Karpaltunnelsyndrom – Diagnose und Therapie

Wie erkennt man ein Karpaltunnelsyndrom?

Bei den typischen Beschwerden Kribbeln, Schmerzen und nachlassende Muskelkraft werden mehrere Tests durchgeführt, die das Karpaltunnelsyndrom von anderen Nervenschäden unterscheiden lässt. Von einem positiven Hoffmann-Tinel-Zeichen spricht man, wenn das Beklopfen der Beugeregion unterhalb des Handgelenks zu elektrisierenden Schmerzen führt. Das Phalen-Zeichen ist positiv, wenn eine stärkere Beugung im Handgelenk über 60 Sekunden zu einem Kribbeln und Schmerzen in den ersten drei Fingern führt. Im Röntgenbild werden knöcherne Veränderungen der Handwurzel sichtbar, die möglicherweise den Karpaltunnel verengen.

Nervenleitgeschwindigkeit messen

Daneben kann die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen werden; beim Karpaltunnelsyndrom sind die Messwerte des peripher gelegenen Medianus typischerweise im Vergleich zur Gegenseite und zu anderen Nerven verändert.

Aber auch andere Erkrankungen können zu Schmerzen, Kribbeln und nachlassender Muskelkraft oder Gefühlsausfällen führen: Wenn es im Bereich der Halswirbelsäule zu degenerativen knöchernen Veränderungen kommt, die die Nervenwurzeln, vor allem die Nervenwurzel C6/C7, einengen, dann können ähnliche Symptome auftreten. Allerdings sind dabei häufig auch die anderen Armnerven betroffen und die Symptome beschränken sich nicht nur auf Daumen, Zeige- und Mittelfinger und Handinnenfläche.

Beim Ulnarisrinnensyndrom (Sulcus-ulnaris-Syndron) wird nicht der Medianus, sondern der Nervus ulnaris geschädigt. Er verläuft innen am Ellenbogen in der Nähe des Knochens und schmerzt, wenn man sich den "Musikantenknochen stößt". Wenn man häufig mit aufgestützten Ellenbogen am Tisch sitzt oder viel mit aufliegendem Unterarm schreibt, kann es zu einer Nervenreizung kommen. Dabei ist anders als beim Medianus vermehrt der Kleinfingerbereich betroffen.

Was kann man gegen ein Karpaltunnelsyndrom tun?

Leider sind keine Maßnahmen bekannt, die der Entstehung eines Karpaltunnelsyndroms aktiv entgegenwirken oder vorbeugen. Im Frühstadium, wenn die Beschwerden erst kurze Zeit bestehen, kann eine konservative Behandlung versucht werden. Mit einer Schiene wird nachts eine Ruhigstellung des Handgelenks erreicht, die Enge des Karpaltunnels wird dann nicht durch unbewusste Handbeugungen während des Schlafs weiter verengt. Auch Kortisoninjektionen in den Karpaltunnel sind möglich – dabei kann es allerdings zu einer Nervenverletzung kommen.

Bei länger bestehenden Beschwerden wird die Enge des Karpaltunnels operativ behoben. Während der Operation, die inzwischen in örtlicher Betäubung von vielen niedergelassenen Handchirurgen angeboten wird, wird das Retinaculum flexorum gespalten und so der Raum für Sehnen und Nerven erweitert. Die OP wird als offene und endoskopische Variante angeboten, dabei ist die Gefahr einer Nervenverletzung bei der endoskopische Variante geringfügig größer, allerdings ist die Narbe wesentlich kleiner.

Nach der OP wird schnell mit Bewegungsübungen begonnen, schwerere Arbeiten mit der Hand sind frühestens nach sechs Wochen erlaubt. Der Nerv erholt sich langsam wieder, innerhalb eines Monat regenerieren die Nervenfasern um ca. 10 Millimeter. Die Beschwerden gehen im Laufe von Monaten zurück – selbst nach einem halben Jahr kann noch eine Verbesserung auftreten.

Aktualisiert: 29.06.2017 – Autor: Nathalie Blanck

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