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Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom

Beim Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, einer glücklicherweise extrem seltenen, abgewandelten Form (auch Münchhausen-by-proxy-Syndrom oder MSBP genannt), täuschen Mütter Krankheiten bei ihrem Kind vor und setzen es damit ständigen Krankenhausaufenthalten, schmerzhaften Untersuchungen und langwierigen Therapien aus. Sie eignen sich detailliertes Fachwissen über Krankheiten an und verstehen es, die entsprechenden Symptome bei ihrem Kind vorzutäuschen oder mit zum Teil grausamen Methoden auszulösen.

Eine Qual für die Kinder

Beim Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom behandeln Mütter eigenmächtig nicht-existente Krankheiten, mit zum Teil lebensgefährlichen Medikamenten. Sie erzeugen Krämpfe, Fieber, Erbrechen, Hautausschlag, Herzrhythmusstörungen oder Atemstillstand – Torturen, die mehr als 10 Prozent der Kinder nicht überleben.

Die Väter der Kinder sind häufig abwesend oder tolerieren das kranke Verhalten der Mütter, vor allem indem sie vorgeben, es nicht zu merken.

Anzeichen von Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom

Typisch ist, dass solche Mütter ein sehr engagiertes, soziales Verhalten zeigen, sich öffentlich liebevoll und aufopfernd um das Kind oder andere Patienten kümmern und ein enges Verhältnis zu Pflegepersonal und Ärzten suchen. Sie stimmen bereitwillig auch schmerzhaften oder komplikationsreichen Untersuchungen zu oder fordern diese sogar aktiv ein.

Auffällig ist auch, dass sie sich weigern, ihr Kind allein zu lassen und keiner Behandlung des Kindes während ihrer Abwesenheit zustimmen. Sie wechseln häufig die Ärzte und geben an, dass die anderen nicht ausreichend und gründlich genug gesucht oder behandelt hätten.

Ursachen und Behandlung

Warum die kranken Frauen solch grausame Mutterliebe zeigen, ist bisher noch ungeklärt. Vermutet wird, dass ein Zusammenhang mit Vernachlässigung oder sexuellem Missbrauch in der eigenen Kindheit besteht. Die Therapie der kranken Mütter ist nahezu unmöglich; in einem Teil der Fälle hilft die (zeitweise) Trennung von Mutter und Kind.

Aktualisiert: 25.07.2017 – Autor: Dagmar Reiche

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