Hallux valgus (Ballenzeh)

Hallux valgus (Ballenzeh) am linken Fuß © istockphoto, luaeva

Hallux valgus - die im Volksmund auch als Ballenzeh bezeichnete Fehlstellung der Großzehe - ist eine der häufigsten Fußerkrankungen der westlichen Welt, die sich oft schon im Kindesalter durch das Tragen von zu engem oder kleinem Schuhwerk entwickelt. Wie entsteht ein Hallux valgus und welche Symptome zeigt er?

Was ist ein Hallux valgus?

Hallux valgus ist der medizinische Fachausdruck für eine häufige Fehlstellung der Großzehe, bei der die Zehe aus dem Zehengrundgelenk – das ist das Gelenk, das die Zehe mit dem Fuß verbindet – nach außen in Richtung Fußinnenkante geschoben wird. Dadurch entsteht auf der Innenseite des Fußes über dem Gelenk als Gelenkausstülpung ein Schleimbeutel - diese zunehmende Beule wird im Volksmund mit dem Ausdruck Ballenzeh oder Beulenfuß bezeichnet. Die Großzehe schiebt sich dabei mit ihrer knöchernen Basis im Gelenk nach außen und vollzieht dabei eine leichte Drehung.

Wie entsteht ein Hallux valgus?

Neben einer anlagebedingten, vererbbaren Bindegewebsschwäche ist die häufigste Ursache für die Entstehung eines Hallux valgus das Tragen von falschem Schuhwerk, das den Fuß im Vorfußbereich einengt, so zu einer eher dreieckigen Fußform im Zehenspitzenbereich führt und die zehennahen Fußknochen auseinanderdrückt. Wenn der Schuh dazu noch einen Absatz hat, verlagert sich dadurch das Gewicht des Fußes auf den Vorfuß, so dass die normale Fußquerwölbung im Vorfußbereich einbricht und ein Spreizfuß entsteht.

Enges Schuhwerk mit Absatz wird in unserer westlichen Gesellschaft eher von Frauen als von Männern getragen, mit der Folge, dass nur 10 Prozent aller Erkrankungen bei Männern auftreten - auch das schwächere weibliche Bindegewebe trägt eine gewisse Mitschuld. In Ländern, in denen Frauen barfuß laufen oder fußgerechte Sandalen tragen, kommt der Hallux valgus so gut wie nicht vor. Auch das Tragen von zu engen oder zu kleinen Strümpfen fördert die Entwicklung eines Spreizfußes und eines Hallux valgus, da die normale Fußhaltung so dauerhaft unterdrückt wird.

Die chronische Fehlstellung der Fuß- und Zehenknochen zueinander führt dazu, dass wichtige Muskelsehnen der Zehenmuskulatur von ihrem anatomisch korrekten Platz verdrängt werden, die Großzehe nicht mehr an die anderen Zehen herangezogen werden kann und sich die Entwicklung von Spreizfuß und Hallux valgus beschleunigt.

Wie äußert sich ein Hallux valgus?

Der Hallux valgus kann außer der ästhetisch unschönen Beule keine Probleme bereiten – die Fehlstellung der Großzehe im Gelenk führt aber oft zu einer fortschreitenden Knorpelabnutzung und dann zu Schmerzen bei Bewegung. Außerdem entsteht mit fortschreitender Erkrankung zunehmend ein Platzproblem im Schuh: Im Bereich des Großzehballens wird der zur Verfügung stehende Raum immer enger, der Schuh drückt und reibt an dem Ballen, so dass eine Schleimbeutelentzündung entstehen kann.

Entzündung, Schwellung und Knorpelschaden führen dann zu Schmerzen bei jeder Belastung des Fußes: Gehen, Laufen und selbst einfache Zehenbewegungen in der Luft sind unangenehm. Größe und Fehlstellung des Hallux valgus lassen übrigens keinen Rückschluss auf Stärke der Beschwerden zu - selbst ein ausgeprägter Ballen bleibt manchmal beschwerdefrei.

Wie erkennt man einen Hallux valgus?

Die Vorwölbung und Ausbeulung des Großzehenballens ist mit bloßem Auge erkennbar. Oft bildet sich über dem mechanisch beanspruchten Ballen eine Hornhautschwiele, eine Entzündung des Schleimbeutels reagiert auf Druck schmerzhaft.

Das Röntgenbild zeigt neben dem Grad der Fehlstellung der Zehenknochen (im Verhältnis zu den Mittelfußknochen) auch den Zustand des Gelenks an: Inwieweit ist der Knorpel im Zehengrundgelenk geschädigt und wie stark haben sich knöcherne Randanbauten gebildet? Je nach Befund wird der behandelnde Arzt die Behandlungsmethode aussuchen, die bei den vorliegenden Beschwerden und radiologischem Befund am erfolgversprechendsten ist.

Aktualisiert: 18.10.2016 – Autor: Nathalie Blanck

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