Botulismus – Symptome und Behandlung der Vergiftung

Botulismus-Verdacht: Frau öffnet Glas mit eingemachten Lebensmitteln
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Botulismus ist eine seltene Vergiftung mit einem Nervengift, das unter anderem durch die Konservierung bestimmter Lebensmittel entstehen kann. Auch in Wunden kann sich das Gift Botulinumtoxin bilden. An welchen Symptomen erkennt man Botulismus und was ist im Ernstfall zu tun? Im Folgenden lesen Sie, wie sich Botulismus äußert, wie man ihn behandelt und wie man eine solche Vergiftung durch Lebensmittel verhindern kann.

Was ist Botulismus?

Botulismus ist eine schwere Vergiftung mit einem von Bakterien produzierten Gift namens Botulinumtoxin, das in erster Linie das Nervensystem des Menschen angreift. Meistens handelt es sich um eine Lebensmittelvergiftung. Infolge der Vergiftungen kann es zu Lähmungserscheinungen im Kopfbereich kommen, durch die schlimmstenfalls die Atmung aussetzen kann. So können schon kleinste Menges des Giftes ohne rechtzeitige Behandlung tödlich wirken.

Symptome: Wie erkennt man Botulismus?

Die Symptome treten meistens zwischen 12 und 36 Stunden (Inkubationszeit) nach dem Kontakt mit dem Gift auf. Neben allgemeinen Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung kommt es auch zu spezifischen Symptomen, die vor allem durch die Schädigung des Nervensystems bedingt sind. Dazu gehören:

  • Doppelbilder
  • Weitstellung der Pupillen (Mydriasis)
  • Schwierigkeiten bei der Blickfixierung (Akkomodationsstörung)
  • Schwierigkeiten beim Sprechen (Dysarthrie)
  • Schluckstörungen (Dysphagie)
  • Mundtrockenheit
  • Lähmungen, die meistens in der Nähe des Kopfes beginnen und sich im Verlauf nach unten ausbreiten

Da auch die Atmung durch die Lunge von funktionierenden Muskeln abhängig ist, besteht die Gefahr einer Atemlähmung, wenn diejenigen Muskeln ausfallen, die für die Atmung unbedingt notwendig sind. Ohne frühzeitige und intensive medizinische Behandlung kommt es dadurch zum Tod.

Wann entsteht Botulismus?

Es gibt zwei verschiedenen Formen des Botulismus:

  • Lebensmittelbotulismus: Ein Bakterium mit dem Namen Clostridium botulinum produziert das Botulinumtoxin. Da Sauerstoff für dieses Bakterium toxisch ist, kann es nur in von Luft abgeschlossenen Räumen überleben. Werden also verunreinigte Lebensmittel luftdicht verpackt, beispielsweise in Konservendosen oder in Öl eingelegten Lebensmitteln, können die Bakterien sich vermehren und das Gift produzieren. Bei dieser Entwicklung entstehen meistens, aber nicht immer, Gase.
  • Wundbotulismus: In verunreinigten Wunden, die luftdicht abgedeckt werden, kann sich ebenfalls das Bakterium Clostridium botulinum vermehren und das Toxin produzieren. Wichtig zu wissen ist, dass die Sporen des Clostridien botulinum überall im Boden und in Gewässerschlämmen vorkommen.

Wie verhindere ich Botulismus in Wunden?

Der Erreger Clostridium botulinum kann sich durch besondere Schutzfaktoren von seiner Umgebung abschotten: Er bildet sogenannte Sporen, was bedeutet, dass er sich wie in einer Schutzhülle einpackt. Dadurch ist er in dieser Übergangsform gegen herkömmliche Desinfektionsmittel und Antibiotika resistent.

Besonders Wunden, die durch schmutzige Gegenstände verursacht wurden oder bei denen eine Verunreinigung nicht ausgeschlossen werden kann, sollten daher zunächst vor dem Verbinden gut gesäubert werden, damit diese Sporen ausgewaschen werden können. Das Wachstum des Bakteriums Clostridium botulinum kann außerdem gut verhindert werden, indem Luft an die Wunde gelassen wird. Dies ist allerdings nicht in allen Fällen möglich, im Einzelfall ist es daher ratsam, auf die*den behandelnde*n Ärztin*Arzt zu hören.

Botulismus in Lebensmitteln verhindern

Beim Clostridium botulinum gibt es drei Bestandteile, die bekämpft werden müssen, um den Botulismus zu verhindern:

  • Das Bakterium selbst
  • Die Sporen als umweltresistente Übergangsform (stabil gegen Hitze)
  • Das Botulinumtoxin, das die eigentliche Symptomatik auslöst

Beim Einlegen von Konserven können diese zur Vorbeugung autoklaviert (im Dampfdruckbehälter erhitzt) werden, um auch die Sporen wirksam unschädlich zu machen. Empfohlen wird das Verfahren bei 121 °C über mindestens 15 Minuten beziehungsweise bei 134 °C über mindestens 3 Minuten.

Ohne Autoklav können einzulegende Lebensmittel zweimal innerhalb von zwei Tagen abgekocht werden (bei mindestens 100 °C):

Erster Kochvorgang:

  • Abtötung von Bakterien, die sich nicht in der Sporenform befinden, sondern ungeschützt sind.
  • Außerdem wird das Gift beim mindestens 15-minütigen Kochen zerstört.
  • Achtung: Hitzeresistente Sporen werden nicht unschädlich gemacht.

Ist das Abkochen abgeschlossen, versuchen die Bakterien wieder, sich zu vermehren. Das kann nur in der ungeschützten Nicht-Sporenform passieren. Um diese nun angreifbaren Bakterien abzutöten, ist ein zweiter Kochvorgang erforderlich.

Zweiter Kochvorgang:

  • Die ausgekeimten Bakterien sind nun ungeschützt und werden durch die Hitze abgetötet.
  • Das von ihnen nachproduzierte Gift wird wiederum durch mindestens 15-minütiges Kochen unschädlich gemacht.

Durch welche Lebensmittel wird Botulismus verursacht?

Botulismus wird durch Lebensmittel verursacht, die nicht sachgerecht sterilisiert, aber luftdicht abgeschlossen sind – sowohl durch Wurst-, Fleisch- und Fischkonserven als auch durch Gemüse, Marmelade, Obstkonserven und Honig.

Honig ist dabei insbesondere eine große Gefahrenquelle für Säuglingsbotulismus: Eltern wird vom Füttern von Honig bei Babys generell abgeraten, da sich hierin auch Sporen verstecken können. Bei Säuglingen besteht eine erhöhte Gefahr des Botulismus, da sie noch nicht über eine ausreichend schützende Darmflora verfügen, die bei Erwachsenen im Normalfall vorhanden ist.

Auch bei in Öl eingelegten Speisen besteht die Gefahr des Botulismus, wobei man jedoch bei einer Gasbildung an den dadurch entstehenden Bläschen oftmals die Gefahr des Botulismus im Öl erkennen kann. Besonders von der eigenen Herstellung von aromatischen Ölen ist daher abzuraten, da diese nur schlecht erhitzt werden können. Durch das Beigeben von Zutaten wie Chilis oder Knoblauch in Öl können Sporen eingebracht werden, die während der Ziehzeit auskeimen und Botulinumtoxin bilden können. Nach Möglichkeit sollte man die eigene Herstellung von Kräuter- und Chiliöl daher besser vermeiden.

Botulinumtoxin in Lebensmitteln erkennen

Wer bei der Zubereitung und dem Verzehr von Lebensmitteln aufpasst, kann den Botulismus durch eine Lebensmittelvergiftung in der Regel gut verhindern. Folgende Checkliste kann dabei hilfreich sein, eine Verunreinigung zu erkennen:

  • Sind Konservendosen oder andere luftdichte Behälter ausgebeult, was auf eine Gasentwicklung im Inneren hindeuten könnte?
  • Riecht die Konserve nach dem Öffnen komisch, verdorben oder anders als sonst?
  • Sind Farbe oder Konsistenz verändert?
  • Hat das Essen einen ungewöhnlichen Beigeschmack?
  • Ist das Sterilisationsverfahren der Lebensmittel beim Verarbeitungsprozess zweifelhaft oder unbekannt?

Wird eine der Fragen mit ja beantwortet, ist erhöhte Vorsicht geboten. Im Zweifelsfall sollte vom Genuss dieser Speisen lieber abgesehen werden. Das Botulinumtoxin selbst und auch das Gas, das bei dessen Entstehung gebildet wird, ist allerdings geschmacks- und geruchlos.

Behandlung des Botulismus

Beim Botulismus durch eine Lebensmittelvergiftung wird zunächst die weitere Aufnahme des Toxins verhindert, indem die Entleerung von Magen und Darm (etwa durch eine Magenspülung oder die Gabe von Abführmitteln) angestrebt wird.

Da es sich hierbei jedoch um eine Vergiftung handelt, reicht das alleinige Abtöten der Bakterien durch Antibiotika (zum Beispiel Penicillin) nicht aus, um die Symptome zu beseitigen. Es muss auch das schon aufgenommene Gift aus dem Körper entfernt werden. Hierfür gibt es ein Antitoxin, das verabreicht wird. Bei einer Atemlähmung kann die Zeit bis zum körpereigenen Abbau des Giftes durch eine künstliche Beatmung überbrückt werden.

Durch optimale medizinische Behandlung konnte die Sterblichkeit (Letalität) des Botulismus in den letzten Jahren auf zehn Prozent gesenkt werden, wobei die Zeit der Heilung sehr lange dauert (Monate bis Jahre). Ohne Behandlung führt Botulismus durch die Atemlähmung meistens zum Tod (bis zu 70 Prozent der Fälle).

Angst vor Botulismus

Generell ist zu sagen, dass durch die Sterilisationsvorgaben für Lebensmittel und das Wissen um die Präventionsmaßnahmen im privaten Haushalt in Deutschland und anderen europäischen Ländern der Botulismus sehr selten geworden ist. Besonders bei Aufenthalten in anderen Ländern mit weniger strengen Hygienevorgaben ist beim Verzehr von Lebensmitteln jedoch Vorsicht geboten.

Seit einigen Jahren wird das Krankheitsbild des "chronischen Botulismus", vor allem in der Viehhaltung diskutiert. Ob es diese Form des Botulismus wirklich gibt, oder die Symptome durch andere Faktoren hervorgerufen werden, ist derzeit noch unklar.

Unterschied zwischen Botulismus und Tetanus

Nicht zu verwechseln ist der Botulismus mit dem Tetanus, obwohl es einige Gemeinsamkeiten gibt. Währendem das Botulinumtoxin vom Clostridium botulinum produziert wird und zu Lähmungen (schlaffen Paresen) führt, entstammt das Tetanustoxin dem Clostridium tetani (einer anderen Art von Clostridien) und führt zu Krämpfen. Beide Bakterien sind umweltresistent durch Sporen und verursachen sehr ernste Krankheitsbilder. Gegen das Tetanustoxin besteht die Möglichkeit einer Impfung, gegen das Botulinumtoxin jedoch nicht.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
A05.1

Aktualisiert: 30.07.2021 - Autor: Miriam Kunz, Studentin der Humanmedizin

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