Karpaltunnelsyndrom – Symptome und Behandlung

Frau hält schmerzende Hand mit Karpaltunnelsyndrom
© Getty Images/Pikusisi-Studio

Wird der durch Hand und Arm verlaufende Mittelnerv im Karpaltunnel eingeklemmt, kommt es zu Symptomen wie schmerzenden und einschlafenden Händen. Das Karpaltunnelsyndrom ist das häufigste Kompressionssyndrom eines peripheren Nervs: Etwa einer von zehn Menschen erleidet in seinem Leben die typischen Beschwerden. Was tun, wenn die Hand immer einschläft? Die wirksamste Therapie ist die OP, wobei sie nicht in allen Fällen zur Behandlung geeignet ist. Auch Übungen, Schienen und der Einsatz von Kortison können helfen, die Beschwerden zu lindern. Lesen Sie hier mehr über die Hintergründe des Karpaltunnelsyndroms und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Was ist das Karpaltunnelsyndrom?

Der Karpaltunnel – auch als Karpalkanal bezeichnet – befindet sich in der Handinnenfläche, etwa auf Höhe der Handwurzelknochen. Durch diesen Kanal verläuft der Mittelnerv (Nervus Medianus), welcher unter anderem für die Muskelbewegung und den Tastsinn der Hand, insbesondere des Zeige- und Mittelfingers, verantwortlich ist. Neben dem Nervus Medianus verlaufen auch die neun Beugesehnen der Finger durch den Karpaltunnel.

Der Karpalkanal ist also eine Engstelle, in der vergleichsweise wenig Platz zur Verfügung steht. Verengt sich dieser Kanal, etwa durch eine Schwellung, wird mehr Druck auf den Nerven ausgeübt. Durch diese Kompression des Nervus Medianus entstehen Schmerzen, Gefühlsstörungen und Missempfindungen, in späteren Stadien kommt es zudem auch zum Abbau der Daumenmuskulatur. Dies wird als Karpaltunnelsyndrom (KTS) bezeichnet.

Karpaltunnelsyndrom: Illustration des Karpaltunnels an der Hand (Infografik)

Karpaltunnelsyndrom – © Getty Images/Ozgu Arslan

Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es?

In den meisten Fällen ist die Ursache des Karpaltunnelsyndroms unbekannt (idiopathisch). Frauen sind etwa dreimal so häufig betroffen wie Männer, Kinder erkranken nur sehr selten daran. In der Regel tritt das Syndrom an beiden Händen auf. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass es zunächst nur eine Hand betrifft und sich im späteren Verlauf auch auf der anderen Seite ausbildet.

Es existieren einige Risikofaktoren, die ein Karpaltunnelsyndrom wahrscheinlicher machen:

Was sind die Symptome eines Karpaltunnelsyndroms?

Das typische Symptom bei einem Karpaltunnelsyndrom ist das schmerzhafte Einschlafen der Hände, besonders nachts. Diese Schmerzen werden als nadelstichartig empfunden und können auch bei gewissen Handhaltungen, zum Beispiel beim Telefonieren, hervorgerufen werden. Auch ein Taubheitsgefühl und Kribbeln können mit dem "Einschlafen" der Hand einhergehen. Im Frühstadium der Erkrankung bessern sich die Beschwerden durch "Ausschütteln" der Hand.

Ist die Krankheit weiter fortgeschritten, berichten Betroffene von weiteren Symptomen:

  • anhaltende Gefühlsminderung in den Fingern, insbesondere dem Zeigefinger und Mittelfinger
  • die Schmerzen können nun auch bis in den Arm hochwandern, selten bis zur Schulter
  • Rückbildung der seitlichen Daumenballenmuskulatur (Daumenballen sichtbar verflacht)
  • Verlust der Feinmotorik
  • Kraftverlust in der Hand

Diagnose: Wie macht sich ein Karpaltunnelsyndrom bemerkbar?

Der wichtigste Anhaltspunkt für die Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms sind die nächtlichen Schmerzen. Doch zu welchem*welcher Arzt*Ärztin sollte man zunächst gehen? Die erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Anhand der Anamnese (Gespräch über die medizinische Vorgeschichte) und der typischen Symptome lässt sich die Verdachtsdiagnose eines Karpaltunnelsyndroms stellen.

Um den Verdacht weiter zu bestätigen, werden einige Tests durchgeführt. Zum Beispiel kann man durch gezielten Druck auf den Karpaltunnel die blitzartig auftretenden, wie elektrisch einschießenden Schmerzen provozieren. Führt das Beklopfen der Beugeregion unterhalb des Handgelenks zu solchen elektrisierenden Schmerzen und Missempfindungen, ist das sogenannte Hoffmann-Tinel-Zeichen positiv.

Eine weitere Möglichkeit bei Verdacht auf ein Karpaltunnelsyndrom ist ein Selbsttest, den man in Fachkreisen auch Phalen-Zeichen nennt. Dafür werden die Patient*innen gebeten, jeweils für eine Minute die beiden Hände fest aneinander zu pressen. In der ersten Minute zeigen die Fingerspitzen nach unten und man drückt die Handaußenflächen aneinander. In der zweiten Minute ist es umgekehrt: Jetzt werden die Handinnenflächen aufeinandergepresst und die Fingerspitzen zeigen nach oben. Die zweite Position ähnelt einer Gebetshaltung.

Der Nervus Medianus ist auf der Handinnenfläche für die Reizweiterleitung sensibler Anteile des Daumens, des kompletten Zeige- und Mittelfingers sowie Anteilen des Ringfingers verantwortlich. Treten beim Phalen-Zeichen nach einer Minute Missempfindungen, also Schmerzen oder Taubheitsgefühle, in diesen Fingern auf, ist das Phalen-Zeichen positiv.

Wer stellt die Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms?

Steht die Verdachtsdiagnose eines Karpaltunnelsyndroms, sollte zunächst eine Überweisung an eine*n Neurologin*Neurologen erfolgen. Dort kann die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen werden. Nur durch eine Messung der elektrischen Nervenleitung und Bestimmung der Grenzwerte kann man sicher den Ort und die Schwere des Nervenschadens bestimmen.

Wichtig ist es zudem, andere Krankheitsbilder auszuschließen. Die häufigste Differentialdiagnose ist ein Bandscheibenschaden in der Halswirbelsäule. Auch hier kann es zu den gleichen Symptomen kommen. Da aber die Schädigung des Nervs an einer anderen Stelle liegt, kann man mittels der Nervenleitgeschwindigkeit diese Differentialdiagnose ausschließen.

Welche Therapien existieren beim Karpaltunnelsyndrom?

Nicht jedes festgestellte Karpaltunnelsyndrom erfordert eine Behandlung. Einige Betroffene haben nur gelegentliche oder geringe Beschwerden. Sind dazu noch die neurologischen Messwerte normal, kann erst mal abgewartet werden.

Nehmen die Beschwerden zu, stehen verschiedene Therapien zur Auswahl. Zunächst einmal unterscheidet man zwischen den konservativen und den operativen Therapien.

Konservativ lässt sich das Karpaltunnelsyndrom auf folgende Arten behandeln:

  • Tragen einer nächtlichen Schiene zur Ruhigstellung des Handgelenks: Die spezielle Armschiene für das Karpaltunnelsyndrom entlastet den Nervus Medianus und kann ärztlich verschrieben werden
  • Injektion eines Kortisonpräparats in das Handgelenk
  • Gabe von Kortison als Tabletten für 14 Tage
  • kurzfristige Gabe von Schmerzmedikamenten wie Ibuprofen

Eine Low-Level-Lasertherapie kann gemäß der aktuellen Leitlinie in Betracht gezogen werden. Zur Unterstützung der Behandlung bei leichten Beschwerden verwenden Physiotherapeut*innen als Alternative zur Schiene mitunter spezielles Kinesio-Tape, um das Handgelenk durch Tapen ruhigzustellen. Hausmittel oder freiverkäufliche Salben zur Schmerzlinderungen zeigen beim Karpaltunnelsyndrom oftmals keine Wirkung. Die Wirksamkeit der extrakorporalen Stoßwellentherapie (ESWT) ist umstritten.

Was kann ich selbst tun bei einem Karpaltunnelsyndrom?

In frühen Stadien kann man versuchen, mittels Dehnübungen die Schmerzen etwas zu lindern. Hierfür gibt es einige Anleitungen im Internet. Diese Übungen kann man zusätzlich zur normalen Therapie ausprobieren.

Derzeit gibt es aber noch keine Daten, die beweisen, dass Dehnübungen oder Faszienrollen effektiv helfen. Dennoch können Betroffene diese Maßnahmen selbst ausprobieren, und testen, ob ihnen dieser Ansatz hilft.

Ab wann wird ein Karpaltunnelsyndrom operiert?

Ist die konservative Behandlung erfolglos oder das Karpaltunnelsyndrom befindet sich in einem fortgeschrittenen Stadium, ist eine Operation ratsam. Darauf spezialisiert sind Fachleute aus dem Bereich der Handchirurgie.

Es existieren zwei Operationstechniken: Einerseits die offene OP und andererseits die endoskopische OP nach dem sogenannten Schlüssellochverfahren. Beide Formen des Eingriffs werden in der Regel mit örtlicher Betäubung oder unter einer kurzen Narkose durchgeführt. Mithilfe eines kleinen Messers wird das Band (Retinaculum flexorum, Karpalband) durchtrennt, welches das "Dach" des Karpaltunnels bildet. Dadurch wird wieder mehr Platz geschaffen und der Druck auf den Nerven schwindet.

Wie lange dauert die Genesung nach einer OP?

Bei diesem Eingriff können Betroffene meistens am nächsten Tag schon die Finger zur Faust schließen und nach zwei bis drei Wochen ist die Hand für die meisten Tätigkeiten wieder einsetzbar.

Je nach Beruf ist man drei bis vier Wochen arbeitsunfähig. Bei körperlich anspruchsvollen Berufen, wie der Fließbandarbeit, kann es auch schon mal länger dauern, da man die Hand nicht zu früh belasten sollte.

Die Schmerzen sind in der Regel nicht plötzlich weg, sondern klingen innerhalb von Tagen bis Wochen aus. Wichtig ist es, die Wunde nach der OP ärztlich kontrollieren zu lassen und keine einschnürenden Verbände anzulegen.

Die Heilungsdauer hängt von einigen Faktoren, wie dem Alter und dem generellen Gesundheitsstatus, ab. Da es sich um einen kleinen Eingriff handelt, kann man mit zwei bis drei Wochen rechnen. Die Erfolgsaussichten bei der Operation sind sehr gut: Wurde der Eingriff korrekt durchgeführt, ist die Wahrscheinlichkeit eines Wiederauftretens des Karpaltunnelsyndroms sehr gering.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
G56.0

Quellen

Aktualisiert: 18.05.2022
Autor*in: Yannis Diener, Student der Humanmedizin

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