Weitere mögliche Ursachen

Umweltfaktoren als Auslöser: bewusst leben heißt Krebs vermeiden

Schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts beobachtete der Londoner Arzt Percival Pott, das Männer, die in ihrer Jugend als Schornsteinfeger gearbeitet hatten, öfter an Hodenkrebs erkrankten als die Durchschnittsbevölkerung. Obwohl derlei Beobachtungen über Zusammenhänge zwischen dem (berufsbedingten) Kontakt mit bestimmten Substanzen und Krebserkrankungen sich häuften, setzte sich diese Erkenntnis nicht gleich durch.

Chemikalien begünstigen Krebs

1918 gelang es zwei japanischen Wissenschaftlern, erstmals zweifelsfrei zu beweisen, dass Krebs durch Chemikalien ausgelöst werden kann: sie bestrichen Kaninchen mit Teer, wodurch diese Hautkrebs bekamen.

Heutzutage saugen tagtäglich Millionen RaucherInnen besagten Teer aus ihren Zigaretten in ihre Lungen, weshalb der Lungenkrebs auf Platz eins der krebsbedingten Sterbefälle steht. Männer erkranken häufiger als Frauen. Die Erkrankungsrate bei Frauen steigt jedoch kontinuierlich an, bedingt durch das veränderte Rauchverhalten. 

Viele andere Chemikalien sind ebenfalls in der Lage, Krebs auszulösen.

Strahlen können Krebs auslösen

Auch Strahlen, wie Ultraviolettes (UV) Licht oder Röntgenstrahlen, können Krebs auslösen, wie sich nicht lange nach der Entdeckung und Verwendung der Röntgenstrahlen zeigte. Zahlreiche Techniker und Wissenschaftler, die mit der neuen Methode zur Durchleuchtung von Körpern arbeiteten, erkrankten an Krebs.

Diese schmerzvolle Erfahrung machte auch Marie Curie, die zweifache Nobelpreisträgerin und Mit-Entdeckerin der Radioaktivität. Sie verstarb an Leukämie, einer Krebserkrankung des Blutes, die durch ihren langen Kontakt mit der Radioaktivität ausgelöst worden war.

Auch chemische Stoffe und Strahlen wirken, indem sie die genetische Information verändern: Die Chemikalien treten in Wechselwirkung mit dem großen Molekül, das unser Erbgut darstellt, der DNA. Sie verändern diese chemisch und bewirken so auch eine Veränderung des Informationsgehaltes.

Genauso wirken die Strahlen: Sie können einzelne "Buchstaben" unseres genetischen Alphabetes verändern oder zu einem Zerreißen der Information führen.

Ames-Test untersucht Substanzen auf deren Karzinogenität

Diese Zusammenhänge werden auch deutlich durch einen Test, den der amerikanische Wissenschaftler Bruce Ames ersonnen hat: Er bewertete, ob Chemikalien krebsauslösend wirken oder nicht, indem er Bakterien damit behandelte. Diese können natürlich keinen Krebs bekommen, aber die Chemikalien bewirken Veränderungen im Erbgut der Bakterien, die man messen kann. Eine Substanz, die in Bakterien stark erbgut-verändernd wirkt, wirkt auch krebsauslösend im Menschen.

Der sogenannte Ames-Test wird auch heute noch verwendet, um herauszufinden, ob eine Chemikalie karzinogen (= krebsauslösend) ist oder nicht.

Auch eine "Infektionskrankheit"?

Dass Krebs auch "ansteckend" sein kann, erkannte schon einer der frühen Krebsforscher, Francis Peyton Rous (1879-1970). Er infizierte Hühner mit einer Flüssigkeit, die er aus Hühnergeschwüren isoliert hatte. Die (vorher gesunden) Hühner bekamen ebenfalls Krebs. Doch es dauerte noch einige Zeit, bis die Ursache erkannt war. Es handelte sich um ein Virus, welches in diesem Fall krebsauslösend wirkte.

Beim Menschen sind mittlerweile auch Viren bekannt, die unter Umständen Krebs auslösen können: Hierzu gehören das HPV (humanes Papillomavirus), welches für die Entstehung von Warzen verantwortlich ist. Darüber hinaus sind bestimmte Papillomaviren wahrscheinlich für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs bei Frauen verantwortlich. Das Hepatitis B-Virus (HBV) löst hingegen Leberkrebs aus.

Der Grund für das krebsauslösende Potential dieser Viren liegt – auch wieder – in einer Veränderung des menschlichen Erbgutes: In diesem Falle wird es durch die bloße Anwesenheit des Virus verändert. Dieser dringt in die menschliche Zelle ein und fügt sein eigenes (virales) Erbgut zu dem des Menschen hinzu. Dies kann auf verschiedenen Wegen das Steuerungssystem, welches die Zelle in ihre Umgebung "einbaut", so durcheinander bringen, dass sie anfängt zu wuchern.

Kann man Krebs erben?

Die Näherin des amerikanischen Pathologen Aldred S. Warthin berichtete diesem Ende des 19. Jahrhunderts, sie würde an Krebs sterben, weil alle ihre Familienangehörigen dieses Schicksal erlitten. Tatsächlich starb die Frau in relativ jungen Jahren an der Krankheit. Warthin berichtete von ihrer Familie, die er als "Krebs-Familie" bezeichnete. Die Idee, dass eine Neigung dazu, an Krebs zu erkranken, in bestimmten Familien existiert, ist also schon älter, konnte aber erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts genauer erfasst werden.

Auch hier liegt in Veränderungen des Erbgutes der Hase im Pfeffer: Wenn in einer Familie eine solche Veränderung schon vorliegt, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass eine Erkrankung auftritt. Je nachdem, welcher Abschnitt des Erbgutes verändert ist, können sehr verschiedene Krebs-Syndrome vererbt werden. Das bekannteste ist der erbliche Brustkrebs, aber auch zahlreiche andere Organe können betroffen sein.

Viel Forschung, wenig Therapie?

Krebs ist die dritthäufigste Todesursache in den Industrienationen nach den Herz-Kreislauferkrankungen und den Unfällen. Seit vielen Jahrzehnten wird an der Krankheit geforscht, und gewaltige Gelder sind in diese Forschung geflossen. Dennoch gilt die Krankheit noch immer in vielen Fällen als unheilbar. Warum weiß man also inzwischen so viel über die Krankheit, kann sie aber immer noch nicht heilen?

Zwei Gründe spielen hier eine Rolle: Der erste ist, dass Krebs durch einen Fehler im Erbgut ausgelöst wird. Die naheliegendste Lösung wäre also, das Erbgut der fehlerhaften Zellen zu korrigieren. Dies erweist sich aber als sehr schwierig, da so viele verschiedene Änderungen auftreten können und es auch technisch zur Zeit noch kaum möglich ist, gezielt einzelne Zellen mit der korrigierten genetischen Information zu behandeln.

Ein weiterer Ansatzpunkt zur Therapie wäre, die wildwuchernden, fehlerhaften Zellen gezielt zu zerstören. Genau dies wird in einem chirurgischen Eingriff gemacht. Mit einem Medikament ist es jedoch ungleich schwieriger, dies zu bewerkstelligen. Denn während Bakterien sich durch Antibiotika ohne schwere Nebenwirkungen auf den Menschen abtöten lassen, da sie (biologisch betrachtet) sehr verschieden von menschlichen Zellen sind, sind Krebszellen diesen sehr ähnlich.

Eine Substanz, die die Krebszelle stark schädigt, wird daher auch die gesunden Zellen stark angreifen. Dies ist auch der Grund dafür, weshalb viele Krebsmedikamente so starke Nebenwirkungen aufweisen. Es wird daher noch einige Forschungsarbeit zu leisten sein, bis all die verschiedenen Krebsarten therapierbar sind.

Aktualisiert: 26.07.2017

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