Warum entsteht Krebs?

Krebskranke Frau © istockphoto, shironosov

Krebs ist ein Überbegriff für eine Krankheit mit einem ausgesprochen vielfältigen Erscheinungsbild: Die Geschwüre, die unter diesem Namen zusammengefasst werden, befallen praktisch alle Organe des Menschen. Die Lunge bleibt genauso wenig verschont wie Magen und Darm, Speiseröhre und Haut, Knochen und Gehirn, um nur einige Beispiele zu nennen. 

Eine Krankheit mit vielen Ursachen

Faktoren, die Krebs auslösen, scheinen mindestens so mannigfaltig zu sein wie die Erscheinungsformen der Krankheit: Man weiß mittlerweile, dass es sich nicht einfach um eine "Alterserkrankung" handelt, auch wenn das Alter bei der Entstehung doch eine gewichtige Rolle spielt.

So kann Krebs auch durch Umweltfaktoren ausgelöst werden: Sonnenlicht fördert die Entstehung von Hautkrebs, und Zigarettenrauch erzeugt Lungenkrebs. Auf der anderen Seite warnen beispielsweise Frauenärzte gelegentlich ihre Patientinnen, wenn sie ein bestimmtes Virus im Abstrich der Vaginalschleimhaut finden. Dieses kann auch Krebs auslösen, weshalb die betroffenen Frauen regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen kommen sollten.

Krebs kann auch vererbt werden

Um es noch komplizierter zu machen, wird Krebs (oder vielmehr die Neigung, an Krebs zu erkranken) gelegentlich auch vererbt: Am bekanntesten sind der erbliche Brustkrebs und der erbliche Darmkrebs. In Familien, die hiermit belastet sind, findet sich eine gesteigerte Häufigkeit dieser Erkrankung.

Woher kommt der Name "Krebs"?

Den Namen haben übrigens die alten Griechen der Krankheit gegeben. Die Geschwüre, die sich beim Brustkrebs bilden, erzeugen manchmal oberflächlich sichtbare, gestaute Venen, die mit ihren Ausläufern eine an einen Krebs erinnernde Form aufweisen. Das griechische Wort für das seitwärts laufende Schalentier, "karkinos", ist zudem die Wurzel für das Fachwort Karzinom.

Was geschieht, wenn Krebs entsteht?

Zunächst einmal ist ein Krebsgeschwür eine Neubildung von körpereigenem Gewebe. Es handelt sich also nicht um einen "Überfall" eines fremden Krankheitserregers, der sich im Körper vermehrt (wie das bei bakteriellen Infektionen der Fall ist). Wie kommt es aber dazu, dass dort einfach etwas "anfängt sich neu zu bilden und zu wachsen"?

Prinzipiell bricht hierbei eine Zelle – zunächst ist es tatsächlich nur eine einzige – aus dem Reglement ihres Gewebeverbandes, in dem sie lebt und ihre Arbeit verrichtet, aus und beginnt, sich zu teilen. Dass sich Zellen teilen und vermehren, ist zunächst einmal kein ungewöhnliches Geschehnis, auch nicht im ausgewachsenen Körper. Ständig werden hier Zellen neu gebildet, da sich beispielsweise die Haut ebenso wie die Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes und die Zellen des Blutes ständig erneuern.

Alte Zellen gehen dafür verloren, sie werden abgeschilfert (im Falle der Haut) oder zerstören sich in einem Prozess, den die Wissenschaftler Apoptose (griech. "fallendes Laub") nennen, von selbst. Hierdurch wird sichergestellt, dass ein Gleichgewicht aus Neubildung und Zerstörung entsteht.

Die Vermehrung, die bei der Krebsentstehung stattfindet, ist jedoch nicht der sinnvoll gesteuerte Zuwachs, der für die Erneuerung des Gewebes nötig ist. Vielmehr bricht die einzelne Zelle aus dieser Steuerung aus und vermehrt sich, ohne dass sie hierfür die "Erlaubnis " erhalten hat.

Krebs ist eine "genetische" Krankheit

Die Zelle vermehrt sich deshalb "außer Rand und Band", weil das Korsett, das ihr übergestülpt ist, welches sie diszipliniert und dafür sorgt, dass sie in Harmonie mit ihren Nachbarzellen lebt, einen Riss bekommen hat: sie erkennt die Signale ihrer Umgebung nicht mehr oder versteht sie falsch. Diese Signale, die der Zelle sagen, ob sie sich teilen darf oder nicht, bilden die Basis dafür, dass in einem vielzelligen Organismus "alle für einen" arbeiten, dass also die Vermehrung einzelner Zellen für den Gesamtorganismus sinnvoll gesteuert ist.

Das Korsett einer Zelle, welches sie zu einem nützlichen Teil des Gesamtorganismus macht, ist ihr Erbgut. In diesem stehen die Informationen, wie die Zelle die Signale ihrer Umgebung zu empfangen und zu interpretieren hat. Wenn sich also das Erbgut verändert, kann sich auch dieses Zusammenspiel verändern.

Die Zelle, die vorher im Gewebeverband treu ihren Dienst für den Gesamtorganismus absolvierte, wird ein "Deserteur", der sich – ohne danach zu fragen, ob das nun sinnvoll ist – vermehrt. Der Entstehung von Krebs geht daher immer eine Veränderung des Erbgutes voraus, weshalb die Erkrankung von vielen Wissenschaftlern auch als "genetische Krankheit" bezeichnet wird.

Die Veränderung der genetischen Information ist, bei aller Verschiedenheit der zahllosen Formen, in denen Krebs auftritt, der gemeinsame Nenner dieser Erkrankung. Und darin liegt auch der Schlüssel zum Verständnis, weshalb Krebs durch so viele verschiedene Faktoren ausgelöst wird.

Krebs – eine Erkrankung des Alters?

Betrachtet man die Häufigkeit der Entstehung von Krebsgeschwüren in Relation zum Alter, so zeigt sich, dass 60 Prozent aller Neuerkrankungen bei Menschen auftreten, die älter als 60 Jahre sind.

Wie lässt sich das verstehen vor dem Hintergrund, dass es sich um eine "genetische Krankheit" handelt? Vermutlich liegt es daran, dass das Erbgut menschlicher Zellen sehr gut geschützt ist vor Veränderungen. Denn zahlreiche Systeme, die auch "Wächter des Erbgutes" genannt werden, sorgen unentwegt dafür, dass der "Software des Lebens" nichts passiert. Dadurch entstehen nur so wenige Fehler, dass es lange Zeit braucht, bis tatsächlich eine Veränderung aufgetreten ist, die dann ein Krebswachstum auslöst.

Aktualisiert: 28.07.2017

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