Verdauungstrakt: Welche Untersuchungen gibt es?

Arzt untersucht Verdauungstrakt von Mann mit Ultraschall
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In Mundhöhle, Schlund, Speiseröhre und Magen-Darm-Trakt wird die Nahrung durchmischt und zerkleinert, der Speisebrei weitertransportiert, die Nährstoffe aufgespalten und ins Blut aufgenommen sowie die Abfallprodukte ausgeschieden. Auf dem Weg vom Mund zum After können viele Störungen diese Funktionen des Verdauungstrakts beeinträchtigen. Um sie zu erkennen, gibt es verschiedene diagnostische Möglichkeiten. Wir stellen Ihnen vor, welche Untersuchungen es gibt

Verdauung: Was passiert im Magen-Darm-Trakt?

Im Verdauungstrakt ist so einiges los:

  • Der Mensch schluckt etwa 25-mal pro Stunde, die zerkleinerten Speisen gelangen nach etwa 30 Sekunden des Kauens in die Speiseröhre und in wenigen Sekunden weiter zum Magen.
  • Dort werden sie durchmischt, verdaut und weiter transportiert – Flüssigkeiten nach wenigen Minuten, Ölsardinen zum Beispiel erst nach über 8 Stunden.
  • Sie gelangen in den Darm, der auseinandergefaltet insgesamt eine Länge von etwa fünf Metern ergibt. Durch große und kleine Ausstülpungen vergrößert sich die Oberfläche des Dünndarms um das 300-fache und kann so die verwertbaren Nahrungsbestandteile besonders gut aufnehmen.
  • Im Dickdarm wandeln etwa eine Billion Bakterien von 400 verschiedenen Arten die nicht mehr verwertbaren Nahrungsreste in Kot um und bilden dabei 15 ml Gas pro Stunde (nach Bohnengenuss auch mal das Zehnfache).

Dieser kleine Ausschnitt illustriert bereits die Vielfalt der Funktionen und Flexibilität des Verdauungstraktes, zeigt aber auch, dass der Ablauf an vielen Stellen gestört sein kann.

Symptome einer Magen-Darm-Erkrankung

Beschwerden, die besonders auf Störungen im Magen-Darm-Trakt hinweisen, sind:

Gelbsucht und Bauchwassersucht deuten unter anderem auf Störungen im Bereich der Leber, Gallenwege oder Bauchspeicheldrüse hin, deren Sekrete für den Verdauungsvorgang gebraucht werden.

Anamnese als erster Schritt der Untersuchung

Wie bei allen Krankheiten gilt: Das wichtigste Hilfsmittel ist das Erfragen der Krankengeschichte, in der Fachsprache als Anamnese bezeichnet. So kann der Arzt die Beschwerden bereits vorsortieren und bei der Diagnostik Schwerpunkte setzen. Besonders hilfreich sind dabei die aktuellen Symptome – wo, wann und wie häufig sie auftreten, was sie bessert oder verschlimmert, von welchen weiteren Beschwerden sie begleitet sind und so weiter.

Daneben wird unter anderem nach Ernährungsgewohnheiten, Alkoholkonsum, Stuhlgang und Gewicht gefragt. Auch andere Krankheiten, Operationen und Unfälle, Risikofaktoren und Medikamente, familiäre Krankheiten sowie soziales und berufliches Umfeld sind von Bedeutung.

Die Grunddiagnostik

Die körperliche Untersuchung erfolgt meist am entkleideten, liegenden Patienten. Die Grunddiagnostik beinhaltet verschiedene Bestandteile.

Inspektion

Äußerlich sichtbare Krankheitszeichen (Inspektion) sind zum Beispiel Wassereinlagerung, Zeichen der Abmagerung oder Hautveränderungen wie Lebersternchen oder gestaute Venen. Auch Narben, Asymmetrien und Vorwölbungen (zum Beispiel bei einem Leistenbruch) geben dem Arzt Hinweise.

Palpation

Für die Tastuntersuchung (Palpation) muss der Patient eine möglichst entspannte Bauchdecke haben. Hilfreich ist dafür je ein Kissen unter Kopf und Knien. Der Arzt ertastet die Organe, insbesondere die Leber, und achtet dabei auch darauf, ob bestimmte Druckpunkte Schmerzen auslösen.

Auskultation und Perkussion

Mit dem Abhören (Auskultation) und dem Abklopfen (Perkussion) des Bauchraums lassen sich die Darmgeräusche beurteilen sowie die Größe mancher Organe und freie Flüssigkeit im Bauchraum bestimmen.

Rektale Untersuchung

Wichtig ist auch die rektale Untersuchung, also das Austasten des Analbereichs und Enddarms. Dabei wird bei Männern gleichzeitig die Prostata abgetastet. Diese Untersuchung gehört zu der auch von Krankenkassen bezahlten Krebsvorsorge.

Laboruntersuchungen

Je nach Fragestellung werden häufig noch im Rahmen der Erstuntersuchung verschiedene Laborwerte im Blut bestimmt, zum Beispiel Blutbild, Gerinnung, Zucker, Fette, Leber- und Nierenwerte, Mineralstoffe und Eiweiße. Auch der Stuhl wird untersucht, zum Beispiel auf Blutbestandteile, um einen Tumor auszuschließen, auf Erreger bei chronischem Durchfall oder auf den Fettgehalt beim Verdacht auf Verdauungsstörungen.

Bildgebende Verfahren

Nach der Grunddiagnostik stehen verschiedene bildgebende Verfahren zur Untersuchung von Magen und Darm zur Verfügung:

  • Die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) ist ein wichtiges Verfahren zur Untersuchung des Bauchraums. Sie hat den Vorteil, dass sie auf der einen Seite recht einfach durchführbar, für den Patienten unbelastend und kostengünstig ist, sich mit ihr auf der anderen Seite viele Strukturen und Veränderungen darstellen lassen. Die Beurteilung erfordert allerdings einige Erfahrung.
  • Mit einer Zusatzeinrichtung lässt sich mittels Doppler- und Duplexsonographie der Blutstrom farbig sichtbar und hörbar machen, mithilfe spezieller Schallköpfe und Kanülen kann der Arzt verdächtige Bezirke unter Ultraschallkontrolle ansteuern und dort Gewebeproben entnehmen.
  • Ein Röntgenbild des Bauchraums (Abdomenübersichtsaufnahme) hat fast nur noch Bedeutung zur Darstellung freier Luft unter der Zwerchfellkuppel; ansonsten bietet sie keinen Vorteil gegenüber der Sonographie. Koppelt man sie allerdings mit der Gabe von Kontrastmittel (als Brei geschluckt oder als Einlauf) und eventuell Luft (Doppelkontrastaufnahme), lassen sich die Darmbewegung und grobe Struktur beurteilen.
  • Die Anwendungsbereiche der Computertomographie (CT) sind vergleichbar mit denen des Ultraschalls; allerdings ist die Auflösung und damit Unterscheidbarkeit besser. Dagegen stehen die Strahlenbelastung für den Patienten und die höheren Kosten.
  • Mit der Magnetresonanztomographie lassen sich vor allem Veränderungen von Leber, Gallengänge und Bauchspeicheldrüse darstellen.
  • Besteht der Verdacht auf eine Gefäßerkrankung oder Blutungen, kann auch eine Angiographie angezeigt sein. Dabei wird ein kleiner Schlauch in die Gefäße eingeführt, darüber Kontrastmittel eingebracht und dessen Verteilung im Röntgenbild dargestellt.

Endoskopie: Spiegelung von Speiseröhre, Magen und Darm

Eine Spiegelung von Speiseröhre, Magen und Darm hat den Vorteil, dass sich der Arzt den erkrankten Organabschnitt direkt anschauen und Gewebeproben entnehmen kann. Auch ein therapeutisches Vorgehen wie eine Blutstillung, Aufweitung von Engstellen, Verödung von Krampfadern oder Einlage eines Kunststoffröhrchens zum Offenhalten eines Abschnitts sind damit möglich. Deshalb ist die Endoskopie bei Störungen des Magen-Darm-Trakts von großer Bedeutung.

Recht einfach einsehbar sind Speiseröhre, Magen und oberer Dünndarm (Magenspiegelung), sowie Enddarm und Dickdarm (Koloskopie). Der dazwischen liegende Dünndarmabschnitt lässt sich mithilfe der Videokapselendoskopie erreichen. Dabei schluckt der Patient eine Kapsel, die eine Miniaturkamera, einen Sender und eine Batterie enthält. Beim Durchwandern des Darms schießt sie in regelmäßigen Abständen ein Bild, das hinterher am Computer zu einem Film zusammengesetzt wird. Die Kapsel wird am Schluss mit dem Stuhl ausgeschieden.

Funktionstests des Verdauungstraktes

Mit der Szintigraphie lassen sich die Magenentleerung mit einer Testmahlzeit sowie Leberfunktion und Galleabfluss mit einer in die Vene gespritzten Substanz beurteilen. Diese Stoffe sind radioaktiv markiert und so kann ihre Verteilung im Verdauungstrakt beziehungsweise in den Blutgefäßen der Leber mit einer speziellen Kamera beobachtet werden.

Daneben stehen noch einer Reihe weiterer Tests zur Verfügung, die allerdings heute – aufgrund der bisher genannten diagnostischen Optionen – nur noch wenig Bedeutung besitzen. Dazu gehört die Manometrie, also das Messen der Druckverhältnisse in Speiseröhre und Magen und die ph-Metrie, bei der mit einem Katheter erfasst wird, wie sauer die Umgebung in Speiseröhre oder Magen ist. Besteht der Verdacht auf Funktionsstörungen vor allem im Bereich des Dünndarms, kommen Atemtests zur Anwendung.

Da die Funktion des Verdauungstrakts eng gekoppelt ist mit der von Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse, werden – je nach Verdachtsdiagnose – zusätzlich auch diese genauer untersucht.

Aktualisiert: 25.09.2020
Autor*in: Dagmar Reiche

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