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Stuhlinkontinent – was tun?

Mann mit Stuhlinkontinenz auf Toilette © istockphoto, vadimguzhva

Die Ursachen einer Stuhlinkontinenz sind vielfältig: Falsche Ernährung, Verstopfung, Muskelschwäche im Alter oder chronische Krankheiten können Auslöser für eine Stuhlinkontinenz sein. Therapeutisch können zum Beispiel eine Ernährungsumstellung und eine Kräftigung des Beckenbodens gegen die Stuhlinkontinenz helfen. Im folgenden Artikel erfahren Sie, wie Sie eine Stuhlinkontinenz erkennen, welche Ursachen bestehen und was Linderung verspricht, wenn Sie stuhlinkontinent sind.

Was ist Stuhlinkontinenz? 

Stuhlinkontinenz beschreibt die Unfähigkeit, den Stuhl und Verdauungsgase bis zum willkürlichen Stuhlabsetzen im Enddarm zurückzuhalten. Bis zu drei Prozent der deutschen Bevölkerung sind betroffen.

Wann spricht man von Stuhlinkontinenz?

Allgemein spricht man von Stuhlinkontinenz, wenn Darmgase oder Darminhalt regelmäßig unwillkürlich aus dem Enddarm entweichen und nicht bis zum Toilettengang zurückgehalten werden können.

Stuhlinkontinenz ist abzugrenzen von Einkoten (Enkopresis). Einkoten beschreibt – teilweise sogar willkürliches – Absetzen von Stuhlgang normaler Konsistenz an Stellen, die im soziokulturellen Umfeld des Betroffenen nicht dafür vorgesehen sind.

So verläuft die Diagnostik

Um eine Stuhlinkontinenz zu diagnostizieren, ist ein Arztbesuch notwendig. Zum Stellen der Diagnose Stuhlinkontinenz sind für den Arzt vor allem die Symptome entscheidend, die der Patient im ärztlichen Gespräch schildert.

Hilfreich bei der Diagnostik ist zudem eine körperliche Untersuchung mit rektal-digitaler Untersuchung, bei der die Spannung des Schließmuskels gemessen wird. Die Muskelspannung des Schließmuskels kann zusätzlich mithilfe von apparativen Messgeräten gemessen werden, zum Beispiel in Form von Kontinenztests. Ein gesunder Mensch kann hier im Normalfall etwa 800 ml Flüssigkeit zurückhalten.

Je nach Fall können auch bildgebende Untersuchungen wie ein MRT des Enddarms hilfreich sein.

Wie funktioniert die Stuhlentleerung im Normalfall?

Tritt Stuhl in den Enddarm vor, werden dort Dehnungsrezeptoren aktiviert. Dadurch erschlafft der innere Schließmuskel automatisch. Währenddessen erhöht sich die Muskelspannung des äußeren Schließmuskels, den wir willkürlich steuern können. Vom Gefühl her entsteht Stuhldrang. Der Stuhl wird erst entleert, wenn der äußere Schließmuskel und der Beckenboden entspannen.

Symptome und Einteilung der Stuhlinkontinenz

Eine Stuhlinkontinenz wird medizinisch anhand der Ausprägung ihrer Symptome in drei Schweregrade eingeteilt:

  • Grad 1: Unkontrollierter Abgang von Darmgasen
  • Grad 2: Unkontrollierter Abgang von flüssigem Stuhl
  • Grad 3: Unkontrollierter Abgang von festem Stuhl

Daneben bestehen zwei Sonderformen von Stuhlinkontinenz:

  • Stuhlschmieren beschreibt den Abgang geringster Stuhlmengen.
  • Das Urge-Syndrom, die Dranginkontinenz, ist definiert als die Notwendigkeit, sofort eine Toilette aufzusuchen, sobald Stuhldrang besteht, weil der Stuhl bei Betroffenen nach Eintritt in den Enddarm nicht länger zurückgehalten werden kann.

Typische Ursachen einer Stuhlinkontinenz

Es gibt viele verschiedene Ursachen für Stuhlinkontinenz:

  • Im Alter ist eine häufige Ursache für Stuhlinkontinenz eine chronische Verstopfung (Obstipation) in Kombination mit einer abnehmenden Fähigkeit, den Beckenboden und den Schließmuskel willkürlich zu steuern. Häufig tritt in diesen Fällen der Beckenbodenschwäche gleichzeitig eine Harninkontinenz auf. 
  • Bei einer natürlichen Geburt oder bei einer Operation kann es zu muskulären Verletzungen des Schließmuskels kommen, was eine Stuhlinkontinenz hervorrufen kann. 
  • Geschwüre im Enddarm, wie zum Beispiel Darmkrebs, können Muskulatur und Nerven im Enddarm schädigen und damit eine Stuhlinkontinenz begünstigen. 
  • Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa können eine Stuhlinkontinenz mit sich bringen. Grund dafür kann eine durch die chronische Entzündung des Enddarms hervorgerufene eingeschränkte willkürliche Kontrolle über den Schließmuskel sein. Verstärkt wird die Inkontinenzgefahr durch die Neigung zu starkem Durchfall und entzündlichen Fisteln zwischen Darm und Haut.
  • Bei neurologischen Erkrankungen der Nerven, wie einer Querschnittslähmung oder nach einem Schlaganfall, kann eine willkürliche Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur eingeschränkt sein, was eine Stuhlinkontinenz zur Folge haben kann. 
  • Nach dem Konsum von Alkohol sinkt die allgemeine Muskelspannung im Körper und damit auch die des Schließmuskels und des Beckenbodens. Deshalb kann Stuhl im alkoholisierten Zustand schlechter zurückgehalten werden.
  • Bei Kindern können bereits mit der Geburt Fehlbildungen der Muskulatur oder des Nervensystems vorliegen, die symptomatisch oft mit einer Stuhlinkontinenz einhergehen können. Dazu zählen zum Beispiel Fehlanlagen des Darmes (Atresien), Muskelerkrankungen und Formen einer Spina Bifida (Meningomyelozelen).

Was tun bei Stuhlinkontinenz?

Das Thema "Inkontinenz" generell ist für Betroffene und auch Angehörige belastend und schambesetzt. Umso wichtiger ist es, sich professionelle Hilfe zu holen. Dies trifft natürlich auch im Fall der Stuhlinkontinenz zu.

Allgemeinmaßnahmen wie Stuhlregulierung, in Zusammenarbeit mit Hausarzt und Physiotherapeut durch Muskelübungen und gezielte Ernährung, können der erste Schritt in der Behandlung sein. Zudem sind pflegerische Maßnahmen und medizinische Hilfsmittel wie zum Beispiel Einlagen und Windeln eine wichtige Unterstützung im Alltag mit Stuhlinkontinenz.

Hilfsmittel bei Stuhlinkontinenz

Es gibt für Erwachsene viele medizinische Produkte, die dabei unterstützen, trotz Stuhlinkontinenz einen weitgehend normalen Lebensalltag zu führen. Dazu zählen zum Beispiel Einlagen, Analtampons und Windeln für Erwachsene, die es zum Beispiel in Drogeriemärkten zu kaufen gibt.

Welche Therapie hilft?

Beckenbodentraining und Beckenbodengymnastik helfen, mit gezielten Übungen den äußeren Schließmuskel zu kräftigen. Mithilfe dieser Übungen wird die willkürliche Anspannung der Beckenbodenmuskulatur gefördert. Ebenso hilfreich wie Beckenbodengymnastik kann hier auch Biofeedback-Training als weitere Möglichkeit der Behandlung sein.

Tritt die Stuhlinkontinenz vor allem bei dünnem Stuhl auf, können Medikamente wie Loperamid helfen, indem sie die Darmtätigkeit verlangsamen. Bei Verstopfung kann die Stuhlinkontinenz hingegen mithilfe von Medikamenten behandelt werden, die unterstützend auf die Darmtätigkeit wirken (Laxantien).

Behandlung durch chirurgische Verfahren

Als letzte Möglichkeit der Therapie gibt es zudem chirurgische Verfahren. Muskelrisse des inneren und äußeren Schließmuskels können zum Beispiel genäht und so die Muskulatur wieder funktionsfähig gemacht werden.

Ist nicht die Muskulatur, sondern die Nervenversorgung des Enddarms der Auslöser der Stuhlinkontinenz, kann zum Beispiel ein Schrittmacher implantiert werden. Dieser stimuliert die Nerven des Schließmuskels und aktiviert den Muskel auf diese Weise.

Ernährung: Was essen bei Stuhlinkontinenz?

Generell sollte bei Stuhlinkontinenz auf blähende Speisen verzichtet werden. Eine Ernährungsberatung kann bei Stuhlinkontinenz ebenfalls hilfreich sein, um individuelle Tipps zu geben. So kann zum Beispiel einer Verstopfung oder einer Neigung zu Durchfällen gezielt vorgebeugt werden.

Betroffene, die zu Durchfall oder einer Dranginkontinenz neigen, sollten zum Beispiel eher auf Ballaststoffe verzichten oder diese zumindest mit ausreichend Flüssigkeit verzehren. Dagegen ist es bei Verstopfung empfehlenswert, gezielt Ballaststoffe zu essen, um die Darmbewegungen dadurch anzuregen.

Welcher Arzt behandelt eine Stuhlinkontinenz?

Generell empfiehlt es sich, mit Symptomen einer Stuhlinkontinenz zuerst zum behandelnden Hausarzt zu gehen. Dort können bereits erste Untersuchungen gemacht und Therapieempfehlungen gegeben werden. Dazu zählen zum Beispiel eine Ernährungsumstellung, Medikamente zur Stuhlregulierung oder die Überweisung zum Physiotherapeuten.

Wenn diese Maßnahmen der Behandlung nicht ausreichend Besserung verschaffen, wird eine Stuhlinkontinenz typischerweise von einem Proktologen behandelt.

Aktualisiert: 16.08.2018 – Autor: Dr. med. Julia Völker

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