Mechanischer Darmverschluss (mechanischer Ileus)

Dünn- und Dickdarm befinden sich in ständiger Bewegung, um die verdauten Nahrungsmittel wellenförmig in Richtung des Enddarms zu befördern. Diese für den Magen-Darm-Trakt typische Bewegung nennt man Peristaltik. Wie stark die Peristaltik sein kann, lässt sich besonders gut bei Durchfallerkrankungen erkennen. Aber auch ein Darmverschluss kann heftige Darmbewegungen auslösen.

Die Folge sind heftige Bauchschmerzen, die je nach Ursache stechend, dumpf oder krampfartig (kolikartig) sein können. Zuerst kann der Schmerz recht gut einer bestimmten Region zugeordnet werden, doch mit der Zeit dehnen sich die Beschwerden auf den gesamten Ober- und Unterbauch aus. Ein Darmverschluss, bei dem Hindernisse im Darm den Weitertransport des Darminhalts beeinträchtigen oder verhindern, wird als mechanischer Darmverschluss (Ileus) bezeichnet.

Was verursacht einen mechanischen Ileus?

Insgesamt ist die Passagestörung häufiger im Dünndarm als im Dickdarm lokalisiert (Dünndarmileus in 80 Prozent, Dickdarmileus in 20 Prozent der Fälle). Man bezeichnet einen mechanischen Ileus auch als Obturationsileus, da die Darmlichtung von innen oder außen eingeengt (obturiert) ist.

Ursachen eines mechanischen Ileus können sein:

  • Adhäsionen und Briden (Verklebungen); ein sehr häufiger Grund, vor allem nach einer Voroperation
  • einengende Tumoren (oft im Dickdarm als Kolonkarzinom)
  • Fremdkörper (zum Beispiel Gallensteine, Kotsteine)
  • Ver-/Einengungen
  • Narbenbildung in der Abheilung (zum Beispiel bei Divertikulitis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
  • Hernien (Bindegewebssäcke), in denen sich der Darm samt seinem Inhalt verkeilt; vor allem Leisten- und Hodenhernien

Nach jeder Operation in der Bauchhöhle können sich Verwachsungen (= Adhäsionen) zwischen den Darmschlingen entwickeln oder narbige Stränge (= Briden) bilden, wodurch der Darmdurchmesser eingeengt wird. Der Adhäsions- oder Bridenileus nach einer Operation kann bereits wenige Tage nach einer Bauchoperation auftreten, jedoch auch erst nach Monaten oder Jahren. Hat der Betroffene bereits mehrere Bauch-Voroperationen durchgemacht, so steigt die Wahrscheinlichkeit deutlich an, dass er später einen Adhäsions- oder Bridenileus entwickelt.

Mechanischer Ileus: Weitere Ursachen

Im Bauchraum können Vernarbungen auch nach schweren Verletzungen, ausgedehnten entzündlichen Darmerkrankungen oder einer ausgeheilten Bauchfellentzündung (Peritonitis) entstehen. Bei einer Bauchfellentzündung (zum Beispiel bei Blinddarmentzündung mit Darmdurchbruch) ist das Risiko einer späteren Ileusentwicklung wesentlich höher als nach einer Blinddarmentfernung ohne Durchbruch.

Bei einem Strangulationsileus ist die Darmwanddurchblutung beeinträchtigt, weil die Darmgefäße verdreht oder abgeschnürt sind. Bei einem Volvulus kommt es zu einer Verdrehung einer Darmschlinge um seine eigene Achse, bei einer Invagination stülpt sich ein Teilstück des Darms in Form einer Falte über das nächst anliegende Darmstück.

Bei entzündlichen Darmerkrankungen oder bösartigen Tumoren kann der Darmdurchmesser so weit verringert sein, dass nur noch ein fadenförmiger Durchgang möglich ist. Durch die heftigen Darmbewegungen (Peristaltik), die den Stuhl durch diesen fadenförmigen Durchgang in Richtung Enddarm bewegen wollen, können sogar so genannte Überlaufdiarrhöen (wässrige Durchfälle) entstehen. Große Gallensteine, die aus der Gallenblase direkt in den Dickdarm durchbrechen, und Kotsteine oder Fremdkörper gehören zu den selteneren Ursachen für einen mechanischen Ileus.

Aktualisiert: 10.12.2018 - Autor: Nathalie Blanck

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