Magersucht ist am Essverhalten vorhersehbar

Laut der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik kann, bevor sich eine Magersucht (Anorexia nervosa) manifestiert, das Essverhalten den Angehöriger einen entscheidenden Hinweis auf das zu erwartende Übel geben. Anorektiker essen bereits zwei Jahre vor Ausbruch der Krankheit fast 400 Kilokalorien weniger – durchschnittlich 230 kcal täglich. Die Chancen auf den Erfolg der Therapie sind umso besser, je früher die Erkrankung erkannt wird.

Der gemeinsame Mittagstisch fördert die Familien- und Esskultur

Der gemeinsame Mittagstisch im Kreis der Familie wird vor allem aus zeitlichen Gründen heute weniger gepflegt als früher. Gemeinsames Essen ist Ausdruck einer Familienkultur mit der Funktion der Kommunikation und des Informationsaustausches unter den Familienmitgliedern.

Durch aufmerksames Beobachten am gemeinsamen Esstisch könnte auffälliges Essverhalten erkannt und dem Betroffenen frühzeitig geholfen werden, ehe die körperliche und seelische Gesundheit gefährdet wird.

Welches Verhalten ist auffällig?

Wenn Jugendliche peinlichst genau auf den Fettgehalt von Lebensmitteln achten, auffallend langsam essen und ihre Nahrungsaufnahme ständig kontrollieren, sollten bei Eltern und Freunden die Alarmglocken schellen.

Meist sind die Betroffenen unter 25 Jahre alt. Es sind oft besonders introvertierte, zuverlässige, gewissenhafte und hilfsbereite Jugendliche mit hoher Intelligenz und hervorragenden Schulleistungen. Magersucht entsteht in der Regel in der Pubertät. Deshalb geht man davon aus, dass die Betroffenen Schwierigkeiten haben, ihre Geschlechtsidentität zu finden und somit erwachsen zu werden.

Für viele Patienten scheint der Versuch, Kontrolle über ihr Körpergewicht ausüben zu können, ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Das Körpergewicht wird eine wichtige Quelle für das Selbstwertgefühl.

Schlanksein als Schönheitsideal

Ein weiterer Faktor ist das gesellschaftliche Schönheitsideal. In westlichen Gesellschaften gilt seit etwa den 60er Jahren ein sehr schlanker Körper als attraktiv. Der soziale Druck, dünn zu sein, ist zweifelsohne durch die Medien auferlegt. Frauenzeitschriften, Fernsehen und Werbung fördern die Entstehung fragwürdiger Idole und erzwingen Anpassung in den Bereichen Mode, Schönheit und Erotik.

Junge Frauen durchlaufen während der Pubertät körperliche Veränderungen, werden unter Umständen "fülliger" und weiblicher. Während sie erst ein Gefühl für ihren "neuen" Körper entwickeln müssen, können sie durch dieses übertriebene Schlankheitsideal stark verunsichert werden.

Fehlendes Krankheitsbewusstsein erschwert die Therapie

Anorektikern fehlt jegliches Krankheitsbewusstsein, was eine therapeutische Intervention erschwert. Folgen der Mangelernährung sind endokrinologische und körperliche Komplikationen. Der Stoffwechsel, Herz und Kreislauf sowie die Nieren können in ihren Funktionen beeinträchtigt werden, außerdem sind Störungen im Wasser- und Elektrolythaushalt sowie im Blutbild neben allgemeiner Schwäche die Folgeerscheinungen der Magersucht.

Die Therapie magersüchtiger Patienten schließt neben der psychotherapeutischen Behandlung das Erreichen eines normalen Essverhaltens und die Normalisierung des Körpergewichts ein.

Aktualisiert: 11.06.2018

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