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Diagnose Hodenkrebs – was tun?

Mann leidet an Hodenkrebs © istockphoto, Wavebreakmedia

Eine kleine Schwellung am Hoden, die weder wehtut noch stört, und vielleicht ein kleines Ziehen in der Leiste – aber meistens spürt man(n) nicht mal das, wenn sich die Erkrankung breit macht: Hodenkrebs. Jährlich erkranken etwa 4.200 Männer in Deutschland an Hodenkrebs, und zwar meist vor dem 35. Lebensjahr. Damit ist die Erkrankung zwar insgesamt gesehen selten, wenn man überlegt, dass jährlich über 70.000 Frauen an Brustkrebs erkranken. Aber in der Altersgruppe der Männer zwischen 20 und 40 Jahren ist es die häufigste Krebserkrankung überhaupt.

Risikofaktoren für Hodenkrebs

Die Ursache für Hodenkrebs ist bis heute unklar. Aber man weiß inzwischen, was die Entstehung von Hodenkrebs begünstigt. Da ist einmal der so genannte Hodenhochstand, wenn also der Hoden nicht im Hodensack liegt. Normalerweise wandert bei Männern der Hoden während der Entwicklung im Mutterleib erst aus dem Bauchraum langsam in seine richtige Position im Hodensack. Ist dieser Entwicklungsschritt gestört, verbleibt der Hoden beispielsweise in der Leiste, oder sogar im Bauchraum.

Da man weiß, dass dies ein Risiko für Hodenkrebs darstellt, strebt man so früh wie möglich an, den Hoden in die richtige Lage im Hodensack zu bringen, entweder durch Hormongabe oder durch eine Operation.

Auch Jungen mit angeborenen Leistenbrüchen scheinen häufiger an Hodenkrebs zu erkranken. Und man hat festgestellt, dass es oft eine familiäre Häufung gibt, also mehrere Männer in einer Familie betroffen sein können, was für eine genetische Veranlagung spricht. Diskutiert und erforscht wird Zurzeit, welche zusätzlichen Risikofaktoren im Mutterleib dazu führen könnten, dass ein Mann im Laufe seines Lebens an Hodenkrebs erkrankt.

Gute Heilungschancen bei Hodenkrebs

Es gibt verschiedene Arten von Hodenkrebs, je nachdem, aus welchen Zellen der Tumor hervorgegangen ist. Aber allen Tumoren ist eines gemeinsam: Sie können sehr gut behandelt werden. Über 90 Prozent der Männer überwinden die Erkrankung mit Hilfe von Operation, Chemotherapie und Bestrahlung. Und auch bei einem Wiederauftreten der Erkrankung hat man(n) noch gute Aussichten auf eine Heilung!

Welche Behandlung zum Einsatz kommt, hängt davon ab, um welche Tumorart es sich handelt und ob sich die Erkrankung schon auf den Körper ausgebreitet hat. Und natürlich gilt für diese Erkrankung genauso wie für alle anderen Krebserkrankungen: Je früher sie entdeckt wird, desto größer sind die Heilungschancen!

Jede Veränderung am Hoden gehört untersucht

Ein Mann, der bei sich eine Auffälligkeit wie eine Schwellung oder ein Knötchen am Hoden feststellt, sollte möglichst bald einen Urologen aufsuchen. Dieser wird nach einer Befragung den Hoden abtasten und eine Ultraschalluntersuchung machen. Außerdem gehört eine Untersuchung des übrigen Körpers dazu, um nach geschwollenen Lymphknoten zu suchen, die ein Zeichen für Tochtergeschwülste im Körper sein können.

Stellt der Arzt die Diagnose Hodenkrebs, ist eine Operation notwendig, in der der Hoden entfernt wird. Aber auch bei einem Verdacht wird man eine Operation anstreben, um den Hoden genauer untersuchen zu können. Entfernt wird der Hoden in diesem Fall natürlich nur, wenn sich der Verdacht während der Operation bestätigt. Manchmal wird auch gleich eine Gewebeprobe des zweiten Hodens genommen, beispielsweise wenn dieser sehr klein ist. Denn dann besteht die Möglichkeit, dass auch der zweite Hoden schon Gewebeveränderungen aufweist.

Genaue Untersuchung wichtig für weitere Behandlung

Neben der feingeweblichen Untersuchung des entfernten Hodens sind oft weitere Untersuchungen notwendig, um festzustellen, ob und wie weit sich die Erkrankung schon im Körper ausgebreitet hat. In der Medizin heißt das, dass das Stadium der Erkrankung festgestellt wird. Dies ist unumgänglich, um die weitere Behandlung zu planen. Dazu werden in der Regel Röntgen und Computertomographie eingesetzt. Unterschieden werden drei Stadien der Erkrankung:

  • Stadium I bedeutet dabei, dass der Tumor nur auf den Hoden begrenzt ist.
  • Stadium II, dass sich der Tumor auf Lymphknoten in der unmittelbaren Nähe im Bauch- oder Beckenbereich ausgebreitet hat.
  • Stadium III bezeichnet dann alle Erkrankungsstadien, bei denen der Tumor schon in weiter entfernte Lymphregionen Krebszellen gestreut hat, beispielsweise in die Lymphknoten der Lunge. Und auch, wenn schon Organe befallen sind, wie Leber, Knochen oder Gehirn.

Für die Stadieneinteilung wird außerdem jedem Patienten Blut abgenommen und auf so genannte Tumormarker hin untersucht. Tumormarker sind Substanzen, die auch im gesunden Körper vorkommen, aber bei einer bösartigen Erkrankung plötzlich vermehrt auftreten können, weil das Krebsgewebe diese Substanz produziert. Das können bestimmte Eiweiße sein, aber auch Enzyme und Hormone.

Aktualisiert: 26.09.2017 – Autor: Dr. Ute Hillmann / Überarbeitung: Nathalie Blanck

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