Skoliose: Symptome und Behandlung der Wirbelsäulenverkrümmung

Frau mit Skoliose, verkrümmte Wirbelsäule illustriert
© Getty Images/Albina Gavrilovic

Eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule wird als Skoliose bezeichnet (von griechisch "skolios" für krumm). Die Skoliose ist ein häufiges orthopädisches Krankheitsbild und betrifft vor allem Jugendliche im Alter von zehn bis zwölf Jahren. Welche Symptome bei einer Skoliose auftreten, wie Diagnosestellung und Behandlung aussehen, wann ein Korsett oder eine OP zur Therapie erforderlich sind und auch welcher Sport bei Skoliose geeignet ist, das erfahren Sie im Folgenden.

Was ist eine Skoliose?

Die Skoliose ist eines der häufigsten orthopädischen Krankheitsbilder. Sie wird umgangssprachlich auch als "Wirbelsäulenverkrümmung" bezeichnet, was die Problematik gut beschreibt. Bei der Skoliose sind die einzelnen Wirbel verdreht (Torsion) und die Wirbelsäule ist außerdem zur Seite verbogen. Auch eine Verbiegung nach vorne (Kyphose) oder nach hinten (Lordose) kann auftreten.

Bei stark ausgeprägten Formen der Skoliose ist die Fehlstellung bereits mit bloßem Auge erkennbar, gleichzeitig können starke Beschwerden auftreten. Bei einer leichten Form der Skoliose hingegen können Beschwerden mitunter völlig fehlen. Oft handelt es sich dabei um einen Zufallsbefund, der keiner Behandlung bedarf.

Wie kommt es zur Skoliose?

In der Mehrzahl der Fälle ist die Ursache für die Skoliose unklar. Man spricht dann auch von einer idiopathischen Skoliose. Die idiopathische Form liegt bei circa 80 bis 90 Prozent der Betroffenen vor. Vermutet wird, dass Störungen, die das Wachstum der Wirbelsäule betreffen, Ursache der verkrümmten Wirbelsäule sind. Eine Seite wächst schneller als die andere, was zur Verkrümmung und Verdrehung führt. Auch Störungen im Bereich der Nerven werden als Ursache diskutiert. Vollends geklärt sind die Auslöser der Skoliose jedoch noch nicht.

Oft sind Betroffene jedoch familiär vorbelastet, das heißt, in der Familie sind bereits Fälle der Erkrankung aufgetreten. Somit hat die Krankheit auch eine erbliche Komponente. Teilweise tritt die Skoliose auch im Rahmen anderer Erkrankungen auf. So können Muskel-, Nerven- und Bindegewebserkrankungen zu einer Verkrümmung der Wirbelsäule führen. Ebenso können Tumoren und Entzündungen ursächlich sein. Auch angeborene Fehlbildungen von Wirbeln können zur Entstehung der Skoliose beitragen. Dennoch ist die idiopathische Form am häufigsten.

Welche Formen der Skoliose unterscheidet man?

Es existieren verschiedene Einteilungsmöglichkeiten der Skoliose.

Die Einteilung kann zum Beispiel anhand des Alters zum Zeitpunkt des Auftretens der Krankheit erfolgen. So unterscheidet man hier zwischen:

  • der infantilen Skoliose (Geburt bis zum 3. Lebensjahr)
  • der juvenilen Skoliose (4 bis 10 Jahre)
  • der adoleszenten Skoliose (11 bis 18 Jahre) und
  • der Erwachsenenskoliose (adulte Form)

Des Weiteren wird die Skoliose anhand des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts eingeteilt. So spricht man zum Beispiel von:

  • einer thorakalen Skoliose, wenn die Brustwirbelsäule betroffen ist
  • von einer lumbalen Skoliose, wenn die Lendenwirbelsäule betroffen ist
  • von einer thorakolumbalen Skoliose, wenn beide Wirbelsäulenabschnitte betroffen sind

Außerdem fällt zusätzlich die Richtung der Krümmung bei der Einteilung ins Gewicht. Die Wirbelsäule kann dabei nach rechts gekrümmt sein (rechtskonvexe Skoliose) oder nach links (linkskonvexe Skoliose).

Was ist eine skoliotische Fehlhaltung?

Eine skoliotische Fehlhaltung ist im Gegensatz zu einer Skoliose eine leichte Verkrümmung der Wirbelsäule, die nicht dauerhaft besteht, sondern aktiv oder passiv ausgeglichen werden kann. So kann die seitliche Verbiegung beispielsweise entstehen, wenn die Beine unterschiedlich lang sind und der Körper versucht, dies durch einen Beckenschiefstand und in der Folge eine Seitenverkrümmung der Wirbelsäule auszugleichen. Durch passende Schuheinlagen lässt sich die Fehlstellung jedoch beheben. Der Übergang zwischen einer skoliotischen Fehlhaltung und einer Skoliose ist mitunter fließend.

Wer ist von der Krankheit betroffen?

Betroffen von der Skoliose sind etwa drei bis fünf Prozent der Bevölkerung. Am häufigsten tritt sie bei Jugendlichen im ersten Wachstumsschub vor der Pubertät erstmalig auf. Betroffene sind meist älter als zehn Jahre und ansonsten gesund. Zudem tritt die Erkrankung häufiger bei Mädchen auf, meist auch in schwererer Form als bei Jungen.

Bei Kindern lässt sich die Erkrankung eher selten finden. Erwachsene, die nicht bereits seit einem jüngeren Alter an der Fehlstellung leiden, sind häufig im Rahmen anderer Grunderkrankungen von einer Verkrümmung der Wirbelsäule betroffen.

Welche Symptome treten bei einer Skoliose auf?

Bei leichten Formen kann die Skoliose oft unbemerkt verlaufen und keine weiteren Probleme verursachen. Kommt es doch zu Symptomen, zeigen sich diese typischerweise in Form von Verspannungen der Muskulatur des Rückens und Nackens sowie Schmerzen in diesem Bereich. Auch Kopfschmerzen sind ein häufiges Symptom. Zusätzlich klagen Betroffene manchmal über Schmerzen in der Hüfte, im Knie und in den Füßen.

Schmerzen müssen aber nicht zwangsläufig auftreten. Oftmals geben lediglich folgende Anzeichen einen Hinweis auf eine bestehende Skoliose:

  • ein Beckenschiefstand
  • ungleich hochstehende Schultern
  • ein Rippenbuckel (einseitiges Hervortreten der Rippen nach hinten infolge der Verformung des Oberkörpers)
  • eine schiefe Kopfhaltung

Wie wird eine Skoliose festgestellt?

Bei leichten Formen und besonders im Anfangsstadium kann die Diagnose einer Skoliose mitunter schwierig sein. Erste Anlaufstelle ist oft die haus- oder kinderärztliche Praxis aufgrund von anhaltenden Rückenschmerzen oder einer auffallenden Fehlhaltung. Bei der*dem Ärztin*Arzt erfolgt zunächst ein ausführliches Gespräch, das zum Beispiel das Beschwerdebild, den letzten Wachstumsschub sowie die familiäre Geschichte mit einschließt.

Meist folgt dann eine ausführliche körperliche Untersuchung, die sich vor allem auf die Wirbelsäule und deren Bewegungsumfang konzentriert. Zur weiterführenden Diagnostik gehört meist auch ein Röntgenbild, auf dem man im besten Fall ein genaueres Ausmaß der Wirbelsäulenverkrümmung erkennen kann.

Es wird die Kippung der Wirbelkörper zueinander gemessen und der Neigungswinkel bestimmt (sogenannter Cobb-Winkel). Anhand dieses Neigungswinkels erfolgt eine Einteilung der Skoliose in verschiedene Schweregrade (leicht bis sehr schwer). Ein Winkel bis zehn Grad ist normal, erst ab einer stärkeren Verkrümmung wird von einer Skoliose gesprochen. Meist richtet sich auch die Therapie nach diesem Krümmungswinkel.

Ein weiteres wichtiges Instrument der Diagnosestellung stellen die Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern dar. Hier wird früh auf Unregelmäßigkeiten der Wirbelsäule geachtet, sodass bei Auffälligkeiten noch während des Wachstums eine entsprechende Therapie in Form von Krankengymnastik begonnen werden kann. Daher ist es wichtig, die Vorsorgeuntersuchungen bei dem*der Kinderarzt*Kinderärztin regelmäßig wahrzunehmen.

Wie sieht die Therapie bei Skoliose aus?

Die nächste Anlaufstelle nach der erfolgten Diagnose ist meist ein*e Orthopäde*Orthopädin. Der Fachbereich der Orthopädie ist spezialisiert auf Erkrankungen des Bewegungsapparates. Meist wird mit den Patient*innen zusammen über die weitere Therapie entschieden.

Bei leichten Formen der Skoliose (Cobb-Winkel unter 20 Grad) ist in der Regel eine Physiotherapie ausreichend. Hierbei wird vor allem auf eine Kräftigung der Rückenmuskulatur geachtet. Gleichzeitig kann durch eine physiotherapeutische Behandlung dem weiteren Fortschreiten der Skoliose entgegengewirkt werden.

Schwerere Formen der Skoliose (Cobb-Winkel 20 bis 50 Grad) erfordern meist eine Behandlung mittels eines speziell angepassten Korsetts, das bis zu 23 Stunden am Tag getragen werden muss. Auch hier ist zusätzlich zum Korsett eine physiotherapeutische Behandlung notwendig, nicht zuletzt, um auch hier das Fortschreiten der Erkrankung zu reduzieren.

OP bei schwerer Skoliose

Ab einem Cobb-Winkel von mehr als 50 Grad ist eine Operation meist unumgänglich. Hierbei werden einzelne Wirbel mittels Stangen und Schrauben versteift und es wird versucht, die Verkrümmung weitestgehend auszugleichen. Die Versteifung hat keine eingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelsäule zur Folge, wie man es vielleicht zunächst annehmen würde.

Wie bei jedem Eingriff gibt es auch bei dieser OP Risiken. Diese sind sehr selten und können, müssen aber nicht auftreten. Hierzu zählen zum Beispiel eine Infektion und als Spätfolge eventuell eine Ermüdung des eingebrachten Materials. In ganz seltenen Fällen (weniger als ein Prozent) kann eine Querschnittslähmung als Folge des Eingriffs auftreten.

Jedoch sind eben genannte Komplikationen insgesamt sehr selten. Außerdem wird eine solche Operation zumeist in spezialisierten Zentren durchgeführt, die viel Erfahrung und Expertise bezogen auf Eingriffe an der Wirbelsäule mitbringen.

Skoliose im Alltag – was kann man gegen eine Skoliose tun?

Mögliche Hilfsmittel im Alltag können eine geeignete Matratze sowie die richtige Schlafposition sein, um die Wirbelsäule zu entlasten. Das Schlafen auf der Seite in Kombination mit der richtigen Matratze, die den Druck des Körpers korrekt verteilt, beziehungsweise diesem entgegenwirkt, ist hierbei wichtig. Lassen Sie sich im Zweifel gerne beraten.

Bei sitzenden Tätigkeiten kann der richtige Bürostuhl mit einer Verstärkung im Bereich der Lendenwirbelsäule helfen. Des Weiteren können Einlagen in den Schuhen bei einer bestehenden Differenz der Beinlänge oder einem Beckenschiefstand helfen.

Welcher Sport ist gut bei Skoliose?

Die wichtigste Maßnahme bei Skoliose ist jedoch Bewegung. Sport ist hier nicht verboten, sondern sogar gewünscht. Sportarten, die besonders geeignet sind, sind zum Beispiel:

Sportarten, bei denen große Scher- und Rotationskräfte auf die Wirbelsäule wirken, sollten hingegen vermieden werden. Hierzu zählen unter anderem Gewichtheben, Turnen, Squash oder Tennis. Jedoch sollte im Zweifel immer eine ärztliche Rücksprache erfolgen. Sogar bei einer Korsettbehandlung ist das Ausüben von Sport erwünscht.

Ebenso existieren verschiedene Übungen für zu Hause, die bei Skoliose helfen. Diese schließen unter anderem Yoga sowie verschiedene Atemübungen mit ein. Es existiert hierzu umfangreiches Material mit Übungen aus dem Bereich der Krankengymnastik online, außerdem kann auch der*die Physiotherapeut*in gerne um Rat gefragt werden.

Welche Langzeitfolgen gibt es bei Skoliose?

Vor allem mittelschwere bis schwere Formen der Skoliose können sich auf den gesamten Körper auswirken. Häufig kommt es im Verlauf zu Abnutzungserscheinungen der Bandscheiben und Wirbelkörper, was sich oft durch starke und anhaltende Schmerzen bemerkbar macht. Auch Ausfallerscheinung im Bereich der Nerven und Muskeln können bei einer Einengung des Rückenmarks bedingt durch die Verkrümmung der Wirbel auftreten.

Außerdem können nicht nur die Wirbelsäule und die Rückenmuskulatur betroffen sein. Insbesondere die Beschwerden im Alter betreffen ebenso die Lunge. Meist wird durch die Wirbelsäulenverkrümmung auch der Brustkorb eingeengt, sodass Atemnot und eine Verschlechterung der Lungenfunktion die Folge sein können. Auch die Pumpleistung des Herzens kann sich unter Umständen verschlechtern.

Umso wichtiger ist es, eine Skoliose früh, idealerweise bei deren Auftreten meist im Alter von zehn bis zwölf Jahren, zu erkennen und zu behandeln. Im Kindes- und Jugendalter lässt sich diese nämlich häufig korrigieren, sodass Langzeitfolgen oft gar nicht auftreten.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
M41.-

Aktualisiert: 28.02.2022
Autor*in: Carina Lang, Ärztin

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