Das KiSS-Syndrom

KiSS-Syndrom bei einem Baby © rawpixel

KiSS-Syndrom ist die Abkürzung für Kopfgelenk-induzierte Symmetrie-Störung. Dabei handelt es sich genau genommen nicht um eine Krankheit, sondern um eine Steuerungsstörung. Unter KiSS-Syndrom ist eine Fehlstellung zu verstehen, die vom Übergangsbereich zwischen der Schädelbasis und den Wirbelgelenken im Bereich der oberen Halswirbelsäule ausgeht. Das KiSS-Syndrom führt zu asymmetrischen Haltungen und Bewegungen. Es treten zum Beispiel eine Überstreckung der Wirbelsäule, eine Gesichtsasymmetrie, bei der eine Gesichtshälfte kleiner als die andere ist, sowie ein asymmetrischer Einsatz der Arme und/oder Beine auf.

Ursachen des KiSS-Syndroms

Die Ursachen des KiSS-Syndroms sind vor allem durch Probleme während der Geburt bedingt, wenn das Köpfchen des Ungeborenen unter hohem Druck durch den engen Geburtskanal der Mutter gepresst wird oder es während der Geburt Drehbewegungen durchführt, die das Kopfgelenk stark belasten.

Risikofaktoren für ein KiSS-Syndrom sind eine Saugglocken- oder Zangengeburt, Notfall-Kaiserschnitte, Zwillingsgeburten, sehr schnelle Geburten und ein Geburtsgewicht von mehr als 4.000 Gramm. Infolge einer Steiß- oder Beckenendlage kann es bereits während der Schwangerschaft zu Störungen kommen.

KiSS-Syndrom: Symptome bei Babys

KiSS-Syndrom-Babys können eine starke Schiefhaltung des Kopfes – deshalb früher die Bezeichnung Schiefhals – und des Rumpfes sowie gegebenenfalls eine deutlich asymmetrische Schädelform mit abgeplattetem Hinterkopf aufweisen. Probleme im Bereich der Halswirbelsäule können sich aber auch durch eine Rückbeuge des Kopfes als Schonhaltung für die Halswirbelsäule bemerkbar machen. KiSS-Syndrom Babys meiden typischerweise die Bauchlage und krabbeln ungern.

Als typische KiSS-Syndrom Symptome bei Säuglingen gelten:

  • Eine asymmetrische Kopfhaltung und eine Schieflage im Bett
  • Trinkprobleme mit häufigem Sabbern und Schluckschwierigkeiten
  • Schlafstörungen, häufiges Aufwachen und Unruhe
  • Berührungsempfindlichkeit insbesondere beim Hochheben (Säuglinge reagieren mit Schreien oder Weinen)
  • Kopfhalteschwäche und Kopfdrehschwäche
  • Schreikinder, Dreimonatskoliken
  • einseitige Stillprobleme
  • Schädel-/Kopfasymmetrie mit einseitiger Minderentwicklung einer Gesichtshälfte

Diese Symptome treten nicht alle gleichzeitig auf und können teilweise auch die Folge anderer Ursachen sein. Das Überspringen des Krabbelstadiums kann beispielsweise auch bei gesunden Kindern auftreten.

KiSS-Syndrom: Symptome bei Kindern und Erwachsenen

In der jüngeren Vergangenheit wird das KiSS-Syndrom für weitere Beschwerden bei Kindern verantwortlich gemacht: Zu diesen Beschwerden gehören eine erschwerte motorische Entwicklung, Gedeihstörungen mit vermindertem Wachstum und ausbleibender Gewichtszunahme sowie HNO-Probleme.

Wird das KiSS-Syndrom im Säuglingsalter nicht behandelt, tritt als Folgeerscheinung das sogenannte Kidd-Syndrom auf. Kidd-Syndrom bedeutet Kopfgelenk-induzierte Dyspraxie/Dysgnosie. Dyspraxie steht für die Unfähigkeit zum Ausführen erlernter Bewegungen trotz vorhandener Wahrnehmungs- und Bewegungsfähigkeit, Dysgnosie für eine gestörte Wahrnehmung. Bei Kindern im Schulalter verlagert sich die Symptomatik hin zu Lernschwierigkeiten (mitunter wird Rechenschwäche genannt), Konzentrationsschwierigkeiten, Wahrnehmungsstörungen, Hyperaktivität oder Aggressivität, Kopfschmerzen und Haltungsschwächen.

Ein unbehandeltes KiSS-Syndrom kann später beim Erwachsenen zu Halswirbelsäulenbeschwerden, chronischen Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfällen, Ohrgeräuschen, Schwindel, Bewegungs- und Gleichgewichtsstörungen führen.

Das KiSS-Syndrom behandeln

Bevor das KiSS-Syndrom behandelt wird, ist zunächst eine umfassende Untersuchung der Kinder nötig. Vermutlich wird der Arzt auch zu einer Röntgenuntersuchung raten.

Gut behandelbar ist das KiSS-Syndrom mit der manuellen Therapie nach Gutmann (auch Hio-Technik oder Atlastherapie nach Arlen genannt). Durch die manuelle Behandlung soll die Symmetrie der Halswirbelsäule wiederhergestellt werden: Dafür wird an den beiden oberen Halswirbeln ein Druckimpuls (ohne Rotationsanteile) angebracht. Weiterhin werden mobilisierende Griffe an anderen Stellen der Wirbelsäule durchgeführt. Die bei Kindern angewandten Griffe sind anders als jene beim Erwachsenen.

Bei vielen Kindern reicht bereits diese einmalig erfolgende manuelle Therapie, um überzeugende Ergebnisse zu erzielen. Eine osteopathische Therapie ist als unterstützende Maßnahme möglich. Wenn die manuelle Therapie nicht den gewünschten Erfolg bringt, folgt im nächsten Schritt der Behandlung die Krankengymnastik. Allerdings sollte die Krankengymnastik bei Patienten mit KiSS-Syndrom frühestens vier Wochen nach der manuellen Therapie beginnen.

Aktualisiert: 18.11.2011 – Autor: Gerlinde Felix

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