Oberschenkelhalsbruch – Symptome, Behandlung und Dauer

Oberschenkelhalsbruch im Röntgenbild
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Die Oberschenkelhalsfraktur ist ein Bruch des Oberschenkelhalses, der vor allem bei älteren Menschen aufgrund der geringeren Knochendichte häufig Folge eines Sturzes ist. Typische Symptome bei einem Oberschenkelhalsbruch sind Schmerzen und möglicherweise Fehlstellungen oder Blutergüsse. Die Diagnostik erfolgt vor allem durch Röntgenaufnahmen. Die Behandlung sollte meist operativ und möglichst innerhalb von 24 Stunden erfolgen. Wichtig sind nach der OP die frühe Mobilisierung, eine Rehabehandlung und im weiteren Verlauf die Vorbeugung weiterer Stürze (Sekundärprophylaxe). Aufgrund der Komplikationen bedeutet der Schenkelhalsbruch für viele alte Menschen den Verlust der Selbstständigkeit und den Schritt in die Pflegebedürftigkeit. Die Sterblichkeit innerhalb des ersten Jahres liegt bei etwa 20 Prozent.

Was ist ein Oberschenkelhalsbruch?

Eine Oberschenkelhalsfraktur ist ein Bruch des Oberschenkelhalses. Der Oberschenkelhals befindet sich zwischen dem Hüftgelenkskopf und den Trochantern des Oberschenkelknochens. Die Trochanter sind Knochenfortsätze im oberen Teil des Femurs, dem Oberschenkelknochen.

Ein Oberschenkelhalsbruch befindet sich also nicht mittig am Oberschenkel, sondern an dessen oberen Ende, kurz vor der Hüfte – der Oberschenkelhals führt den Oberschenkelknochen in das Hüftgelenk. Daher kann ein Bruch an dieser Stelle des Oberschenkelknochens starke Schmerzen und Schwierigkeiten beim Bewegen des Beins zur Folge haben.

Häufigkeit der Oberschenkelhalsfraktur

Betroffen sind vor allem ältere Menschen über 65 Jahre. In dieser Altersklasse erkranken jährlich etwa 600 bis 900 Menschen pro 100.000 Einwohner. Bei Frauen kommt die Fraktur etwa doppelt so häufig vor. Das Risiko, im Leben einen Oberschenkelhalsbruch zu erleiden, liegt bei 5 bis 11 Prozent bei Männern und 11 bis 23 Prozent bei Frauen.

Ursachen und Risikofaktoren der Schenkelhalsfraktur

Auch wenn der Oberschenkelhalsbruch häufig im Alter auftritt, können auch junge Menschen eine Schenkelhalsfraktur der Hüfte erleiden. Hier steht meist eine große Krafteinwirkung auf den Knochen im Vordergrund – etwa durch einen Verkehrsunfall, einen Fahrradsturz oder ein Sturz aus großer Höhe.

Auch bei älteren Menschen ist meist ein Sturz das auslösende Ereignis für den Knochenbruch. Allerdings reichen hier bereits Stürze aus dem Stand, zum Beispiel durch Stolpern, oder aus dem Sitzen oder Liegen, wie etwa aus dem Bett. Die Ursache liegt meist in einer altersbedingten Abnahme der Knochendichte (Osteoporose), wovon Frauen in der Regel häufiger betroffen sind. Bestehende Vorerkrankungen können durch Schwächung des Knochens sogar zu einem spontanen Bruch des Oberschenkelhalses führen. Häufig liegt dann auch eine Osteoporose zugrunde, aber auch Knochenmetastasen gehören zu den möglichen Ursachen. Ebenso sind Knochenbrüche durch Überbelastungen, wie sie typischerweise beim Leistungssport vorkommen, möglich (Ermüdungsbruch).

Es gibt Risikofaktoren, welche einen Sturz und damit einen Oberschenkelhalsbruch begünstigen können. Dazu zählen Muskelschwächen, Gangunsicherheiten, Koordinationsstörungen, hohes Lebensalter und das häusliche Umfeld durch Stufen, Kanten, Teppichfalten oder andere Stolperfallen.

Welche Symptome treten beim Oberschenkelhalsbruch auf?

Da meist ein Sturz das auslösende Ereignis darstellt, können eventuell Blutergüsse und Prellungen zu sehen sein. Typischerweise treten bei einem Oberschenkelhalsbruch Schmerzen in der Hüfte oder Leiste auf – diese Schmerzen können bis ins Knie ausstrahlen. Zudem kann das Bein oft nicht belastet werden, Bewegungen und Drehungen sind häufig nur eingeschränkt möglich. Ist der Bruch verschoben, kann das Bein verkürzt und nach außen rotiert erscheinen. Allerdings können die Betroffenen bei eingestauchten, nicht verschobenen Frakturen sowie bei Spontanfrakturen auch nur wenige Beschwerden haben und in einigen Fällen sogar noch mit dem gebrochenen Bein laufen.

Diagnose: Wie kann man eine Oberschenkelhalsfraktur erkennen?

Bei Verdacht auf einen Oberschenkelhalsbruch sollte man unbedingt ärztlichen Rat suchen. Dabei wird nach Anamnese und körperlicher Untersuchung eine Röntgenaufnahme erstellt. Ist der Bruch nicht eindeutig beurteilbar, kann auch eine Computertomografie (CT) erfolgen. Mitunter kann zudem eine Kernspintomografie (MRT) und eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden.

Zusätzlich werden anhand einer Blutabnahme die Gerinnung überprüft und ein Blutbild sowie weitere Werte – abhängig von den Vorerkrankungen – beurteilt.

Die bildgebenden Untersuchungen ermöglichen auch eine Abgrenzung von anderen Brüchen. Ähnliche Symptome kann beispielsweise die pertrochantäre Femurfraktur hervorrufen. Hierbei verläuft die Bruchlinie nicht am Schenkelhals, sondern zwischen den Knochenfortsätzen, welche die untere Begrenzung des Schenkelhalses darstellen. Auch Brüche des Hüftkopfs, der Hüftpfanne oder im vorderen Beckenring können ähnliche Symptome auslösen.

Wie wird die Oberschenkelhalsfraktur behandelt?

Die Therapie sollte schnell erfolgen, in der Regel innerhalb der ersten Stunden, da mit Zuwarten das Risiko für Komplikationen deutlich steigt. Wird beispielsweise der Hüftkopf infolge des Bruchs nicht mehr ausreichend durchblutet, kann dieser absterben (Hüftkopfnekrose).

Die Schenkelhalsfraktur wird in der Regel operativ behandelt. In manchen Fällen kann auch eine konservative Behandlung in Betracht gezogen werden. Bei älteren Patient*innen stehen eine schnelle Mobilisierung (beginnend mit selbstständiger oder assistierter Bewegung des Beins, Anspannung der Muskeln sowie Sitzen an der Bettkante und Aufstehen aus dem Bett) und eine Rehabilitation im Vordergrund der Behandlung. Bei jüngeren Menschen sind die Gelenkfunktion und der Erhalt des Oberschenkelkopfs von größter Bedeutung.

Die konservative Therapie kann bei schwerkranken, inoperablen Patient*innen oder bei stabilen, nicht verschobenen und eingestauchten Brüchen angewandt werden. Auch können andere Gründe, wie zum Beispiel offene Wunden oder Infektionen, gegen eine Operation sprechen.

Die konservative Therapie beinhaltet eine Schmerztherapie und eine Prophylaxe gegen Blutgerinnsel und Lungenentzündungen. Fünf Wochen lang wird das Bein ohne, dass es belastet wird, mithilfe der Physiotherapie schmerzabhängig bewegt. Anschließend kann das Bein unter physiotherapeutischer Anleitung langsam und schrittweise wieder belastet werden.

Operation bei Oberschenkelhalsbruch

Meist erfolgt bei einem Oberschenkelhalsbruch eine operative Therapie. Hierbei kann zwischen folgenden Verfahren unterschieden werden:

Hüftkopferhaltende Therapie:

  • Extramedullär (außerhalb des Knochenmarks)
    • dynamische Hüftschraube (DHS) mit Antirotationsschraube
    • Schraubenosteosynthese
  • Intramedullär (innerhalb des Knochenmarks)
    • Gammanagel
    • proximaler Femurnagel

Endoprothetischer Gelenkersatz (künstliches Gelenk):

  • Duokopfprothese
  • Hüft-Totalendoprothese (TEP)

Hüftkopferhaltende Methoden nach einem Oberschenkelhalsbruch

Die hüftkopferhaltenden OP-Verfahren haben zum Ziel, die beiden Bruchenden durch Einbringung von Material stabil zusammenzuführen, damit der Knochen wieder zusammenwachsen kann (Osteosynthese). So ist kein künstliches Hüftgelenk erforderlich:

  • Die dynamische Hüftschraube besteht aus einer gleitfähigen Schraube für den Schenkelhals und aus einer Platte. Der Frakturspalt wird dadurch zusammengedrückt, wodurch die Knochenheilung gefördert wird. Zusätzlich wird eine Antirotationsschraube eingebracht, welche das Rotieren des Hüftkopfes um die Schraube verhindert.
  • Bei der Schraubenosteosynthese werden drei Schrauben in den Hüftkopf eingesetzt und somit wird Druck auf den Bruchspalt ausgeübt.
  • Der Gammanagel besteht aus einer rotationsstabilen Schenkelhalsschraube und einem Nagel, welcher die seitliche Verschiebung des Bruchs verhindert.
  • Der proximale Femurnagel besteht aus einer Schenkelhalsschraube, einer Antirotationsschraube und einem Nagel.

Für den Einsatz der hüftkopferhaltenden Therapie sprechen ein junges Alter und ein hoher Grad an körperlicher Aktivität sowie eine gute Knochenqualität. Zudem sollte der Bruch weniger als 24 Stunden alt und nicht verschoben sein. Auch bei sehr kranken, schwachen und immobilen Patient*innen kann eine hüftkopferhaltende OP erfolgen, da diese kürzer und weniger traumatisch ist, aber ebenfalls die Schmerzen lindert. In der Regel verbleiben die eingesetzten Teile im Gelenk, es ist also nicht erforderlich, die Nägel oder Schrauben später wieder zu entfernen.

Endoprothese als Ersatz für das Hüftgelenk

Der endoprothetische Gelenkersatz wird bei einem hohen Alter, einer groben Verschiebung des Bruchs, fortgeschrittener Osteoporose und anderen schwerwiegenden Erkrankungen sowie bei Behinderung des unverletzten Beins und eingeschränkter Compliance – also einer eingeschränkten Bereitschaft der betroffenen Person, sich aktiv an der Therapie zu beteiligen – angewandt.

  • Bei der Duokopfprothese wird nur der Hüftkopf durch eine Prothese ersetzt, die Hüftpfanne bleibt erhalten. Diese Prothese erfordert im Vergleich zur TEP einen kleineren Eingriff mit kürzerer OP-Dauer, bei welchem weniger Knochen- und Knorpelgewebe zerstört wird. Zudem kugelt sich der Hüftkopf seltener aus der Pfanne aus. Allerdings liefert die Prothese langfristig funktionell schlechtere Ergebnisse, sodass ein Wiedereingriff häufiger als bei der TEP erfolgen muss.
  • Bei der Totalendoprothese (TEP) werden Hüftkopf und Hüftpfanne ersetzt, es wird also ein komplett neues Hüftgelenk eingesetzt. Dies kann zementiert oder nicht zementiert erfolgen, es kann also eine zusätzliche Befestigung der Prothese im Knochen mit einer dünnen Schicht speziellen Knochenzements vorgenommen werden.

Besteht bereits eine ausgeprägte Gelenkdestruktion, also eine Arthrose, ist dies ein weiterer Grund dafür, bei einem Oberschenkelhalsbruch eher die TEP zu wählen. Für eine Duokopfprothese sprechen eine eher geringere Lebenserwartung und ein geringerer Anspruch an eine gute Gelenkfunktion.

Was passiert nach der Behandlung? Wie können Betroffene sich verhalten?

Im Anschluss an die Behandlung sollte eine medikamentöse Thromboseprophylaxe erfolgen. Damit sind Blutverdünner zur Vermeidung der Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombose) gemeint. Zudem sollten Schmerzmittel genommen werden sowie Medikamente zur Vermeidung von überflüssigem Knochenwachstum.

Nach der OP erfolgt eine Röntgenkontrolle, welche nach der Mobilisation und vor der Entlassung wiederholt wird. Um einen möglichen Infekt schnell erkennen zu können, sollte die Kontrolle der Entzündungsparameter im Blut erfolgen und die Wunde regelmäßig kontrolliert werden.

Innerhalb von 24 Stunden sollte zudem die Mobilisation – bestehend aus Gangschule und Atemtherapie – beginnen. Beim Gelenkersatz, der intramedullären Osteosynthese und bei der dynamischen Hüftschraube können die Übungen unter einer Vollbelastung stattfinden. Bei der extramedullären Osteosynthese erfolgt zunächst eine Teilbelastung oder nur eine Belastung durch Kontakt.

Schließlich folgt die Rehabehandlung. Junge Patient*innen können die ambulante Reha wahrnehmen, ältere Patient*innen mit Pflegebedarf können eine stationäre Reha absolvieren. Dabei werden im Rahmen der Physiotherapie sowohl die Muskeln als auch die Koordination trainiert, um bald wieder laufen zu können.

Weiteren Brüchen vorbeugen

Da 30 Prozent der Betroffenen über 65 Jahre innerhalb des ersten Jahres nach dem Oberschenkelhalsbruch eine weitere osteoporotisch bedingte Fraktur erleiden, sollte eine sogenannte Sekundärprophylaxe erfolgen. Damit ist Verhinderung eines weiteren Schenkelhalsbruches oder anderer Brüche, welche durch Nebenerkrankungen oder Alter hervorgerufenen werden können, gemeint.

Hierfür sollten Erkrankungen, die zu Sturzanfälligkeit führen, behandelt werden. Dazu zählen zum Beispiel Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zudem sollte die Osteoporose bei Bedarf medikamentös behandelt werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Sturzprävention. Hierfür sollten mögliche Stolperfallen zu Hause entfernt werden, körperliches Training erfolgen, sowie die Sehstärke überprüft, geeignetes Schuhwerk angeschafft und bei Bedarf nach ärztlicher Rücksprache Medikamente verringert werden. Außerdem gibt es Hüftprotektoren, die getragen werden können, um die Hüfte zu schützen. Dabei handelt es sich um spezielle Hosen mit seitlich eingenähten Schutzelementen.

Grundsätzlich empfehlenswert zur Prävention eines Oberschenkelhalsbruchs ist darüber hinaus eine gute körperliche Fitness. Regelmäßige Bewegung und geeignete Übungen trainieren Muskeln und Koordination. Eine gesunde Ernährung kann dazu beitragen, die Knochenstruktur zu erhalten.

Heilungsdauer: Wie lange dauert ein Oberschenkelhalsbruch?

Die Dauer der Heilung hängt von vielen individuellen Faktoren sowie der gewählten therapeutischen Versorgung ab. Die Behandlungsdauer im Krankenhaus beläuft sich auf etwa 10 Tage.

Nach gelenkerhaltend versorgten Frakturen wird ein normaler Bewegungsablauf – also ein natürliches Laufen, nach Möglichkeit ohne Krücken – bis zur sechsten Woche nach der Operation angestrebt. Bis zur 16. Woche sollte man wieder den Alltag bewältigen, aber nur unter leichten Tätigkeiten arbeiten können. Bis zur 20. Woche sollte die Wiedereingliederung in Alltag, Gesellschaft und Beruf erfolgen. Ab dem fünften und sechsten Monat sollten, je nach Belastung, sportliche Tätigkeiten wieder möglich sein.

Auch nach dem Einsetzen einer Prothese sollte ab der sechsten Woche nach der Operation ein normaler Bewegungsablauf wieder möglich sein. Allerdings sollte man hier bereits bis zur zwölften Woche den Alltag bewältigen und unter leichten Tätigkeiten arbeiten können. Bis zur 16. Woche sollte bereits die Wiedereingliederung in Alltag, Gesellschaft und Beruf erfolgen. Die Sportfähigkeit kann bei der Duokopfprothese ab dem vierten Monat und bei der Totalendoprothese, je nach Sportart, ab dem vierten beziehungsweise siebten Monat erreicht werden.

Welche Spätfolgen sind möglich?

Neben akuten allgemeinen Komplikationen wie Blasenentzündungen, Lungenentzündungen, Druckgeschwüren, Blutgerinnseln in den tiefen Beinvenen oder Verletzungen des Knochens während der operativen Verfahren, sind auch langfristigere Folgen eines Oberschenkelhalsbruchs möglich:

  • Verschiebung des Bruchs
  • Arthrose
  • Absterben des Oberschenkelkopfes durch mangelnde Durchblutung
  • unterschiedlich lange Beine
  • ausbleibende Heilung des Bruchs
  • geringere Mobilität und Funktionsfähigkeit
  • Infektionen der Wunde
  • Lockerung des implantierten Materials
  • übermäßiger Knochenwuchs

Manche der Komplikationen können dazu führen, dass es nötig ist, die Schrauben oder anderes eingebrachtes Material wieder zu entfernen.

Wie ist die Prognosebei einem Oberschenkelhalsbruch?

Ein Oberschenkelhalsbruch ist gefährlich, da er neben allgemeinen und OP-spezifischen Komplikationen zu Immobilität, Bettlägerigkeit und somit zu Pflegebedürftigkeit und Verlust der Selbstständigkeit führen kann. All diese Faktoren führen dazu, dass die Sterblichkeit innerhalb des ersten Jahres bei 20 Prozent liegt und für sechs Prozent der Betroffenen der Schenkelhalsbruch bereits im Krankenhaus tödlich verläuft.

Wichtig sind die frühe Mobilisierung nach der Behandlung und die soziale Reintegration, um Bettlägerigkeit und Immobilisation zu vermeiden. Mehr als die Hälfte der Betroffenen bleibt durch die Schenkelhalsfraktur längerfristig beeinträchtigt und ein Viertel bleibt auf Unterstützung bei der Pflege angewiesen.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
S72.-

Aktualisiert: 05.09.2022
Autor*in: Sonja Dragan-Sassler

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