Schlangengift – Heilendes Gift

Schlange © rihaij

Der australische Inland-Taipan ist die giftigste Schlange der Welt. Doch ihr tödliches Gift kann auch Leben retten: im Tierversuch wurde es erfolgreich zur Vorbeugung von chronischer Herzinsuffizienz eingesetzt. Schon heute verwendet man Schlangengiftkomponenten in der pharmazeutischen Industrie und in der Medizin im Bereich der Blutgerinnung und in der Neurobiologie oder inzwischen auch in der Krebsforschung. Produkte mit Schlangengift werden seit langem in der Homöopathie etwa zur Behandlung von Rheuma verwendet.

Schlangentoxin als pharmazeutischer Rohstoff

Giftschlangen – ihr Biss bedeutet zwischen 50.000 bis 100.000 Tote pro Jahr. Hinzukommen unzählige Opfer mit Spätschäden wie Verlust einer Hand oder eines Beines. Manche Schlangengifte lähmen Muskeln und Atmung, andere stören die Blutgerinnung und das Opfer blutet stark; Herz-Kreislaufstörungen bis hin zum Kollaps sind weitere Symptome.

Aber was in hoher Konzentration bei einem Biss schadet, kann auch nützlich sein: Schlangengift, gezielt eingesetzt - genauer gesagt die Moleküle einzelner Substanzen - bedeutet auch Heilung etwa bei Bluthochdruck und als Blutgerinnungshemmer.

Schlangengift in der Medizin

Aus dem Gift der Südamerikanischen Lanzenotter etwa kann eine Substanz gewonnen werden, die die Blutgerinnung fördert. Batroxobin heißt der Stoff, mit dem Wunden, die während Operationen entstehen, einfach und schnell gewissermaßen zugeklebt werden können. Vor der Operation entnimmt man dem Patienten etwas Blut und verdickt es mit der Schlangensubstanz. Während der Operation kann dann dieses gelartig veränderte Blut auf offene Blutgefässe und andere Wunden aufgetragen werden, worauf das Blut verklumpt und sich die Wunde sofort verschließt.

Allein in den neun großen Industrieländern erleiden zehn Millionen Menschen pro Jahr einen Schlaganfall, 2,5 Millionen Menschen einen Herzinfarkt. Thrombosen sind eine Hauptursache dafür. Aus einem gerinnungshemmenden Eiweiß im Gift einer afrikanischen Viper entwickelten Pharmaforscher Ende der neunziger Jahre den Wirkstoff Tirofiban – so heißt der erste Vertreter einer Gruppe von Gerinnungshemmern. Diese verhindern, dass Blutplättchen verklumpen und Gefäße verstopfen. Man verabreicht sie bei akuten Herzbeschwerden im Krankenhaus, denn sie mindern das Infarkt-Risiko.

Schlangengift in der Krebstherapie

Noch steht die biochemische Analyse der Schlangegifte am Anfang, aber die Erfolge sind viel versprechend. Dr. Johannes Eble vom Institut für Physiologische Chemie und Pathobiochemie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster erhofft sich durch die Forschung mit Schlangengiften therapeutisch anwendbare Substanzen in der Tumortherapie. Er hat nämlich herausgefunden, dass das Reptiliengift auch geeignet sein könnte, das Wandern von Krebszellen zu verhindern.

Krebs ist das unkontrollierte Wachstum abnormaler Körperzellen. Gefährlich ist besonders ihr Eindringen in gesundes benachbartes Gewebe und die Besiedlung entfernter Körperteile – die Metastasen. Ebles Ansatzpunkt nun ist die Grenze zwischen dem Tumor und dem umgebenden Gewebe.

Die wichtigste dieser so genannten Gewebsbarrieren ist die Basalmembran. Sie ist normalerweise für Zellen undurchlässig, nicht aber für metastasierende Tumorzellen. Sie durchdringen die Basalmembran und dringen in anderes Gewebe ein, sie gelangen in die Blutbahn und befallen andere Organe. Um die Basalmembran zu überwinden haben Tumore an ihrer Oberfläche so genannte Zelladhäsionsmoleküle, die Integrine.

Eble fand heraus, dass Schlangengifte Wirkstoffe enthalten, die gegen diese Integrine gerichtet sind und die Zellwanderung damit hemmen können. "Ein Medikament aus diesen Giften zu entwickeln, das die Invasion und Metastasierung von Tumoren vermindert, ist ein lohnenswertes Ziel", hofft Dr. Eble, "aber wir stehen erst am Anfang eines langen und ungewissen Weges".

Schlangengift in der Homöopathie

Auch in der Homöopathie ist Schlangengift begehrt. Das Gift wird von allergieauslösenden Bestandteilen gereinigt und getrocknet. Anschließend wird es hoch verdünnt. Angewendet werden diese Mittel bei so unterschiedlichen Krankheiten wie Bronchitis, Allergien, Gelenkbeschwerden, Heuschnupfen und Rheuma. Wie die "Apothekennachrichten" berichten, wendet Norbert Zimmermann, Heilpraktiker und Gründer des Zentrums für Naturheilverfahren in Bottrop, seit vielen Jahren Schlangengift in seiner Praxis an: "Schlangengifte in geringen homöopathischen Dosen sind hoch wirksam bei der Therapie aller entzündlichen chronischen Krankheiten", erläutert er.

In der Schlangengift-Therapie (Reintoxin-Therapie) werden gerade einmal ein hundertstel Milligramm des Giftes verwendet. Entzündungsherde in den Gelenken verschwinden durch die muskelentspannende Wirkung und die Stärkung des Auto-Immunsystems durch das Toxin. Das Gift der Schlangen wird übrigens auf einer deutschen Schlangenfarm zu pharmazeutischen Zwecken gewonnen – bis zu sechs Mal pro Jahr werden sie "gemolken".

Das Zentrum für Naturheilkunde erhält das Serum über Apotheken. Dort setzt man das Gift von 40 verschiedenen Schlangenarten ein bei rheumatischen Erkrankungen, Gelenkentzündungen und Arthritis. Nebenwirkungen gibt es nicht. Ein Behandlungsplan umfasst zehn bis zwölf Sitzungen, nach drei Spritzen spürt der Patient bereits eine deutliche Besserung der Beschwerden.

Private Krankenkassen ersetzen die Behandlungskosten, Kassenpatienten tragen die Kosten selbst. Auch in der Therapie von chronischen Schmerzen, Migräne, Neuralgien, chronischen Nierenentzündungen, Asthma, Neurodermitis sowie Heuschnupfen und anderen Allergien soll diese bislang einzigartige Behandlungsmethode erstaunliche und schnelle Behandlungserfolge zeigen.

Aktualisiert: 29.07.2014 – Autor: bo

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