Das Stoma – die künstliche Verbindung zwischen Innen und Außen

Ein Stoma ist eine operativ geschaffene Verbindung zwischen dem Körperinneren und der Haut. Stomas sind zwar erst stark gewöhnungsbedürftig, führen aber bei vielen Betroffenen zu anhaltender Beschwerdefreiheit und manchmal auch zur Verbesserung der Lebensqualität.

Was ist ein Stoma?

Unter einem Stoma versteht man eine künstlich angelegte Körperöffnung nach außen, die ein Organ – egal ob Luftröhre (Tracheostoma), Harnblase (Urostoma), Magen (Gastrostoma) oder Darm (Ileostoma, Kolostoma) – mit der Körperoberfläche verbindet. Für die operative Anlage eines Stomas gibt es verschiedene Gründe – allen gemeinsam ist, dass sich ohne ein Stoma der Gesundheitszustand des Betroffenen oft dramatisch verschlechtern würde.

Was muss man als Stomaträger beachten?

Viele Betroffene reagieren spontan abwehrend, wenn sie das erste Mal mit der Therapieoption "Stomaanlage" konfrontiert werden, denn ein Tracheostoma zieht mit seiner exponierten Lage unvermeidlich Blicke auf sich, ein Uro- oder Kolostoma verbindet man automatisch mit der Gefahr des "Auslaufens" und "Riechens".

Meist ist die Anlage eines permanenten Stomas auch mit einer schweren Grunderkrankung – sei es Krebs oder eine chronische Darmerkrankung – verbunden, die manchmal schon über Jahre zu einer Einschränkung der Lebensqualität geführt hat. So führen die chronischen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zu wiederkehrenden Blutungen, Darmverengungen, massiven Koliken und einer erhöhten Krebsgefahr. Oft führt die Stomaanlage bei Patienten mit Darmentzündungen zu einer Verbesserung der Lebensqualität, bei Krebspatienten ist das Stoma neben der Krebsdiagnose noch ein zusätzliches Problem.

Viele Fragen, die den Umgang mit dem Stoma betreffen, lassen sich bereits im Vorfeld klären. Jedes Krankenhaus arbeitet mit ausgebildeten Stomatherapeuten zusammen, die zusammen mit dem Betroffenen die bestmögliche Stomaversorgung auswählen und viele Bedenken zerstreuen können. Natürlich erfordert das Tragen eines Stomas oft ein Umdenken: Manche Sport- oder auch Berufsarten sind mit Stoma nur eingeschränkt möglich, auch der Partner muss mit der neuen Situation zurechtkommen.

Einschränkungen durch Stomas

Mit einem Tracheostoma wird Riechen und Schmecken nur noch sehr eingeschränkt möglich sein, da die Atemluft nicht mehr an den Riechzellen vorbeiströmt. Sprechen ist meist nur mit einer Sprachkanüle möglich, denn für den Sprachvorgang muss etwas Luft durch den Kehlkopf strömen und die Stimmbänder in Schwingungen versetzen.

Beim Uro- und Kolostoma kommt es vor allem auf das individuell passende Beutelsystem an. Es gibt ein- und zweiteilige Systeme: Beim zweiteiligen System wird ein dicht haftender Kunststoffring um das Stoma geklebt und an ihm wird der durchsichtige, weiße oder naturfarbene Stomabeutel befestigt, deren Filtereinsatz dafür sorgt, dass kein unangenehmer Geruch entweichen kann.

Bei einteiligen System sind Klebering und Beutel vereint. Das zweiteilige System hat den Vorteil, dass der Klebering für 24 bis 48 Stunden auf der Haut verbleiben kann.

Komplikationen mit Stomas

Das Tracheostoma umgeht die oberen Atemwege, in denen die Atemluft normalerweise gereinigt und angefeuchtet wird – eine Infektanfälligkeit der Bronchien ist die Folge. Bei allen Stomata kann sich das im Körperinneren gelegene Hohlorgan zurückziehen (Retraktion), was zur Verkleinerung der Stomaöffnung (Stenose) führen kann und manchmal operativ behoben werden muss.

Bei einer Entzündung der Stoma-Umgebung oder einer allergischen Reaktion auf Komponenten des Kleberings hilft der Stomatherapeut weiter. Undichte oder "riechende" Beutelsysteme sind meist auf falsche Bedienung zurückzuführen – mehrere Umfragen der Deutschen ILCO e.V. haben gezeigt, dass diese Probleme von den Betroffenen eher selten angegeben werden.

Schwerwiegende Probleme sind die psychische Belastung durch ein Uro- und Kolostoma mit der Angst vor lauten Darmgeräuschen und die mit dem Stoma einhergehende Störung der Sexualfunktion, die von fast der Hälfte der Betroffenen genannt werden. Manchmal kann der Austausch in einer Selbsthilfegruppe hilfreich sein.

Aktualisiert: 06.06.2019
Autor*in: Nathalie Blanck

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