PTCA: Vor- und Nachteile

Vor- und Nachteile des PTCA-Verfahrens

Die primäre Erfolgsrate der PTCA ist mit über 90 % sehr hoch. Der Patient hat bis auf die Einstichstelle keine Wunde, die verheilen muss und ist praktisch sofort beschwerdefrei und leistungsfähiger. Dies lässt sich bereits am Tag nach der Untersuchung im Belastungs-EKG zeigen.

Kehrseite des vergleichsweise einfachen Eingriffs ist die hohe Rückfallrate: Bei etwa einem Drittel der Patienten hält die Aufdehnung trotz medikamentöser Unterstützung nur einige Monate vor und die PTCA muss wiederholt werden.

Einrisse in der Gefäßwand

Um das Langzeitergebnis der PTCA zu prüfen, wird nach etwa einem halben Jahr erneut eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt. Eine mögliche Komplikation des Eingriffs ist der Einriss der Gefäßinnenwand infolge der Aufdehnung. Kleinere Einrisse sind oft unvermeidbar und unbedeutend, größere können dagegen den Blutstrom beeinflussen. Der Arzt versucht, sie mit Hilfe einer erneuten Aufdehnung oder mit einem Stent zu verkleben. Bleibt das erfolglos, ist meist eine Bypass-Operation angezeigt.

Gefahr eines Blutgerinnsels

Außerdem kann es zur Bildung eines Blutgerinnsels und zum Ablösen von Ablagerungen kommen, die sich dann mit dem Blutstrom fortbewegen, das Gefäß an einer engeren Stelle komplett verschließen und so zu einem Herzinfarkt führen können. Auch dies kann evtl. durch eine erneute Aufweitung und einen Stent verhindert werden, Medikamente können das Gerinnsel auflösen.

Bei Misserfolg ist eine sofortige Notfall-Bypass-Operation unumgänglich, was allerdings bei weniger als 2 von 1000 Patienten der Fall ist. Daneben kann es durch das verschleppte Material auch zu einem Verschluss der Lungengefäße (Lungenembolie) oder Hirngefäße (Schlaganfall) kommen.

Allergische Reaktionen

Weitere seltene, aber potentiell lebensgefährliche Komplikationen sind – wie bei einer Herzkatheteruntersuchung – Herzrhythmusstörungen, allergische Reaktionen oder Schilddrüsenfunktionsstörungen wegen des Kontrastmittels.

Hohe Verletzungsgefahr

Etwas häufiger treten Haut-, Weichteil- oder Nervenverletzungen an der Einstichstelle, Blutungen, Entzündungen, Durchblutungsstörungen und Verletzungen am punktierten Gefäß auf.

Ein tödlicher Verlauf tritt mit einer durchschnittlichen Häufigkeit von ca. 0,05% der Fälle auf – wobei das Risiko auch von den Vorerkrankungen und dem Alter abhängt.

PTCA mit Stent oder Bypass-Op?

In einer Untersuchung mit 3000 Patienten in Europa und USA (Syntax-Studie, 2008) wurde die Aufdehnung mit Stent-Versorgung verglichen mit der Bypass-Operation. Ergebnis: Die PTCA ist schonender, die Betroffenen scheinen danach weniger Schlaganfälle zu erleiden. Dafür muss sie im Vergleich zur Bypass-Operation wegen der hohen Rückfallquote meist wiederholt werden. Interessanterweise war keines der beiden Verfahren im Hinblick auf Sterblichkeit und Herzinfarktrate überlegen.

Aktualisiert: 23.10.2017 - Autor: Dagmar Reiche

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