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Wie man Hüftschmerzen richtig deutet

Mann mit starken Hüftschmerzen © istockphoto, seb_ra

Schmerzen in der Hüfte werden gerade bei älteren Personen oft vorschnell einer Hüftarthrose zugeschrieben. Doch für Hüftschmerzen kann es eine Vielzahl verschiedener Ursachen geben. Erfahren Sie hier, wie Sie Schmerzen in der Hüfte richtig deuten und was Sie dagegen tun können.

Ursache von Hüftschmerzen teils schwierig festzustellen

Wenn Schmerzen in der Hüfte auftreten, verursacht nicht immer das Hüftgelenk selbst die Schmerzen – nicht selten gehen die Hüftschmerzen von Sehnen, Muskeln oder anderen Gelenken in der Hüftgegend aus.

Umgekehrt strahlen Schmerzen bei Erkrankungen des Hüftgelenks häufig in Rücken, Leiste und Bein aus. Zudem können generalisierte Krankheiten des Skelettsystems – etwa rheumatische Erkrankungen – unter anderem Beschwerden in der Hüfte verursachen.

Um dem Arzt die Diagnose zu erleichtern, ist es daher wichtig, die Hüftschmerzen bezüglich Art, Auftreten und Dauer genau zu charakterisieren. Treten die Schmerzen beispielsweise einseitig oder beidseitig auf? Machen sich die Hüftschmerzen beim Laufen, beim Sitzen oder beim Liegen bemerkbar? Solche Informationen und die Beschreibung zusätzlicher Symptome sind für den Arzt wichtig, um die Ursache der Hüftschmerzen herausfinden zu können.

Akute Hüftschmerzen nach Verletzung

Treten Schmerzen in der Hüfte plötzlich auf, ist häufig eine Zerrung der Hüftmuskulatur die Ursache. Dabei muss kein Trauma im Sinne eines Unfalls stattgefunden haben – oft genügt schon eine falsche ruckartige Bewegung, etwa beim Sport.

Sie sollten sich dann einige Tage schonen und die betroffene Stelle kühlen. Wenn die Schmerzen sehr stark sind oder keine Besserung eintritt, sollten Sie sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen, um einen Muskelriss oder eine knöcherne Verletzung auszuschließen.

Oberschenkelhalsbruch selten ursächlich

In seltenen Fällen kann auch ein Oberschenkelhalsbruch Grund für die Schmerzen in der Hüfte sein. Zwar sind Brüche des Beckens oder des Hüftgelenks in der Regel Folge eines schweren Sturzes oder eines Unfalls, doch insbesondere bei älteren Menschen mit Osteoporose kann auch ein leichtes Trauma unter Umständen zu einem Oberschenkelhalsbruch führen.

Dies äußert sich dann durch sehr starke Schmerzen in der Hüfte, wobei Gehen und Stehen meist unmöglich ist.

Schleimbeutelentzündung: Schmerzen beim Gehen

Eine Entzündung des Schleimbeutels (Bursitis trochanterica), der als Polster zwischen Sehnen beziehungsweise Muskeln und Oberschenkelknochen sitzt, kann zu ziehenden oder stechenden Schmerzen in der Hüfte führen. Die Hüftschmerzen treten dabei zunächst nur bei Bewegung – etwa beim Gehen – auf, später kommt es auch zu Schmerzen in Ruhe.

Ursache ist häufig eine Überlastung, die zu einer Reizung des Schleimbeutels führt. Aber auch bei Infektionen, Gicht oder nach einer Hüft-OP kann es zu einer Schleimbeutelentzündung kommen.

"Anlaufschmerzen" bei Hüftarthrose

Bei einer Hüftarthrose (Coxarthrose) kommt es im Verlauf mehrerer Jahre zu einer allmählichen Zerstörung des Gelenkknorpels, die meist durch den altersbedingten Verschleiß verursacht wird. Allerdings können auch Verletzungen, Durchblutungsstörungen, Stoffwechselerkrankungen oder angeborene Fehlstellungen des Hüftgelenks eine Hüftarthrose verursachen.

Typische Symptome sind ein morgendlicher "Anlaufschmerz", der sich nach Bewegung bessert, sowie ein Gefühl der Steifheit in der Hüfte. Im späteren Stadium kann es zu einer Einschränkung der Beweglichkeit und zu Ruheschmerzen kommen – die Beschwerden treten dann unter Umständen auch nachts im Liegen auf.

Hüftentzündung: Einseitige Schmerzen rechts oder links

Eine Hüftentzündung (Coxitis) kann durch Bakterien verursacht werden und tritt dann meist nach einer Hüftoperation oder einer Hüftpunktion auf. Aber auch eine Knochenmarksentzündung (Osteomyelitis) kann durch Fortleitung der Bakterien zu einer Hüftentzündung führen.

Eine sogenannte aseptische Hüftentzündung, also ohne Beteiligung von Bakterien, kann beispielsweise im Rahmen von rheumatischen Erkrankungen oder Arthrose vorkommen.

Unabhängig von der Ursache äußert sich eine Hüftentzündung durch meist einseitige Schmerzen in der Hüfte, die bei Belastung und in Ruhe auftreten können. Zudem kommt es häufig zu einer Schwellung, Rötung und Überwärmung im Bereich des Gelenks.

Hüftschnupfen nach Infekt

Eine Sonderform der Hüftentzündung bei Kindern ist der sogenannte Hüftschnupfen (Coxitis fugax). Darunter versteht man eine vorübergehende Entzündung des Hüftgelenks, die oftmals etwa ein bis zwei Wochen nach einer banalen Erkältung oder einem Magen-Darm-Infekt auftritt.

Symptome sind plötzlich auftretende Schmerzen in der Leiste und im Hüftgelenk. Diese Schmerzen können sogar bis ins Knie ziehen. Ein Hüftschnupfen ist in der Regel harmlos und verschwindet nach etwa sieben bis zehn Tagen von alleine.

Betroffene Kinder sollten sich schonen und zur Schmerzlinderung gegebenenfalls entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac einnehmen.

Bei Kindern: Morbus Perthes ausschließen

Hüftschmerzen bei Kindern können häufig im Rahmen von Wachstumsschmerzen auftreten und sind dann in der Regel harmlos. Allerdings kann auch ein Morbus Perthes die Ursache sein: Bei dieser Erkrankung kommt es zu einem Absterben des Hüftkopfknochens aufgrund einer Durchblutungsstörung.

Symptome des Morbus Perthes sind Schmerzen in der Hüfte und im Knie, die oftmals einseitig auftreten. Betroffene Kinder nehmen eine Schonhaltung ein und Hinken beim Gehen.

Die Behandlung besteht zunächst aus einer Entlastung des Hüftgelenks mithilfe von Schienen und Gehstützen sowie spezieller Krankengymnastik. Wichtig ist, dass die Kinder Sprungbewegungen und Stoßbelastungen vermeiden. Im fortgeschrittenen Stadium kann unter Umständen eine Operation nötig sein, um eine Fehlbildung des Hüftkopfes zu verhindern.

Epiphysiolyse: Notfall bei Jugendlichen

Treten bei Jugendlichen plötzlich so starke Hüftschmerzen auf, dass Gehen und Stehen nicht mehr möglich ist, kann unter Umständen ein Abrutschen der Wachstumsfuge am Hüftkopf (Epiphysiolysis capitis femoris) vorliegen. Am häufigsten betroffen sind übergewichtige Jungen nach dem neunten Lebensjahr.

Bei Verdacht auf eine Epiphysiolyse sollten Sie Ihr Kind umgehend in eine Notaufnahme bringen, denn unbehandelt kann ein Absterben des Hüftkopfes die Folge sein. Um dies zu verhindern, ist in vielen Fällen eine Operation nötig, bei der die abgerutschte Wachstumsfuge fixiert wird.

Falsches Schuhwerk beim Joggen

Treten Hüftschmerzen vor allem während oder nach dem Lauftraining auf, sind manchmal falsche oder nicht passende Laufschuhe die Ursache. Denn wenn die Stoßbelastung beim Laufen nicht richtig abgefedert wird und die Schuhe den Fuß nicht optimal unterstützen, kommt es zu einer Fehlbelastung der Gelenke. Auch zu harter oder unebener Laufuntergrund kann zu Hüftschmerzen beim Joggen führen.

Lassen Sie sich am besten in einem Fachgeschäft bezüglich des optimalen Schuhwerks und der richtigen Lauftechnik beraten. Zudem sollten Sie darauf achten, sich vor dem Laufen mit Dehnübungen aufzuwärmen und zu intensives Training zu vermeiden. Unter Umständen kann auch eine Ganganalyse bei einem Orthopäden sinnvoll sein, um eine Fehlstellung der Füße auszuschließen.

Hüftschmerzen in der Schwangerschaft

Besonders gegen Ende einer Schwangerschaft leiden Frauen häufig an Hüftschmerzen, die in den Rücken und die Beine ausstrahlen können. Dies kann unterschiedliche Gründe haben:

  • Hormonelle Veränderungen bewirken eine Verschiebung der Beckenknochen und eine Lockerung der Schambeinfuge, welche die beiden Beckenhälften verbindet. Solche Beckenschmerzen machen sich beispielsweise beim Treppensteigen oder beim Drehen im Bett bemerkbar.
  • Auch eine einseitige Schlafposition kann Hüftschmerzen verursachen, da Schwangere insbesondere im letzten Schwangerschaftsdrittel meist auf der Seite schlafen. Die damit verbundene Druckbelastung auf die Hüfte kann auf Dauer zu Schmerzen führen.
  • Eine weitere mögliche Ursache ist die Gewichtszunahme. Diese ist oftmals mit Veränderungen des Gewebes verbunden und kann zudem aufgrund der veränderten Körperhaltung Verspannungen auslösen.
  • Zudem kann es bei Schwangeren infolge der erhöhten Belastung vermehrt zu einer Schleimbeutelentzündung in der Hüfte kommen.

Leiden Schwangere an Hüftschmerzen, sollten sie dies mit ihrem Arzt besprechen. Oft helfen Gymnastikübungen oder Akupunktur, die Schmerzen zu lindern oder ihrer Entstehung vorzubeugen. Auch ein Kissen zwischen den Beinen kann helfen, wenn Hüftschmerzen vor allem nachts im Liegen auftreten.

Aktualisiert: 18.09.2019 – Autor: Dr. med. Jana Wittkowski; überarbeitet: Silke Hamann

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