Untersuchungen von Leber und Gallenwegen

Untersuchung der Leber- und Gallenwege
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Die Leber ist die "Chemiefabrik" des Körpers: Sie entgiftet das Blut und produziert, verarbeitet und speichert wichtige Substanzen. Die von ihr hergestellte Galle dient der Fettaufnahme im Darm und der Ausscheidung von Stoffwechselschlacken. Der Mensch kann zwar ohne Gallenblase, nicht jedoch ohne Leber existieren. Trotzdem verursachen Leberkrankheiten meist erst spät Beschwerden.

Warnsignale und Symptome

Treten in einem Chemiewerk Probleme auf, kann sich das an verschiedenen Stellen zeigen: Gibt es undichte Ventile oder Lecks, gelangen Substanzen, die nicht dahin gehören, in das Kühlwasser. Sind Leitungen verschlossen, stauen sich Stoffe zurück. Arbeiten die Maschinen nicht mehr richtig, werden die Materialien in falscher Zusammensetzung produziert.

Die Lagerhallen in der Fabrik werden nicht mehr richtig oder mit den falschen Produkten aufgefüllt. So lassen sich mit etwas Verzögerung Auswirkungen auf die Umwelt beobachten: Die Fische schwimmen mit dem Bauch nach oben im Fluss, dem das Kühlwasser zugeleitet wird oder Pflanzen, die mit den veränderten chemischen Mitteln in Berührung kommen, werden krank.

Ähnliches passiert mit der Leber: Wird Gewebe – zum Beispiel durch eine Entzündung – zerstört, gelangen Substanzen aus den Leberzellen ins Blut und lassen sich dort nachweisen. Lässt die Funktion der Leber nach, zeigen sich leere Lagerhallen für die vermindert gebildeten Substanzen oder die Ausgangsprodukte stauen sich, weil sie nicht richtig weiterverarbeitet werden können. Auch dies lässt sich vor allem im Blut nachweisen.

Unspezifische Warnsignale werden zunächst häufig übersehen – erst, wenn sich auch Wirkungen an anderen Organen wie Haut, Milz und Gehirn zeigen, wird die Erkrankung richtig wahrgenommen. Lebersymptome sind gerade am Anfang recht unspezifisch:

  • Müdigkeit und Konzentrationsstörungen,
  • gedrückte Stimmung,
  • ein Spannungsgefühl im Oberbauch,
  • Appetitverlust und Übelkeit

gehören dazu. Juckreiz, Gelbfärbung der Haut und Augenbindehaut, dunkler Urin und heller Stuhl, Wassereinlagerung im Bauch, Schmerzen von Muskeln und Gelenken, Nasenblutungen und Blutergüsse sowie – bei Männern – vermindertes Wachstum der Brust- und Bauchbehaarung treten meist erst später auf.

Die Grunddiagnostik

Zunächst einmal stellt sich die Frage, welcher Arzt zur Untersuchung von Leber- und Gallenwegen aufgesucht werden sollte. Schwerpunktmäßig befasst sich ein Gastroenterologe mit Erkrankungen der Leber, der Gallenblase sowie des Magen-Darm-Traktes. Ausschließlich auf Leber und Galle spezialisiert ist ein Hepatologe.

Bei der körperlichen Untersuchung liegt der Betroffene in der Regel. Äußerlich sichtbare Krankheitszeichen (Inspektion) sind zum Beispiel Wassereinlagerungen, gelbliche Bindehäute der Augen und Kratzspuren oder Gefäßspinnen an der Haut. Bei der Tastuntersuchung (Palpation) und beim Abklopfen (Perkussion) kann der Arzt die Leber und Gallenblase unter dem rechten Rippenbogen untersuchen und prüfen, ob diese schmerzempfindlich sind. Setzt er gleichzeitig sein Stethoskop zum Abhören ein (Auskultation), kann er auch die Darmgeräusche und größere Wassereinlagerungen beurteilen.

Bestimmung der Leberwerte

Zur Grunddiagnostik gehört auch die Bestimmung der sogenannten Leberwerte. Dazu gehören die Transaminasen (ALAT = GPT, ASAT = GOT), Gamma-GT sowie die alkalische Phosphatase (AP). Diese werden bei den meisten Routineblutuntersuchungen mitbestimmt, da sie gut geeignet sind, erste Hinweise auf eine Leberstörung oder Gallestau zu geben. Sind sie erhöht, müssen spezifischere Tests folgen.

Funktionstests

Da die Leber bei einer Vielzahl von Stoffwechselprozessen beteiligt ist, kann ihre Leistung nur in der Zusammenschau verschiedener Tests eingeschätzt werden. Die wichtigste Rolle spielen hierbei Blutuntersuchungen:

  • Bilirubin: Der Gallenfarbstoff ist häufig erhöht, da er von der Leber nicht mehr so verändert wird, dass er über die Galle und den Darm ausgeschieden werden kann. Auch durch Gallensteine oder Tumore kann Bilirubin nicht mehr richtig abfließen. Stattdessen bleibt er im Blut, lagert sich in den Augen und der Haut ab und führt zur Gelbsucht.
  • Cholinesterase: Dieses Enzym wird normalerweise von den Leberzellen produziert und ins Blut abgegeben. Es ist bei Funktionsstörungen also erniedrigt.
  • Ammoniak: Dieses Stoffwechselendprodukt wird bei Leberstörungen, wie beispielsweise einer Leberzirrhose, nicht mehr ausreichend ausgeschieden und reichert sich so im gesamten Körper an. Im Gehirn führt es zu Hirnleistungsstörungen.
  • Albumin / Eiweiße: Eine verminderte Leberfunktion bedeutet auch eine verminderte Synthese von Eiweißen. Diese sind deshalb – in bestimmter Konstellation – im Blut vermindert.
  • Quick-Wert (bzw. INR-Wert): Viele Gerinnungsfaktoren werden in der Leber produziert. Ist ihre Herstellung gestört, ändern sich die Gerinnungsparameter wie der Quickwert entsprechend.
  • Blutplättchen (Thrombozyten): Da infolge des Leberversagens häufig auch die Milz vergrößert ist, werden dort die Blutplättchen vermehrt abgebaut. Auch dies führt zu Gerinnungsstörungen.
  • Gallensäuren: Diese werden wie das Bilirubin nicht mehr ausreichend ausgeschieden. Durch diese Gallenstauung (Cholestase) steigen die Bestandteile der Gallenflüssigkeit im Blut an und können zu Juckreiz führen.
  • Vitamine: Um die Vitamine A, D, E und K aus dem Darm aufzunehmen, braucht man einen intakten Fettstoffwechsel. Dieser ist bei Leberkrankheiten häufig gestört. Bei Alkoholmissbrauch sind oft auch Vitamin B, Folsäure und Spurenelemente wie Zink vermindert.
  • Blutzucker: Zucker wird über Leber und Darm ins Blut aufgenommen. Nicht selten kommt es im fortgeschrittenen Stadium einer Lebererkrankung zu Störungen im Zuckerstoffwechsel bis hin zu einem Diabetes mellitus.
  • Elektrolyte: Salze wie Natrium und Kalium können im Blut vermindert oder im Überschuss vorhanden sein.

Das Ausmaß des Leberversagens und die Prognose lassen sich mit einem Klassifikationssystem (nach Child-Pugh) beurteilen – dazu werden drei Laborwerte (Bilirubin, Albumin, INR-Wert) und zwei klinische Befunde (Bauchwasser, Hirnleistungsstörungen) zueinander in Bezug gesetzt und in Punkte aufgeteilt.

Die Punktewerte des Klassifikationssystems bedeuten folgendes:

  • 5 bis 6 Punkte: gute Leberfunktion (Stadium A)
  • 7 bis 9 Punkte: mäßige Leberfunktion (Stadium B)
  • > 10 Punkte: geringe Leberfunktion (Stadium C)

Aktualisiert: 01.07.2021 - Autor: Dagmar Reiche; überarbeitet: Jasmin Rauch

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