Psychosomatik - Das Zusammenspiel von Seele und Körper

Besorgte Frau – Psychosomatik © Karolina Grabowska / Kaboompics

Der Hausarzt findet bei mehr als 20 Prozent aller Patienten keine organische Ursache für deren Beschwerden – oft sind die eigentlichen Krankheitsauslöser bei genauerer Betrachtung der individuellen psychischen und sozialen Faktoren zu finden.

Was versteht man unter Psychosomatik?

Psychosomatik ist die Lehre der Krankheiten, die sich körperlich äußern und dabei teilweise oder ganz psychisch verursacht werden.

Das psychosomatische Verständnis geht davon aus, dass sich Körper und Seele gegenseitig beeinflussen, und sieht den Menschen als eine biopsychosoziale Einheit, deren einzelne Bestandteile nur miteinander funktionieren können. Dieser ganzheitliche Grundgedanke ist in der Medizin in vielen Bereichen vorhanden – so verfolgt ihn auch jeder Hausarzt, wenn er seinen Patienten nicht nur nach seinen aktuellen Beschwerden fragt, sondern auch Näheres zur Familie oder der Arbeit seines Patienten wissen will und er ihn fragt, ob es ihm ansonsten ganz gut geht. Allerdings war der Stellenwert der psychosomatischen Idee in den letzten Jahrhunderten nicht immer gleich.

Historische Entstehung der Psychosomatik

Der Arzt in Antike und Mittelalter behandelte immer gleichzeitig Leib und Seele, um seinen kranken Patienten möglichst umfassend zu versorgen. Seine Auffassung von Krankheit war von der Temperamentenlehre geprägt, die davon ausging, dass Körpersäfte und seelischer Zustand eng miteinander verknüpft sind.

Erst die naturwissenschaftliche Forschung in der Medizin ab dem 16. Jahrhundert änderte diese Sichtweise. Krankheit wurde als eine chemisch-physikalische Veränderung in den Körperzellen definiert, die mit Arzneimitteln behandelt werden konnte. Diese naturwissenschaftliche Medizin gerät allerdings bis heute bei Krankheiten, bei denen keine Veränderungen der Organfunktionen nachweisbar sind, in eine gewisse Erklärungsnot.

Ab Ende des 19. Jahrhunderts entstand als medizinische Gegenströmung die Psychosomatik. Sie wollte die individuell unterschiedlichen Krankheitseinflüsse und -verläufe genauer beleuchten und so die Behandlung der naturwissenschaftlich ungenügend therapierbaren Beschwerden verbessern. Wichtige Vorkämpfer der heutigen psychosomatischen Erkenntnisse waren Sigmund Freud und Franz Alexander, später kamen dann unter anderem Erklärungsmodelle von Hans Selye und Thore von Uexküll hinzu.

Wie macht sich Psychosomatik im Alltag bemerkbar?

Den Zusammenhang zwischen Psyche und Körper kann jeder von uns tagtäglich am eigenen Leib erfahren – sei es, dass einem "etwas schwer im Magen liegt", "der Schreck in die Glieder fährt", man "sich vor Angst fast in die Hose macht" oder dass man vor Scham errötet und sich in einer unangenehmen Situation der Herzschlag beschleunigt. Diese Erfahrungen zeigen, dass sich Emotionen sowohl auf autonome Körperfunktionen wie Herzschlag, Blutdruck oder Blasen- und Darmtätigkeit als auch auf den Bewegungsapparat mit seinen Muskeln auswirken und sie beeinträchtigen können.

Das Wechselspiel zwischen Psyche, Verhalten, dem Nerven- und Immunsystem wird inzwischen seit fast 30 Jahren von einem speziellen psychosomatischen Forschungsbereich untersucht, der Psychoneuroimmunologie (PNI). Sie hat bereits vielfältige Verknüpfungen zwischen den verschiedenen Bereichen herausgefunden, ohne meist im Einzelnen genau sagen zu können, auf welche Weise die Wechselwirkung ausgelöst wird. Einige Übertragungswege allerdings sind bereits gut erforscht, so wirkt sich z.B. chronischer Stress negativ auf die verschiedenen Zellen des Immunsystems aus.

Aktualisiert: 18.07.2012 – Autor: Nathalie Blanck

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