind Linezolid, Tigecyclin, Cotrimoxazol und Daptomycin.

Da MRSA gegen Wirkstoffe aus der Gruppe der ß-Laktame resistent ist, eignen sich diese Antibiotika nicht für eine Therapie.

Ende des Jahres 2021 wurde eine Studie veröffentlicht, in der über die Entdeckung einer neuen Gruppe von Molekülen namens THCz berichtet wurde. Diese scheinen eine antibakterielle Wirkung gegen viele resistente Bakterien zu haben, darunter MRSA. Die Ergebnisse lassen hoffen, in Zukunft neue, wirksame Medikamente entwickeln zu können, um den zunehmenden Resistenzen gegen bekannte Antibiotika zu begegnen.

Weitere Eigenschaften von MRSA

MRSA weisen neben der Resistenz gegen verschiedene Antibiotika weitere Eigenschaften auf, die es ihnen ermöglichen, der Immunabwehr des Körpers zu entgehen und Infektionen auszulösen. Diese Eigenschaften besitzen alle Vertreter von Staphylococcus aureus. Sie werden auch als Pathogenitätsfaktoren bezeichnet. Hierzu gehören beispielsweise:

  • Eine Hülle aus bestimmten Zuckerbausteinen, die Polysaccharidkapsel. Darin befindet sich ein Eiweiß namens Protein A. Damit schützen sich die Bakterien davor, von bestimmten Zellen des Immunsystems (Makrophagen oder Fresszellen) gefressen zu werden (Phagozytose).
  • Bestimmte Eiweißmoleküle auf der Oberfläche (Fibronektin-bindende Proteine) ermöglichen es MRSA, in Körperzellen einzudringen. Dort können sie sich vor Angriffen von Immunzellen verstecken.
  • Weitere Moleküle auf der Oberfläche der Bakterienzellen, wie die Proteine Koagulase und Clumping- Faktor, tragen dazu bei, dass MRSA nicht von Antikörpern erkannt wird.
  • Die von MRSA produzierten Enzyme Hyaluronidase, DNAse und Lipase können Zellen und Gewebe des Köpers schädigen.

Außerdem kann S. aureus Toxine (Giftstoffe) produzieren, die zu verschiedenen Erkrankungen führen können, darunter Lebensmittelvergiftungen oder das Toxische Schock-Syndrom (TSS).

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
U80.00!

Quellen

Aktualisiert: 31.05.2022
Autor*in: Dr. rer. nat. Isabel Siegel, Diplom-Biologin und Medizinautorin

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