Schmerzmittelmissbrauch

Schmerzmittelmissbrauch
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Wer regelmäßig zu Schmerztabletten greift, bekämpft nicht nur die Schmerzen, sondern ruft sie unter Umständen sogar selbst hervor. „Eine langfristige Einnahme kann zu Schmerzen führen, die durch das Schmerzmittel ausgelöst werden“, warnt Dr. Isabel Justus, Geschäftsführerin der Apothekerkammer Bremen. Eine dauerhafte Schmerztherapie im Selbstgang kann zudem lebensgefährliche Gesundheitsschäden verursachen.

Schmerztabletten: Langzeiteinnahme problematisch

„Viele Menschen möchten jederzeit leistungsfähig sein und denken nicht darüber nach, welche gesundheitlichen Folgen die häufige Einnahme von Medikamenten hat“, sagt Justus. Der Griff zur Schmerztablette sei für viele einfacher und schneller, als den Schmerz mit frischer Luft, Trinken und Entspannung zu therapieren oder die Ursache zu bekämpfen. Eine Langzeiteinnahme bewirke häufig einen so genannten Analgetika-Schmerz. Justus: „Das ist ein Schmerz, den Schmerzmittel als Nebenwirkung durch die Gewöhnung verursachen.“ Dies sei eine chronische Schmerzform, die sich nur schwer behandeln lässt. „Es entsteht ein Teufelskreis. Der Betroffene nimmt Schmerztabletten gegen den Schmerz ein, was wiederum neue Schmerzen verursacht.“ In diesem Stadium spreche man bereits von einer Medikamentenabhängigkeit.

Schmerzmittel: Rezeptfrei bedeutet nicht risikofrei

Insgesamt habe die Selbstmedikation in den letzten Jahren zugenommen, vor allem aber der Erwerb von rezeptfreien Schmerzmitteln. „Um dem Missbrauch entgegen zu wirken, sind schmerzlindernde Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen und Paracetamol nur in reichdauerorientierten Packungsgrößen in der Apotheke erhältlich“, so Justus. Die Wirkstoffe sind bei unsachgemäßer Anwendung eine Gefahr für die Gesundheit. „Der erhöhte Gebrauch von Paracetamol kann zu schweren Leberschäden führen.“ ASS werde auch in niedrig-dosierter Form zur Prophylaxe bei Patienten mit Herzerkrankungen eingesetzt. In keinem Fall dürfen die Betroffenen ASS und Ibuprofen zusammen einnehmen. „ASS ist blutverdünnend und verhindert, dass die Blutplättchen zusammenkleben. Ibuprofen hebt genau diese Wirkung wieder auf“, erklärt die Kammergeschäftsführerin. Herzpatienten sollten deshalb Arzt und Apotheker darauf aufmerksam machen, dass sie bereits mit ASS therapiert werden.

Höchstdosierung und Dauer der Anwendung einhalten

Eine dauerhafte Einnahme von ASS im Selbstgang könne Niere und Magen schädigen und zu inneren Blutungen führen. Gleiche Nebenwirkungen seien bei einer Langzeittherapie mit Ibuprofen zu erwarten. Schwangere sollten grundsätzlich vor der Einnahme eines Schmerzmittels einen Arzt konsultieren. „Während der Schwangerschaft ist ASS und Ibuprofen allerdings kontraindiziert“, sagt Justus. Zudem dürften Kinder keinesfalls ASS einnehmen. „Das kann zu dem so genannten Reye-Syndrom führen, einem lebensgefährlichen, nicht-behandelbaren Syndrom, das schwere Leber- und Gehirnschäden nach sich zieht.“ Schmerzmittel sollten in der Regel nicht länger als drei Tage in Folge oder zehnmal pro Monat eingenommen werden. „Patienten, die die zugelassene Höchstdosierung und Dauer der Anwendung überschreiten, setzen in jedem Fall ihre Gesundheit auf‘s Spiel“, so Justus.

Aktualisiert: 22.06.2011
Autor*in: Apothekerkammer Bremen

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