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Brustkrebs und Bewegung – dem Körper Gutes tun

Sport nach Brustkrebs © pixabay, silviarita

Für den Heilungsprozess bei Brustkrebs spielen sowohl die körperliche Verfassung der Brustkrebs-Patientin als auch der seelische Zustand eine sehr wichtige Rolle. Schon im Krankenhaus erhalten die Patientinnen Tipps für anschließende Rehabilitations-Maßnahmen, die vor allem eine schnelle Reintegration der Betroffenen in das Arbeits- und Sozialleben zum Ziel haben. 

Bewegung fördert die Erholung nach Brustkrebs

Leider nehmen immer noch zu wenige Frauen die Möglichkeit wahr, an diesen weiterführenden Maßnahmen für eine Verbesserung des allgemeinen körperlichen und psychischen Befindens bei Brustkrebs teilzunehmen. Viele Patientinnen mit Brustkrebs sind infolge der Therapie müde und fühlen sich schlapp oder scheuen sich davor, sich zu bewegen, aus Angst, etwas falsch zu machen.

Aber oft reichen schon Spaziergänge, um in Bewegung zu kommen. So steigern ein leichtes Ausdauertraining (zum Beispiel Wandern, Walking, Joggen, Schwimmen und Radfahren) und auch eine effektive Gymnastik das Selbstbewusstsein, erhöhen die Widerstandsfähigkeit gegen Stress und bauen Ängste ab.

Das richtige Maß spielt hier eine wichtige Rolle, damit sich die Betroffenen von Brustkrebs nicht überfordern. In jedem Fall sollte der behandelnde Arzt der Patientin raten, was sie sich zumuten darf. Die Bewegung sollte nicht als Leistungssport betrachtet werden, sondern vor allem dazu dienen, das Allgemeinbefinden zu verbessern.

Was hat Bewegung mit Krebs zu tun?

Lange Zeit verkannte man den tatsächlichen Nutzen von Bewegung und Sport in der Krebsbehandlung. Gingen skeptische Mediziner noch vor 20 Jahren davon aus, dass durch Bewegung Metastasen entstehen könnten, zeigt sich aktuell ein anderes Bild.

Inzwischen gilt der positive Einfluss von Bewegung und Sport auf Krebspatienten als gesichert. Körperliche Aktivitäten sind heute ein wichtiger Bestandteil in der Therapie. Sie dienen der Kräftigung und Wiederherstellung von Körper und Seele.

Studien belegen Einfluss von Bewegung auf Rehabilitation

Die ersten Erfahrungen mit Bewegungstherapie in der Nachsorge und Rehabilitation bei Krebspatienten wurden in Deutschland vor etwa 25 Jahren gemacht. Zu dieser Zeit entstanden auch die ersten Krebsnachsorge-Sportgruppen. In einer ersten Studie untersuchten Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln die Einflüsse körperlicher Aktivitäten in der Rehabilitation bei Patientinnen mit Brustkrebs.

Die Ergebnisse waren erfreulich und es zeigte sich, dass Bewegung einen positiven Effekt auf die körperliche und psychische Konstitution der Patientinnen mit Brustkrebs hatte. Durch diese und weitere Studien erhielten die Bewegungstherapie und der Rehabilitationssport in der Behandlung von Krebs einen wachsenden Stellenwert.

Inzwischen existieren in Deutschland etwa 650 spezielle Krebssportgruppen. Mehr als 90 Prozent der Teilnehmer sind Patientinnen mit Brustkrebs.

Ziele der Bewegungstherapie

Die Bewegungstherapie bei Krebs verfolgt die Ziele, die physischen, psychischen und psychosozialen Ebenen der Patientin positiv zu beeinflussen.

Physische Ebene:

  • Thrombose-Prophylaxe und Förderung des lymphatischen Rückflusses
  • Mobilisation des Schultergelenkes und Vermeidung von Kontrakturen
  • Vorbeugung von Lungenentzündungen
  • Erhalt oder (Wieder-)Gewinn von Kraft, Ausdauer und Koordination
  • Stimulierung des Herz-Kreislaufsystems
  • Bekämpfung des Fatigue-Syndroms (chronische Erschöpfung)
  • Stärkung des Immunsystems

Psychische Ebene:

  • Förderung der Motivation der Patientin und aktive Teilhabe am Genesungsprozess
  • Stress-Abbau
  • Nutzen der eigenen Stärken
  • Ablenkung vom "Problem"
  • Förderung des Selbstbewusstseins und Selbstwertgefühls, vor allem nach Brust-Amputation

Psychosoziale Ebene:

  • Appell an die persönliche Verantwortung
  • Förderung der sozialen Unabhängigkeit
  • Teilhabe am gesellschaftlichen Leben
  • Soziales Miteinander in einer Gruppe als Ergänzung oder Alternative zur Selbsthilfegruppe
  • Positives, gemeinschaftliches Erleben von Bewegung und Sport

Welche Sportarten eignen sich wofür?

Jeder Tag einer Krebspatientin ist anders. Auch wenn sich die betroffenen Frauen müde und erschöpft fühlen, kann ein wenig Bewegung wahre Wunder vollbringen.

Aber es sollte nicht übertrieben werden oder gar bis zur totalen Erschöpfung trainiert werden. Krebs-Betroffene brauchen länger, um sich zu erholen, als Nicht-Betroffene.

Für eine sinnvolle Bewegungsempfehlung sollten drei Therapiephasen unterschieden werden.

1. Akut-Phase

Die Patientinnen sollten direkt nach der Operation (Akut-Phase) mit einer gezielten Physiotherapie (Krankengymnastik) beginnen. Hier werden in der Regel ab dem zweiten Tag nach der Operation, unter Anleitung einer speziell geschulten Therapeutin, erste Dehn- und Mobilisierungsübungen durchgeführt.

Grundsätzlich sollte die operierte Seite genauso wie die gesunde mit einbezogen werden. Kleine Pumpbewegungen mit den Händen und Unterarmen beugen einer Ödembildung vor - zusätzlich kann eine Lymphdrainage helfen. Das Bewegungsausmaß orientiert sich am Schmerz und der Narbenspannung der Patientin. Eine anschließende Hockergymnastik und Gangschule sorgt für eine verbesserte Haltung und Koordination.

Wenn sich die betroffenen Frauen sicher fühlen, sollten sie sich schon im Krankenhaus so viel wie möglich bewegen, am besten täglich. Treppensteigen, das Krankenhaus von außen anschauen - Bewegung und frische Luft tun in jedem Fall gut.

Auch während der Chemotherapie, die über mehrere Monate gehen kann, ist gezielte Bewegungstherapie möglich. Die Patientinnen sollten sich auf keinen Fall in ihrem Krankenbett verkriechen. In vielen Krankenhäusern zeigen Bewegungstherapeuten den Betroffenen, wie bestimmte Bewegungen richtig durchgeführt werden. Falls die gewählte Chemotherapie keinen Einfluss auf das Herz-Kreislaufsystem hat, kann die Patientin sechs Stunden nach der Chemo-Gabe mit einem Ausdauertraining z.B. auf dem Fahrradergometer beginnen.

Während der Bestrahlung und Hormontherapie spricht grundsätzlich nichts gegen bewegungstherapeutische Aktivitäten. Das individuelle Empfinden und die Nebenwirkungen sind hier die entscheidenden Faktoren.

2. Reha-Phase

Die stationäre oder auch ambulante Anschlussheilbehandlung sollte in der Regel nicht später als 14 Tage nach der Entlassung aus der Akut-Klinik begonnen werden. Die dreiwöchige Rehabilitation sorgt für eine schnelle Wiedereingliederung in das Berufsleben, in die Gesellschaft und in den Alltag.

Dort kümmern sich erfahrene Therapeuten und Ärzte um die Patientinnen, die langsam und behutsam an das Training herangeführt werden. Hier sollte auch der erste Kontakt zu den Nachsorge-Krebssportgruppen in Wohnortnähe geknüpft werden. Den meisten Kliniken liegen dazu Adressenlisten vor.

3. Rehabilitationssport zu Hause

Zu Hause angekommen, fühlen sich viele Patientinnen zunächst erleichtert. Andererseits ist diese Situation nicht selten auch mit Unsicherheit und Ängsten verbunden, die es zu bewältigen gilt. Bewegung kann in diesem Zusammenhang helfen, Ängste abzubauen, depressive Verstimmungen zu vermeiden, soziale Kontakte zu knüpfen und das Erschöpfungssyndrom (Fatigue), unter dem viele Patientinnen weiterhin leiden, zu mindern.

Wichtig dabei ist, dass nur regelmäßige Bewegung den weiteren Genesungsprozess fördert. Es sollten Bewegungsformen gewählt werden, die Spaß machen, denn nur so bleibt die Motivation zur ständigen und regelmäßigen Bewegung erhalten. Wenn Bewegung und Sport alleine langweilig und monoton sind, so sind die Krebsnachsorge-Sportgruppen sehr zu empfehlen.

Nach § 44 Sozialgesetzbuch IX wird der Rehabilitationssport in der Krebssportgruppe bezuschusst, und damit hat jede Patientin das Recht, diese finanziellen Zuwendungen zu erhalten. In einer Krebsnachsorge-Sportgruppe können die Patientinnen unter Anleitung speziell ausgebildeter Übungsleiter Bewegung erleben. Hier spielen die Freude, die sozialen Kontakte und das positive Erleben von Bewegung eine zentrale Rolle.

Folgende körperlichen Aktivitäten sind empfehlenswert:

  • Allgemeine Ausdauersportarten (Fahrrad bzw. Standfahrradfahren)
  • Walken, Nordic-Walken (mit geringem Armeinsatz)
  • Ski-Langlauf (mit geringem Armeinsatz)
  • Schwimmen und Aquagymnastik
  • Modifizierte Mannschafts- und Gruppenspiele (zum Beispiel Volleyball mit Softball)
  • leichtes Krafttraining im Fitness-Studio
  • Gymnastik
  • Entspannungsverfahren (zum Beispiel nach Jacobson)

Worauf Patientinnen achten sollten

In der Akut-Behandlung im Krankenhaus sollte nicht an den Tagen trainiert werden, an denen die Patientin Chemotherapeutika erhält, die Herzrhythmusstörungen auslösen. Bei anderen Chemotherapien können nach sechs Stunden Pause körperliche Aktivitäten wieder aufgenommen werden. Zwischen einer Bestrahlung oder Tabletteneinnahme und dem Bewegungsprogramm sollte mindestens eine Stunde liegen.

Übungen, die ruckartig mit den Armen ausgeführt werden oder schnelles Kreisen mit den Armen sind zu vermeiden, um einen "dicken Arm" (Lymphödem) vorzubeugen. Jede körperliche Aktivität sollte mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Hier sollte auf jeden Fall intensive körperliche Anstrengung vermieden werden:

In der Akut-Phase:

Im Reha-Sport:

  • Knochenmetastasierungen
  • Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems
  • Fortgeschrittene Tumorstadien

Quellen: Schüle, K. (2005): Sport- und Bewegungstherapie. In: UNGER, C.; WEIS, J. (Hrsg.): Onkologie. Unkonventionelle und supportive Therapiestrategien. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart: 7-25.

Schüle, K. (2001): Bewegung und Sport in der Krebsnachsorge. Forum DKG, 2 (16): 39-41

Lötzerich H, Peters Ch, Seiler R (1996): Sport und Krebs. Der Einfluss von Sport auf die Psyche und das Immunsystem von Mammacarcinompatientinnen. Forschung Innovation Technologie: das F.I.T.-Wissenschaftsmagazin der Deutschen Sporthochschule Koeln. (1), 1-4

Aktualisiert: 18.10.2016 – Autor: Initiative "Brustkrebs bewegt“

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