Posttraumatische Belastungsstörung: Wie äußert sich die PTBS?

Dauern die Symptome einer akuten Belastungsreaktion Monate an oder entwickeln sich neue Beschwerden bis zu sechs Monate nach dem auslösenden Erlebnis, spricht man von einer posttraumatische Belastungsstörung (PTBS, engl. posttraumatic stress disorder, PTSD).

Die Posttraumatische Belastungsstörung

Eine PTBS ist vergleichsweise selten, was bedeutet, dass die meisten Menschen auch ein schwer belastendes Ereignis ohne Folgeschäden überstehen.

Ein erhöhtes Risiko, eine posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln, haben Menschen, die bereits zuvor an einer psychischen Störung wie beispielsweise einer Depression oder Angsterkrankung gelitten haben und Betroffene, bei denen das Trauma auch mit körperlichen Verletzungen einhergeht.

Symptome der PTBS

Typisch ist, dass der Betroffene die traumatische Situation immer und immer wieder erlebt – in Form von Albträumen, Erinnerungsfetzen bis zum Gefühl, sich wieder in diesem Geschehen zu befinden und alle psychischen und körperlichen Beschwerden wie Entsetzen, tiefe Verzweiflung, (Todes-)Angst und Hilflosigkeit erneut durchzumachen.

Auch ähnliche Situationen oder nur einzelne, an sich harmlose Reize können diesen Zustand nochmals hervorbeschwören: ein Geruch, eine bestimmte Formulierung, ein Kleidungsstück, ein Fernsehbericht, ein Türeknallen.

  • Der Betroffene meidet zunehmend Situationen, Gedanken, Orte und Menschen, die solche "Flashbacks" auslösen, oft mit der Folge, dass er sich mehr und mehr auch aus dem normalen Alltagsleben zurückzieht.
  • Auf der anderen Seite stumpft die normale Reaktionsfähigkeit zunehmend ab; der Betroffene kann sich an wichtige Aspekte des auslösenden Ereignisses nicht erinnern, sein Interesse an Tätigkeiten und Mitmenschen erlahmt. Er fühlt sich von seiner Umwelt distanziert, ist in seinen Gemütsreaktionen gedämpft – kann sich weder richtig freuen, noch richtig trauern. Die Zukunft erscheint oft bedrohlich oder "überschattet".
  • Zum dritten befindet sich der Betroffene in einem ständigen Zustand der Übererregung: Er ist sehr schreckhaft, reizbar und neigt zu Wutausbrüchen, ist häufig innerlich unruhig und "überwach", hat Einschlaf- und Durchschlafstörungen und kann sich nur schlecht konzentrieren.

PTBS: Eingeschränkter Lebensalltag als Folge

Aufgrund der beschriebenen Symptomatik ist die Lebensführung bei einem PTBS-Erkrankten deutlich beeinträchtigt. Viele der Betroffenen entwickeln Depressionen oder psychosomatische Erkrankungen wie Schmerzsyndrome und versuchen, ihre Ängste mit Alkohol oder anderen Drogen zu betäuben.

Die Gefühle des Ausgeliefertseins und der Hilflosigkeit, der Unfähigkeit, das Erlebte zu verarbeiten und selbst etwas gegen die Situation tun zu können, aber auch diffuse Schuldgefühle machen den Betroffenen besonders zu schaffen – nicht zuletzt ist die Selbsttötungsrate wohl auch deshalb erhöht.

Veränderte Körperfunktion durch PTBS

Die "Fluchtsituation" spiegelt sich auch in den Körperfunktionen so sind manche Hormone wie CRH, Adrenalin und Noradrenalin erhöht, andere wie Kortisol vermindert.

Viele Reflexe und die Mandelkerne (Amygdala) im Gehirn, eine empfindliche Alarmanlage für unsere Wahrnehmung und die damit verknüpften Gefühle, sind dauerhaft überaktiviert.

Aktualisiert: 15.10.2018 – Autor: Dagmar Reiche

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