Muskelschwund - Diagnose und Therapie

Wie erkennt man eine zu Muskelschwund führende Erkrankung?

Neben den typischen klinischen Symptomen, die je nach Typ an unterschiedlichen Muskelgruppen stärker ausgeprägt sind und dem Arzt oft schon den Weg zur Diagnose weisen, führen Laboruntersuchungen und Funktionstests zur Diagnose. Bei den Muskeldystrophien kommt es typischerweise zu einer Erhöhung der Muskelenzyme im Blut, was durch den massiven Abbau der Muskelmasse bedingt ist.

Bei allen Formen des Muskelschwunds zeigen sich typische Veränderungen in der Elektromyografie. Die Muskelaktivität ist pathologisch verändert – bei den Dystrophien sieht man viele kleine Entladungen, bei den nerval bedingten Formen kommt es zu einer massiven Abnahme von Einzelentladungen. Mit einer Muskelbiopsie und Gentests lassen sich die einzelnen Formen abschließend voneinander abgrenzen.

Was kann man gegen Muskelschwund tun?

Muskelschwunderkrankungen sind bislang nicht heilbar, doch setzen viele Betroffene und ihre Angehörigen große Hoffnungen in die Gentherapie. Zwar werden weltweit in vielen Forschungseinrichtungen an dem Gendefekt, seinen Auswirkungen auf den Körper und möglichen Gegenmaßnahmen geforscht – ein gentechnisch hergestelltes Mittel gegen auch nur eine Form des Muskelschwunds wurde leider bisher nicht gefunden.

Alle therapeutischen Maßnahmen zielen daher darauf ab, die durch den Muskelschwund bedingten Bewegungs- und Koordinationsausfälle auszugleichen und aufzuhalten. Daneben müssen Folgeerscheinungen wie Kontrakturen, rollstuhlpflichtige Gehbehinderungen oder Atemwegserkrankungen, die durch die verminderte Hustentätigkeit entstehen, behandelt werden. Da viele Formen von Muskelschwund für Betroffene äußerst belastend sind und für ihre Angehörige oft einen enormen Pflegeaufwand darstellen, sind Tipps für den täglichen Umgang mit der Erkrankung sehr willkommen.

Selbsthilfegruppen bei Muskelschwund

Viele Selbsthilfegruppen und die Initiativen Deutsche Muskelschwundhilfe und die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke haben langjährige Erfahrungen mit den verschiedenen Formen des Muskelschwunds vorzuweisen. Die Weserbergland-Klinik Höxter ist in Deutschland die Fachklinik für Muskelerkrankungen.

Gerade bei Patienten mit schwereren Formen von Muskelschwund hilft das Klinikprogramm, ein Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten. Es besteht aus:

  • intensiver Krankengymnastik
  • Wassergymnastik
  • Wärmebädern
  • Massagen
  • Reizstrombehandlung
  • Muskeltraining

Patienten, die sich jährlich für mehrere Wochen dem Klinikprogramm unterziehen, berichten von monatelang anhaltenden Beschwerdebesserungen.

Kann man einer Muskelschwunderkrankung vorbeugen?

Da fast alle Formen von Muskelschwund erblich sind, kann man ihnen nicht vorbeugen. Das Vertrackte an ihnen ist, dass sie häufig einem autosomal oder X-chromosomal rezessiven Vererbungsmodus folgen. Im Klartext bedeutet das, das augenscheinlich gesunde Menschen Überträger der Krankheit sein können und die Krankheit so über Generationen weitergegeben wird, ohne dass ein Familienmitglied zwingend erkrankt.

Eine Austestung, ob jemand Überträger einer der vielen Muskelschwundformen ist, ist zur Zeit noch nicht möglich und bei dem durchaus variablen Verlauf vieler Formen auch hinsichtlich ethisch-moralischer Aspekte der Konsequenzen vielleicht nur bedingt wünschenswert.

Aktualisiert: 23.01.2017 - Autor: Nathalie Blanck

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?