Arzneimittel im Straßenverkehr

Mehrspurige Autobahnen
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Alkohol beeinträchtigt das Fahrvermögen - jedem ist diese Tatsache bekannt. Wie aber wirken sich Medikamente beim Autofahren aus? Welche Medikamente sind besonders kritisch? Der Anteil an Unfällen, beim denen Alkohol im Spiel ist beträgt 37%. Immerhin ungefähr 20% aller Unfälle werden durch Medikamente mitverursacht.

Welche Störungen können auftreten?

Gerade beim Autofahren oder auch beim Bedienen von Maschinen ist eine geschärfte Wahrnehmung erforderlich. Sehen, Hören, schnelles Handeln, richtiges Reagieren und das alles in Bruchteilen von Sekunden ist notwendig, um ein Fahrzeug sicher Führen zu können. Treten nun Störungen wie Verwirrtheit, Schwindel, verzerrtes Sehen, Doppelwahrnehmungen oder Müdigkeit auf ist die Reaktionszeit verlängert. Zusätzlich können eine eingeschränkte Kritikfähigkeit und eine langsamere Auffassungsgabe zu weiteren Einschränkungen führen.

Bei welchen Medikamenten ist Vorsicht geboten

  • Beruhigungs- und Schlafmittel
    Diese Mittel können zum Teil erhebliche Beeinträchtigungen beim Autofahren oder beim Bedienen von Maschinen bedingen, da sie durch ihre beruhigende Wirkung die Aufmerksamkeit verringern. Die Wirkung kann - je nach Zeitpunkt der Einnahme - auch noch bis zum nächsten Morgen anhalten.
  • Mittel gegen hohen Blutdruck
    Menschen, die unter hohem Blutdruck leiden müssen täglich Arzneimittel - so genannte Antihypertonika - einnehmen. In manchen Fällen kann es unter der Einnahme zu einem Blutdruckabfall kommen, der zu Schwindel und Benommenheit führen kann.
  • Augentropfen
    Vorsicht ist auch bei allen pupillenerweiternden Augentropfen geboten. Wenn Sie beim Augenarzt waren und dieser für entsprechende Untersuchungen das Auge weitgetropft hat, ist das Auge anschließend für einige Stunden gegen Licht extrem empfindlich.
  • Insulin und Antidiabetika
    Diabetiker können durch ihre Medikamente in einen Unterzucker geraten, der wiederum Verwirrtheit, Zittern oder Sehstörungen auslösen kann. Andererseits wird Diabetikern erst durch diese Medikamente das Autofahren möglich. Ein gut eingestellter Diabetiker, der die Anzeichen einer drohenden Unterzuckerung richtig deutet, kann problemlos am Straßenverkehr teilnehmen.
  • Mittel gegen Heuschnupfen und Allergien
    Die älteren Antiallergika, so genannte H1-Antihistaminika, können müde machen - Aufmerksamkeit und Reaktionsschnelligkeit lassen nach. Für Personen, die auf das Auto angewiesen sind gibt es inzwischen Antiallergika, die diese Nebenwirkung nicht mehr haben.
  • Psychopharmaka
    In diese Gruppe gehören antidepressiv wirkende Mittel, Neuroleptika (Mittel gegen Psychosen), Beruhigungsmittel (Tranquilizer), Lithiumpräparate und stark wirkende Schlafmittel wie z. B. die Benzodiazepine. Bei all diesen Medikamenten ist in jedem Fall bei der Teilnahme im Straßenverkehr Vorsicht geboten. Zusätzlich konsumierter Alkohol wirkt bei allen Psychopharmaka stark risikoverstärkend.
  • Schmerzmittel, die Morphin enthalten, Mittel gegen Erkältungskrankheiten, codeinhaltige Hustenmittel
    Codein und Morphin sind Wirkstoffe, die häufig Müdigkeit oder Benommenheit hervorrufen. Auch in Mitteln gegen Erkältungskrankheiten oder Hustenblockern können Wirkstoffe enthalten sein, die den Autofahrer beeinträchtigen. Lesen Sie deshalb aufmerksam die Packungsbeilage Ihres Medikamentes.
  • Alkoholhaltige Arzneimittel
    Grippetropfen, Immunstimulantien oder Hustentropfen enthalten fast alle Alkohol. In Zusammenhang mit anderen Arzneimitteln wie beispielsweise Schlafmitteln kann sich die Wirkung des Alkohols und des Schlafmittels potenzieren.
  • Arzneien gegen Anfallsleiden
    Antiepileptika können durch ihre Nebenwirkungen die Verkehrstüchtigkeit beeinflussen. Gefährlich sind auch Dosisänderungen und Änderungen des verwendeten Medikaments.
  • Weitere Mittel, die die Verkehrstüchtigkeit beeinflussen können:
    Präparate gegen Reiseübelkeit, einige Appetitzügler, Mittel gegen Magen-Darm-Geschwüre, Mittel gegen Muskelverspannungen - die so genannten zentralen Muskelrelaxantien sowie einige Parkinsonmittel.

Tipps für eine sichere Teilnahme im Straßenverkehr

  • Wenn Sie mehrere Arzneimittel nehmen müssen, können sich die Wirkungen der einzelnen Wirkstoffe nicht nur addieren, sondern auch potenzieren. Deshalb sollten Sie Ihren Arzt informieren, welche Medikamente Sie außerdem noch nehmen.
  • Nehmen Sie Ihre Medikamente zum angegebenen Zeitpunkt ein. Ein Abführmittel zum falschen Zeitpunkt eingenommen kann sehr unangenehme Wirkungen zeigen.
  • Wenn Sie Arzneimittel einnehmen müssen, die die Fahrtüchtigkeit beeinflussen, trinken Sie keinen Alkohol!
  • Halten Sie die vom Arzt vorgegebene Dosierung ein.
  • Bei älteren Menschen kann es vorkommen, dass schon eine normale Dosis stärkere Wirkungen oder Nebenwirkungen zeigt.

Ganz allgemein lässt sich sagen, dass bei allen Medikamenten, die zum ersten Mal genommen werden der Beipackzettel gut gelesen werden sollte, um entsprechend informiert zu sein. Bei der Vielzahl der Wirkungsweisen ist die Information über die Zusammenhänge sehr wichtig. Die Apotheke kann Sie zu den Neben- und Wechselwirkungen der einzelnen Medikamente beraten.

Aktualisiert: 11.01.2017

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