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Heilberufe - Eine kurze Geschichte der Heilberufe

Eine kurze Geschichte der Heilberufe

So wie die Menschheitsgeschichte mit Krankheit, Geburt und Tod einhergeht, gehört auch der Beruf des Heilers zu den ältesten überhaupt. Auch Kunstfehler und Rechtstreitigkeiten scheinen nicht erst zum Alltag der Moderne zu gehören – die ersten uns bekannten systematisch sortierten rechtlichen Regelwerke umfassten auch Regelungen zum Heil-, v.a. Arztberuf: Die fast 4000 Jahre alte Sammlung babylonischen Rechts, der bekannte Codex Hammurapi, enthält z.B. Ausführungen zu Gebührenregelungen und Haftungsfragen.

Zwischen Genehmigungen und Verboten

Im Mittelalter fanden neben dem Arzt auch der Apotheker und die Hebamme Eingang in die gesetzlichen Berufsregelungen: Ausführungen zu Beistandspflichten und zum Honorar, Vorschriften bei Komplikationen und zur Schweigepflicht, Anweisungen zu den Prüfungsordnungen. Etliche dieser Vorschriften gelten so oder ähnlich bis heute. In der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde auch der Grundstein für das Berufsbild des Heilpraktikers gelegt: Das Ausüben der Heilkunde durch Laien wurde erstmals gesetzlich geregelt. Über die nächsten Jahrhunderte fand ein steter Wechsel zwischen sog. Kurierfreiheit und Kurierverbot statt, nicht selten motiviert von einzelnen Berufsgruppen, den eigenen Status zu sichern oder Reglementierungen zu beschränken.

Kurierfreiheit bedeutet, dass jeder die Heilkunst ohne Zulassung oder Nachweis einer Ausbildung ausüben darf, solange keiner Schaden nimmt.

Das aktive Kurierverbot bedeutet ein Verbot der Heilkundeausübung ohne entsprechende Ausbildung, das passive Kurierverbot verbietet dem Heilungssuchenden, sich von einem Laien behandeln zu lassen. Im Jahr 1869 wurde Kurierfreiheit eingeführt, sodass nur der eine spezielle Zulassung (Approbation) brauchte, der einen bestimmten Titel wie Arzt oder Apotheker führen wollte; behandeln durfte jeder. Daraufhin stieg der Zahl der Laienbehandler stark an und stagnierte erst mit dem Einführen der Krankenkassen, die nur die Kosten für ärztliche oder ärztlich angeordnete Behandlungen übernahmen.

Heilpraktikergesetz

1939 wurde dann durch das Heilpraktikergesetz (das im Prinzip bis heute gilt) die Kurierfreiheit erneut abgeschafft. Geplant war, damit über eine gewisse Zeit den Berufsstand des Heilpraktikers komplett abzubauen. Sowohl bereits praktizierende Heilpraktiker als auch neue Anwärter konnten erst nach dem Überprüfen ihres Wissens eine Tätigkeitserlaubnis erlangen; neue Anwärter sollten gar nicht mehr zugelassen werden. In den 50er-Jahren wurde festgestellt, dass die Berufszugangssperre nicht mit dem Recht auf freie Berufsausübung vereinbar ist und diese wieder abgeschafft. Seitdem kann in Deutschland jeder, der die Voraussetzungen erfüllt, die Heilpraktikererlaubnis erwerben.

In Deutschland sind zwar die Berufsbezeichnungen geschützt und nur wenige Heilberufe (wie Ärzte, Heilpraktiker, Psychotherapeuten, Physiotherapeuten, Hebammen) dürfen nach dem Gesetz Diagnosen stellen und Heilbehandlungen durchführen; alle anderen dürfen nur beratend tätig sein. Allerdings ist die Bezeichnung "Therapeut“ nicht geschützt, kann also auch von Personen mit mangelnder oder unprofessioneller Ausbildung geführt werden, die nicht zu einer Behandlung berechtigt sind. Die Zeiten des passiven Kurierverbots sind allerdings vorbei – jeder Patient darf selbst entscheiden, von wem und wie er behandelt werden möchte.

Aktualisiert: 20.01.2017 – Autor: Dagmar Reiche

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