Hilfe für den Zappelphilipp

Kind mit ADHS © Greyerbaby (Symbolfoto)

Sie zappeln unentwegt mit Händen und Füßen, können sich nie längere Zeit auf Spiele oder auf ihre Schulaufgaben konzentrieren. Dabei sind sie oft vorlaut und platzen mit Antworten heraus, bevor eine Frage überhaupt zu Ende gestellt worden ist. Solche Kinder sind eine wahre Tortur. Für Eltern, Geschwister, Kindergarten oder Schule. Bei der Krankheit, an der rund fünf Prozent der Kinder in Deutschland leiden, handelt es sich nicht um die Folge von Erziehungsfehlern, um ein Intelligenzdefizit oder um böswilliges Verhalten.

Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS)

Die volkstümlich "Zappelphilipp-Syndrom" genannte Krankheit ist eine Behinderung, ausgelöst durch angeborene und erworbene Veränderungen im Gehirnbotenstoffwechsel. Offiziell heißt die Krankheit "Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung" (ADHS). Sie ist gekennzeichnet durch erhebliche Beeinträchtigungen der Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit, durch innere Unruhe und unkontrollierte Impulsivität.

In jedem fünften Fall leiden die Kinder zugleich an einer Lese- und Rechtschreibschwäche (Legasthenie). Ein Drittel der Kinder muss in der Schule eine Klasse wiederholen, fast die Hälfte wird zeitweilig vom Unterricht ausgeschlossen und jeder zehnte wird schließlich der Schule verwiesen und landet auf der Sonderschule.

Gut behandelbar, aber nicht heilbar

Nach heutigem Wissen ist das Zappelphilipp-Syndrom zwar gut behandelbar, aber nicht heilbar. In der Therapie können je nach individuellem Fall Erziehungskonzepte, psychologische Betreuung, Bewegungs- und Verhaltenstherapie kombiniert werden mit der Verabreichung von Medikamenten (Wirkstoff Methylphenidat). Das Medikament aktiviert das Erregungssystem des Stammhirns und führt zur vermehrien Ausschüttung von Botenstoffen wie Dopamin.

Manche Therapeuten setzen ausdrücklich auf eine Behandlung ohne Medikamente – nur durch Konzentrationstraining. Am Haunerschen Kinderspital der Universität München hat sich ein Team auf die Behandlung der Kinder durch eine Spezialdiät, hauptsächlich unter Weglassen von Süßigkeiten und Milchprodukten, konzentriert. Auch wenn beim Zappelphilipp-Syndrom eine Grundkrankheit vorliegt, können offenbar Faktoren wie Ernährung, zu strenge oder zu lasche Erziehung und übermäßiger Fernsehkonsum die ADHS-Symptome erheblich verstärken.

Möglichst früh zum Arzt oder Psychologen

Durch die Behandlung lernt der Betroffene, mit seinen Schwächen umzugehen und seine vorhandenen Fähigkeiten besser zu nutzen. Dadurch wird häufig erreicht, dass sich die schulischen Leistungen verbessern, das Kind von den Mitschülern nicht mehr sozial ausgegrenzt wird und infolgedessen ein gesundes Selbstwertgefühl entwickelt. Wichtig ist, dass die Krankheit, die meist schon im Vorschulalter auftritt (zwischen dem fünften und dem siebten Lebensjahr), exakt und möglichst früh diagnostiziert wird, und dass keinesfalls von den Eltern auf eigene Faust Medikamente wie Beruhigungsmittel verabreicht werden.

Aktualisiert: 09.05.2017 – Autor: medizindirekt

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?