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Wiederaufbau der Brust nach Krebs

Weibliche Brust nach Brustkrebs © istockphoto, AtnoYdur

Brustkrebs trifft Frauen gleich in doppelter Weise. Zum einen müssen sie sich damit auseinandersetzen, mit Brustkrebs schwer krank zu sein. Zum anderen kann die Behandlung von Brustkrebs eine Amputation der Brust oder beider Brüste mit sich bringen. Für viele Frauen ist der Verlust ihrer Brust verbunden mit dem vermeintlichen Verlust ihrer Weiblichkeit. Sie fühlen sich weniger attraktiv und leiden unter Minderwertigkeitskomplexen. Dank medizinischer Fortschritte ist es mittlerweile jedoch in vielen Fällen möglich, bei Brustkrebs so zu operieren, ohne dass dabei die Überlebenschancen sinken.

Implantate als Alternative

Ist eine brusterhaltende Operation nicht möglich, bietet die plastische Chirurgie Möglichkeiten, die Brust mittels Implantaten oder eigenem Gewebe operativ zu rekonstruieren. Patientinnen sollten sich vor einer Operation darüber informieren, ob eine solche Rekonstruktion für sie in Frage kommt oder nicht. Denn nicht für jede Frau ist der Wiederaufbau ihrer Brust nach Brustkrebs ein Muss. Manche entscheiden sich bewusst gegen jede Form der operativen Rekonstruktion, da sie Weiblichkeit nicht alleine über ihre Brüste definieren wollen. Für andere Frauen wiederum stellt der Wiederaufbau eine psychische Entlastung und Hilfe bei der Krankheitsbewältigung dar.

Neben individuellen Vorlieben müssen immer auch Faktoren wie gesundheitliche Eignung und Verträglichkeit von Implantaten beachtet werden. Es empfiehlt sich daher, bereits vor der Behandlung bei Brustkrebs mit seinem Arzt zu klären, ob und wie die Brust wiederaufgebaut werden soll. Vor allem die Operationstechnik und mögliche Risiken und Komplikationen des Eingriffs sollten Inhalt des Gesprächs sein.

Brustprothesen oder Brustimplantate

Bei einer optischen Rekonstruktion der Brust wird zwischen äußerer Brustprothese oder Brustimplantaten unterschieden. Eine äußere Brustprothese wird im Büstenhalter getragen. Dabei handelt es sich um Watte- oder Silikoneinlagen, die das BH-Körbchen vollständig ausfüllt und in Sanitätshäusern geführt werden. Ihr Gewicht und ihre Beweglichkeit ähneln dem natürlichen Brustgewebe. Silikon passt sich zudem sehr gut der Haut und der verbliebenen Brust an, so dass von außen nicht zu sehen ist, dass es sich um eine Prothese handelt. Solch eine Brustprothese eignet sich für den Zeitraum kurz nach der Operation und wird von den meisten Patientinnen sehr gut vertragen.

Bei warmem Wetter kann unter Umständen unangenehmes Schwitzen unter der Prothese zum Problem werden. Mit geeigneter Wäsche und einer speziellen Hautpflege kann jedoch Abhilfe geschafft werden. Außerdem kann es bei einer großen Oberweite zu Verspannungen und Rückenschmerzen kommen, wenn das Gewicht von Prothese und Brust nicht übereinstimmen. Eine Neuanpassung der Prothese im Fachhandel lindert diese Probleme jedoch meistens.

Operativer Wiederaufbau der Brust

Bei einem operativen Wiederaufbau der Brust gibt es drei Möglichkeiten: Den Brustaufbau mittels künstlicher Brustimplantate ist eine Möglichkeit. Andere Möglichkeiten sind Brustaufbau mit körpereigenem Gewebe oder ein kombiniertes Verfahren mittels Brustimplantate und eigenem Gewebe.

Brustaufbau dank Brustimplantate

Die Vorbereitung für einen späteren Brustaufbau wird schon während der Brustamputation getroffen. Dabei wird ein aufblasbares Kissen unter den großen Brustmuskeln eingesetzt Über ein kleines Ventil, welches in der Achselhöhle sitzt, kann Kochsalzlösung in diesen sogenannten Expander gespritzt werden. Das Kissen dehnt sich aus und weitet auf diese Weise die Haut.

In einwöchigen Abständen wird die Prozedur wiederholt bis das gewünschte Brustvolumen erreicht ist. Damit die Haut ihren Dehnungszustand nicht verliert, sollte etwa ein halbes Jahr bis zum Tausch des Implantats gewartet werden. Dabei wird dann in einer zweiten Operation das mit Kochsalzgefüllte Kissen entnommen und ein endgültiges Implantat eingesetzt. Bei dem Eingriff wird zudem die Brustwarze wiederhergestellt.

Vorteile der Brustimplantate

Diese Form der Brustrekonstruktion ist von allen operativen Formen meistens am wenigsten belastend. Zwar vergehen von der Brustamputation bis zum Wiederaufbau etwa neun Monate, aber dafür bringt diese Operationsform häufig gute kosmetische Ergebnisse hervor. Sie eignet sich vor allem für Frauen mit kleinen und mittleren Brüsten, bei denen der Brustmuskel noch intakt ist.

Bei der Patientin sollte keine Empfindlichkeit gegen eingepflanzte Fremdmaterialien bestehen. Auch sollte davon ausgegangen werden könne, dass keine Bestrahlung mehr stattfinden wird. Sollte dies im Nachhinein doch der Fall sein, kann es zu einer Verschlechterung des kosmetischen Ergebnisses kommen. In seltenen Fällen kann sich eine Art Bindegewebskapsel (Kapselfibrose) um das Implantat bilden, so dass es entfernt beziehungsweise getauscht werden muss. Ein Tausch des Implantats sollte nach etwa 15 Jahren vorgenommen werden. Diese Folgeoperationen müssen bei der Entscheidung der Brustrekonstruktion mit bedacht werden.

Brustaufbau mit körpereignem Gewebe

Diese Form der operativen Brustrekonstruktion ist wesentlich aufwändiger und meist riskanter als ein Brustaufbau mit künstlichem Implantat. Dabei wird körpereigenes Haut-, Muskel- und Fettgewebe von Bauch, Po oder Rücken benutzt, um daraus eine Brust nachzubilden. Der Haut-Muskel-Lappen wird so von der entsprechenden Körperstelle gelöst, dass die versorgenden Blutgefäße noch mit ihm verbunden sind. Er wird dann unter der Achselhöhle hindurch durch einen Hauttunnel auf den Oberkörper gelegt und dort eingenäht. So wird die neue Brust weiter durchblutet.

Der Verlust des Gewebs- und Muskellappens an der entsprechenden Stelle bedeutet für die Frauen meistens keine Einschränkungen in ihrer Beweglichkeit. Auch aus kosmetischer Sicht stellt der Hautverlust kein Problem dar. Das Verfahren hat zudem den Vorteil, dass kein Fremdkörper eingesetzt wird. Die Gefahr einer Empfindlichkeit gegen das neue Gewebe besteht also nicht. Vor allem Frauen, die nach der Operation noch eine Bestrahlung bekommen, können sich auf diese Weise ihre Brust rekonstruieren lassen.

Risiken beim Wiederaufbau der Brust

Dennoch müssen sie sich in einem guten gesundheitlichen Allgemeinzustand befinden, da die Operation mit drei bis vier Stunden relativ lange dauert, Nachblutungen und Infektionen auftreten können und mitunter eine zweite Operation zu Wiederherstellung der Brustwarze stattfindet, wenn dies gewünscht ist. Auch kann es in seltenen Fällen vorkommen, dass die Gewebelappen schlecht durchblutet sind und in einer zweiten Operation wieder entfernt werden müssen.

Ein weiteres Risiko besteht, wenn das Gewebe am Bauch entnommen wurde. Die Stabilität der Bauchdecke kann so in seltenen Fällen in Mitleidenschaft gezogen werden, so dass es mitunter zu Bauchwandbrüchen kommt. Darum ist diese Variante für Frauen, die bereits Bauchoperationen oder Bauchwandbrüche hatten, nicht geeignet. Auch übergewichtigen, zuckerkranken und rauchenden Frauen wird von dieser Operation ebenso abgeraten wie Patientinnen mit Gefäßerkrankungen abgeraten.

Welche Möglichkeit des Wiederaufbaus der Brust am geeignetsten ist und welche Risiken dabei zu beachten sind, sollte in einem persönlichen Gespräch mit einem Arzt geklärt werden.

Aktualisiert: 20.10.2011 – Autor: Astrid Zehbe

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