Psychosomatik - Entstehung und Behandlung

Wie entstehen Krankheiten mit psychosomatischem Anteil?

Das Erklärungsmodell von Sigmund Freud geht davon aus, dass sich unbewusste Konflikte dem Bewusstsein durch Verdrängung entziehen und sich dann körperlich darstellen. Dadurch wird das körperliche Symptom zum Symbol für den psychischen Konflikt. Dieses Konversion (psychisch wird zu physisch) betrifft oft die Sinnesorgane (Blindheit, Ohrgeräusche, Schwindel) oder die Motorik (Lähmungen, Muskelkrämpfe). Max Schur, auch ein Psychoanalytiker und der Arzt Freuds, war der Meinung, dass der Mensch im Laufe seines Lebens lernt, auf eine Belastung nicht mehr körperlich zu reagieren, sondern sein Denken und seine Phantasie, also seine Ich-Funktionen, ausgebildet werden. Unter zu starker Belastung würde er dann wieder in das frühkindliche Verhaltensmuster zurückfallen und körperlich, also mit einer psychosomatischen Erkrankung, reagieren.

Verschiedene Theorien

Während Franz Alexander einen spezifischen Zusammenhang zwischen dem psychischen Konflikt und der Reaktion des Körpers sah, veränderten George L. Engel und Arthur H. Schmale diesen Erklärungsansatz und sahen Zeitpunkt des Auftretens und Lokalisation der Erkrankung bei jedem Einzelnen abhängig von der psychischen Verfassung, nicht jedoch die Körperreaktion an sich. Pierre Marty fand bei Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen gehäuft eine Phantasiearmut und eine bestimmte mechanistische Denkart, so dass er einen Zusammenhang zwischen Charaktermerkmalen und der Neigung zu psychosomatischen Krankheiten unterstellte.

Für Martin Seligman sind fehlgesteuerte Lernprozesse die Ursache für die psychosomatische Erkrankung, auch Hans Selye sieht die Erkrankung als Endergebnis einer Stressreaktion, auf die sich der Einzelne nicht anders wehren kann.

Am weitesten greifen die heute verwandten biopsychosozialen Erklärungsmodelle für die Entstehung einer psychosomatischen Krankheit, z.B. von Thore von Uexküll. Sie umfassen nicht nur biologisch-körperliche, emotionale und intellektuelle Komponenten des Einzelnen, sondern auch seine soziale Situation und seine Lebensgeschichte und sehen in dem Zusammenspiel eine Begründung für die Krankheitsentstehung.

Gibt es eine psychosomatische Behandlung?

Kopf-, Brust-, Bauch- und Rückenschmerzen sind neben Müdigkeit, Schwindel, Atemnot und Schlafstörungen die häufigsten Beschwerden, weswegen ein Patient zum Arzt geht – und die häufigsten Beschwerden, bei denen keine Ursache gefunden wird. Also gerade bei der Behandlung dieser Beschwerden ist es besonders wichtig, psychische und körperliche Aspekte gleichermaßen zu berücksichtigen. Aber auch ansonsten sollten Sie sich immer fragen, ob Sie außer der medizinischen Behandlung nicht vielleicht etwas mehr für sich tun könnten, um den Heilungsverlauf zu beeinflussen:

  • Gesunde Ernährung unterstützt das Gesundwerden – essen Sie aber auch Lebensmittel, auf die Sie Lust haben und von denen Sie wissen, dass sie für Sie "Seelennahrung" sind.
  • Bewegung an der frischen Luft aktiviert Ihr Immunsystem – und die Sonne vertreibt schlechte Gedanken.
  • Entspannungsübungen bauen Stress ab und helfen Ihnen, ausgeglichener zu werden.
  • Fragen Sie sich, ob bestimmte Lebensumstände zu Ihren Beschwerden beitragen. Wenn Sie sich unsicher sind, nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch und reden Sie mit einem Psychologen oder Psychotherapeuten über Ihre Probleme.
  • Ganzheitliche Medizinansätze finden Sie u.a. in der Naturheilkunde, Homöopathie, traditionell chinesischen Medizin und anderen östlichen Weisheitslehren. Fragen Sie Ihren Arzt, ob er Ihnen bei einer ganzheitlichen Behandlung helfen kann.

Aktualisiert: 27.10.2017 – Autor: Nathalie Blanck

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