Aktinische Keratose – gefährliche Spuren der Sonne

Aktinische Keratose an der Hand © istockphoto, JPStrickler

Hinter dem sperrigen Begriff "aktinische Keratose" verbirgt sich ein Frühstadium von hellem Hautkrebs, dessen Entstehung in vielen Fällen auf UV-Strahlung zurückzuführen ist. Dabei bilden sich insbesondere an sonnenexponierten Hautstellen raue, schuppige Hautveränderungen.

Um die Entwicklung eines fortgeschrittenen Hauttumors zu verhindern, ist eine frühzeitige Therapie der aktinischen Keratose wichtig. In Frage kommen verschiedene chirurgische, physikalische und chemische Behandlungsmethoden. In jedem Fall ist für die Heilung von aktinischer Keratose ein konsequenter UV-Schutz unabdingbar.

Was bedeutet aktinische Keratose?

Aktinische Keratose (griechisch "aktis" für Strahl) bedeutet "durch Strahlung hervorgerufene Verhornungsstörung". Synonym werden die Bezeichnungen Lichtkeratose und solare Keratose verwendet.

Nicht zu verwechseln ist aktinische Keratose mit dem Begriff "seborrhoische Keratose" (Alterswarze), der einen gutartigen und harmlosen Hauttumor bezeichnet.

Defintion: Was ist eine aktinische Keratose?

Eine aktinische Keratose ist das Anfangsstadium von weißem Hautkrebs (Plattenepithelkarzinom, Spinaliom), das sich auf die Oberhaut beschränkt (carcinoma in situ) und anders als ein fortgeschrittenes (invasives) Plattenepithelkarzinom nicht in die tieferliegenden Hautschichten eindringt.

Die ebenfalls geläufige Bezeichnung "aktinische Präkanzerose" ist daher nicht ganz eindeutig. Denn laut Definition bezeichnet Präkanzerose eine Hautveränderung, die ein erhöhtes Risiko der Entartung aufweist und somit lediglich eine Vorstufe von Krebs darstellt.

Risikofaktoren: Wer bekommt aktinische Keratose?

Für die Entwicklung einer aktinischen Keratose ist die chronische Lichtschädigung der Haut durch häufige und intensive Sonnenbestrahlung der Hauptrisikofaktor. Dabei kommt es weniger auf die Anzahl der Sonnenbrände, sondern vielmehr auf die kumulative UV-Strahlung an. Somit steigt das Risiko für eine aktinische Keratose mit dem Lebensalter an.

Besonders häufig betroffen sind Männer mit hellem Hauttyp. Weitere Risikofaktoren sind chronische Immunsuppression – etwa nach einer Organtransplantation – sowie die Infektion mit bestimmten Humanen Papillomviren (HPV).

Aussehen und Symptome: Wie erkennt man eine aktinische Keratose?

Typischerweise zeigt sich die aktinische Keratose durch raue, schuppige Flecken oder flachen Plaques von etwa fünf Millimeter bis einem Zentimeter Durchmesser, die zu einer flächigen Hautveränderung zusammenfließen können. Die Farbe kann von hautfarben über rötlich bis zu gelb-braun variieren.

Gelegentlich treten weitere Symptome wie Juckreiz, Brennen sowie Schmerzen bei Berührung auf. Betroffene Hautstellen sind insbesondere "Sonnenterrassen" wie Nase, Stirn, Wangen, Ohrmuscheln, unbehaarte Kopfhaut und Arme. An der Lippe wird die Erkrankung aktinische Cheilitis genannt.

Histologie sichert Diagnose

Bei Verdacht auf eine aktinische Keratose wird in der Regel der ganze Körper auf Hautveränderungen – meist mithilfe eines Auflichtmikroskops – untersucht. Dabei kann die aktinische Keratose in drei Schweregrade (nach Olsen) eingeteilt werden:

  • Grad 1 (mild): Einzelne rötliche Flecken in Millimetergröße, besser tastbar als sichtbar
  • Grad 2 (fortgeschritten): weißliche verhornte und erhabene Plaques, deutlich tastbar und sichtbar
  • Grad 3 (schwer): dicke, warzige Hautwucherungen

Fünf Untergruppen der aktinischen Keratose

In unklaren Fällen sollte eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen werden, um ein fortgeschrittenes Spinaliom auszuschließen. Anhand der Histologie (mikroskopischer Gewebeaufbau) können fünf verschiedene Untergruppen der aktinischen Keratose unterschieden werden:

  • hypertrophe aktinische Keratose
  • atrophe aktinische Keratose
  • bowenoide aktinische Keratose
  • akantholytische aktinische Keratose
  • pigmentierte aktinische Keratose

Wie wird aktinische Keratose behandelt?

Für die Therapie der aktinischen Keratose gibt es zahlreiche Behandlungsmethoden. Die Therapieentscheidung sollte für jeden Patienten individuell getroffen werden und ist von verschiedenen Faktoren wie Anzahl und Größe der betroffenen Hautbereiche, Vorerkrankungen sowie persönlichen Wünschen und Vorstellungen des Patienten abhängig.

Die internationale Leitlinie empfiehlt zur Behandlung der aktinischen Keratose die Klassifizierung der Patienten in vier Untergruppen:

  1. Patienten mit höchstens fünf abgrenzbaren Hautveränderungen in einer Körperregion
  2. Patienten mit mindestens sechs abgrenzbaren Hautveränderungen in einer Körperregion (multiple aktinische Keratosen)
  3. Patienten mit mindestens sechs Hautveränderungen in einer Körperregion und einem zusammenhängenden Hautareal mit chronischer UV-Schädigung und Verhornung (Feldkanzerisierung)
  4. Patienten mit zusätzlicher Immunschwäche (Immunsuppression aufgrund von Medikamenteneinnahme oder einer Erkrankung)

Behandlungsmethoden bei aktinischen Keratose

Im Folgenden werden die verschiedenen Therapieoptionen mit Vor- und Nachteilen im Überblick vorgestellt. Allerdings sind nicht alle Behandlungsmethoden der aktinischen Keratose Kassenleistung – erkundigen Sie sich am besten bei Ihrer Krankenkasse, welche Kosten übernommen werden.

  • Operation
  • Vereisen
  • Laserbehandlung
  • photodynamische Therapie
  • chemische Behandlung

Operation bei einzelnen Hautveränderungen

Sind lediglich einzelne Hautbereiche von aktinischer Keratose betroffen, können diese mit einem Skalpell (Shave Excision) oder einem scharfen Löffel (Kürettage) abgetragen werden.

Anschließend wird das entfernte Gewebe histologisch untersucht – diese Behandlungsmethode dient daher auch dem Ausschluss eines invasiven Plattenepithelkarzinoms.

Nachteil sind die üblichen Risiken einer Operation wie Wundinfektion und Narbenbildung.

Vereisen: Behandlung mit Stickstoff

Die Vereisung mit flüssigem Stickstoff (Kryotherapie) ist eine wirksame Alternative zur chirurgischen Behandlung von einzelnen aktinischen Keratosen. Dabei ist keine örtliche Betäubung notwendig, dennoch kann die Prozedur schmerzhaft sein.

Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Hautirritationen bis zur Blasenbildung und eine dauerhaft helle Verfärbung des behandelten Hautbereichs, da bei der Vereisung auch pigmentbildende Zellen zerstört werden können.

Zudem ist keine histologische Untersuchung möglich – daher ist die Behandlung nicht geeignet, wenn der Verdacht auf einen invasiven Hauttumor besteht.

Infektionsrisiko bei Laserbehandlung

Die Behandlung mittels Laser eignet sich sowohl zum Entfernen von einzelnen als auch von multiplen aktinischen Keratosen sowie für Patienten mit Feldkanzerisierung.

Vorteil ist, dass die Haut flächig abgetragen werden kann, sodass auch frühe, noch nicht sichtbare Hautveränderungen erfasst werden (feldgerichtete Therapie). Eine histologische Untersuchung ist jedoch nicht möglich.

Allerdings kann auch die Lasertherapie schmerzhaft sein und birgt ebenfalls das Risiko von Narbenbildung und Hautverfärbungen.

Zudem ist das Infektionsrisiko aufgrund der großen Wundfläche erhöht, weswegen die Lasertherapie bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem nicht empfohlen wird.

Photodynamische Therapie bei multiplen aktinischen Keratosen

Bei der photodynamischen Therapie werden die betroffenen Hautbereiche mit 5-Aminolävulinsäure oder Methyl-5-amino-4-oxopentanoat in Form einer Salbe oder eines Pflasters vorbehandelt. Die Wirkstoffe werden von den Tumorzellen weitaus stärker als von normalen Hautzellen aufgenommen und führen zu erhöhter Empfindlichkeit gegenüber Licht mit einer bestimmten Wellenlänge.

Nach einer Einwirkzeit von etwa vier Stunden wird die Haut mit einer speziellen Lichtquelle bestrahlt, was zur Zerstörung des betroffenen Gewebes führt. Dabei können Schmerzen, Brennen und Hautirritationen auftreten.

Die Behandlung ist insbesondere bei flächig betroffener Haut geeignet. Das Rückfallrisiko sowie die Gefahr von Hautverfärbungen sollen geringer als bei anderen Therapien sein.

Chemische Behandlung mit Salben und Lösungen

Neben den beschriebenen Behandlungsmethoden gibt es zahlreiche chemische Wirkstoffe in verschiedenen Formen zur örtlichen Behandlung von aktinischer Keratose.

Die Präparate können in der Regel zuhause vom Patienten selbst angewendet werden, die Behandlungsdauer beträgt jedoch meist einige Wochen bis mehrere Monate. Wir haben für Sie eine Übersicht über die wichtigsten Wirkstoffe zusammengestellt:

  • Diclofenac in Hyaluronsäure-Gel (Solaraze®): Der Wirkstoff Diclofenac soll die Vermehrung von Krebszellen hemmen und ist aufgrund der geringen Nebenwirkungen insbesondere für das Gesicht geeignet. Allerdings dauert die Behandlung mindestens zwei bis drei Monate.
  • 5-Fluorouracil: Der Wirkstoff zählt zu den Zytostatika und hemmt die Zellteilung. Die Behandlungszeit beträgt mehrere Wochen – währenddessen kann es mitunter zu recht starken Hautreizungen kommen. Einzelne aktinische Keratosen können alternativ mit niedriger dosiertem 5-Fluorouracil in Kombination mit Salicylsäure behandelt werden, wodurch die Nebenwirkungen reduziert werden können.
  • Ingenolmebutat: Der pflanzliche Wirkstoff wird aus der Wolfsmilch Euphorbia gewonnen und eignet sich für die Behandlung von kleineren Hautbereichen. Ein Vorteil ist die kurze Anwendungsdauer von zwei bis drei aufeinanderfolgenden Tagen. Die häufig auftretende Entzündungsreaktion der behandelten Haut klingt meist innerhalb von zwei bis vier Wochen narbenfrei ab.
  • Imiquimod (Aldara®, Zyclara®): Imiquimod ist ein sogenannter Immunmodulator, der auch zur Behandlung des Basalzellkarzinoms (Basaliom) sowie gegen Feigwarzen eingesetzt wird. Der Wirkstoff regt die Immunabwehr im behandelten Hautbereich an, wodurch es zu einer Entzündungsreaktion kommt, die die Tumorzellen zerstören kann.

Prognose: Wie gefährlich ist aktinische Keratose?

Die aktinische Keratose unterscheidet sich von der fortgeschrittenen Krebsform dadurch, dass es nicht in die tieferen Hautschichten eindringt und daher nicht streuen (metastasieren) kann.

Das Risiko, innerhalb von zehn Jahren ein fortgeschrittenes Spinaliom zu entwickeln, beträgt bei multiplen aktinischen Keratosen etwa zehn Prozent und bei Feldkanzerisierung bis zu 20 Prozent.

Vorbeugen durch Sonnenschutz

Die Rückfallquote nach der Behandlung wird je nach Therapieform mit zehn bis 50 Prozent angegeben. Durch konsequenten Sonnenschutz kann jedoch das Rückfallrisiko sowie die Entstehung neuer aktinischer Keratosen deutlich verringert werden.

Patienten mit aktinischer Keratose sollten daher die Mittagssonne meiden und verstärkt auf ausreichenden Sonnenschutz achten: Bei Aufenthalten in der Sonne sind Kleidung mit UV-Schutz, Sonnenbrille, Kopfbedeckung sowie Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 30 oder höher empfehlenswert.

Aktualisiert: 20.04.2018 – Autor: Jana Wittkowski

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